Mobilitätsfaktoren Wohnen und Siedlungsentwicklung

Wohnen beeinflusst die Klimabilanz der Mobilität stark. Acht von zehn Wegen beginnen oder enden zu Hause. Die Wohnungs- und Siedlungspolitik ist damit ein wichtiger Hebel zum Erreichen der Klimaziele im Verkehr. Gemeinden haben es in der Hand, durch raumplanerische Vorgaben und neue Wohnformen den Verkehr zu reduzieren.
Haushalte in weniger dicht besiedelten Regionen besitzen im Durchschnitt mehr Pkw. Dichte Besiedlungsstrukturen sind ein wichtiger Faktor, um klimaverträglicheren Verkehr zu ermöglichen.

Dem Wohnstandort kommt eine wichtige Rolle bei der Förderung von klimaverträglicher Mobilität zu, da rund 80 Prozent der Wege zu Hause beginnen oder enden. Nur knapp die Hälfte der Bevölkerung Österreichs lebt an gut mit Öffentlichem Verkehr versorgten Wohnstandorten. Grundsätzlich gilt, je zentraler der Wohnstandort, umso geringer der Motorisierungsgrad. Umgekehrt führt Zersiedelung zu deutlich mehr Autoverkehr und treibt den Bodenverbrauch in die Höhe. In dünn besiedelten Bezirken wie beispielsweise Waidhofen an der Thaya, Güssing oder in der Südoststeiermark liegt der Motorisierungsgrad zum Beispiel bei über 700 Pkw pro 1.000 Personen gegenüber 566 Pkw im Durchschnitt Österreichs. Massiv gestiegen ist auch die Anzahl der Zweit- und Drittautos der Haushalte in Österreich von rund 706.000 im Jahr 2000 auf rund 1,6 Millionen im Jahr 2018. Die Siedlungsdichte, die Nutzungsdurchmischung, das Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln im Wohnumfeld sowie Restriktionen bei der Nutzung des Pkw spielen neben persönlichen Einstellungen und Gewohnheiten für die Verkehrsmittelwahl eine wesentliche Rolle. Je dichter besiedelt ein Raum ist, desto effektiver können öffentliche Verkehrsmittel eingesetzt werden.

Zersiedelung verursacht hohe Kosten

Bauflächen und Straßen sind für fast drei Viertel des Bodenverbrauchs in Österreich verantwortlich. Nur durch kompaktes Bauen kann der Bodenverbrauch reduziert werden.

Je nach Wohnstandort fallen unterschiedliche Kosten für die Nutzenden aber auch für die Allgemeinheit an. Einen Teil der Fahrtkosten wie Tickets für Bus und Bahn im Öffentlichen Verkehr oder Fahrzeugkauf und Fahrzeugbetrieb zahlen die Nutzenden, der Rest wird durch die Öffentliche Hand beigesteuert. Die Bereitstellung und die Instandhaltung der Infrastruktur im Allgemeinen, Unfallfolgekosten und Umweltkosten werden in die privaten Kosten nicht eingerechnet, sondern fallen bei der Bevölkerung insgesamt und der Öffentlichen Hand als Kosten an. Die Infrastrukturkosten – neben Straßen auch Leitungen und Wasseranschlüsse – sind bei weniger dichten Siedlungsformen im Schnitt besonders hoch. Da in den meisten Gemeinden Österreichs bei der Siedlungserweiterung immer noch Außen- vor Innenentwicklung praktiziert wird, steigen der Bodenverbrauch und Nutzung des Pkw weiterhin an.

Zersiedelung bedeutet nicht nur einen verschwenderischen Zugriff auf den Boden, sondern fördert auch die Abhängigkeit vom Auto. Da die Infrastrukturkosten mit der Bebauungsdichte sinken, können Innenentwicklung und Nachverdichtungsmaßnahmen ein gutes Mittel sein, Flächen effizienter zu nutzen. Reihenhäuser und Geschoßwohnbauten bedeuten im Gegensatz zum Einfamilienhaus geringere Infrastrukturkosten für Gemeinden und damit mehr Spielräume für andere Maßnahmen, die der Allgemeinheit dienen. Zielgerichtete Maßnahmen eines Moblitätsmanagements und ergänzende Angebote wie Car- oder Bikesharing für mehrgeschoßige Wohnbauten helfen, die Abhängigkeit vom Pkw zu reduzieren.

In den Städten braucht es in den Wohngebieten angesichts der zunehmenden Klimaerhitzung mehr Grünflächen. Denn Straßen und Parkplätze sind an heißen Tagen im wahrsten Sinn des Wortes Asphaltwüsten, die negative Auswirkungen auf das Mikroklima im Wohnumfeld haben. Um die Mobilitätswende mittels vorausschauendem Wohnbau voranzubringen, bedarf es rascher Reformen. Allen voran ist die bestehende Pkw-Stellplatzverpflichtung in eine multimodale Mobilitätsgarantie umzuwandeln, die Vorgaben für Fahrrad-Abstellplätze im Wohnbau sind zu verbessern. Für emissionsfreie Mobilität stehen Änderungen im Wohnrecht für ein Right-to-Plug an. Auch in der Wohnbauförderung ist nachhaltige Mobilität stärker zu berücksichtigen.

Die VCÖ-Publikation „Mobilitätsfaktoren Wohnen und Siedlungsentwicklung“ zeigt anhand von zahlreichen Grafiken, Daten und Beispielen, dass die Wohnungs- und Siedlungspolitik ist ein wichtiger Hebel zum Erreichen der Klimaziele im Verkehr ist.

Zum PDF-Download dieser VCÖ-Publikation im Downloadbereich

VCÖ-Empfehlungen

Mobilitätskonzepte im Wohnbau zum Standard machen

  • Dem Wohnen kommt eine besondere Rolle bei der Mobilitätswende zu, da acht von zehn Alltagswegen zu Hause beginnen oder enden.

  • Bedingungen für Wohnbauförderung an die Verfügbarkeit klimaverträglicher Mobilitätsangebote knüpfen.

  • Eine Mobilitätsgarantie im Wohnbau rechtlich definieren und vorschreiben, die ein Mindestmaß an multimodalen Mobilitätsangeboten statt der Pkw-Stellplatzpflicht schafft.

  • Sanierung von Wohnanlagen stärker fördern und Umnutzung von Pkw-Abstellplätzen zu Freiflächen und Fahrrad-Abstellanlagen sowie Ausbau von E-Ladeinfrastruktur und Sharing-Angeboten vorantreiben.

  • „Right to Plug“ schnell umsetzen. Der Abbau technischer und rechtlicher Barrieren bei der Bereitstellung von Ladestellen für Elektro-Fahrzeuge ist vor allem bei Wohnhausanlagen notwendig.

 

Das vierseitige VCÖ-Factsheet "Mobilitätsfaktoren Wohnen und Siedlungsentwicklung" fasst die wichtigsten Inhalte dieser VCÖ-Publikation auf vier Seiten zusammen und bringt Empfehlungen für eine Mobilitätswende im Wohnbau. >>> zum VCÖ-Factsheet


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