Wie Städte die Mobilitätswende voranbringen

Die städtische Bevölkerung kann deutlich klimaverträglicher mobil sein als die Bevölkerung in den Regionen.

Für die Mobilitätswende sind die Ausgangsbedingungen in den Städten gut und zahlreiche Beispiele zeigen, dass klimaverträgliche Mobilität und hohe Lebensqualität in Städten möglich sind. Urbane Ballungszentren gelten in vielen Teilbereichen als Vorreiter innovativer Entwicklungen, nicht nur auf technologischer Ebene. Faktoren, wie die hohe Bevölkerungsdichte, die hohe Verfügbarkeit unterschiedlicher Transportmittel sowie das Potenzial für kurze Wege bieten gute Ausgangsbedingungen für innovative und effiziente Verkehrslösungen.

Aufgrund dieser Ausgangslage ist die Dekarbonisierung des Verkehrs in den Städten deutlich vor dem Jahr 2050 notwendig, damit die Klimaziele österreichweit eingehalten werden können. Europaweit setzen Städte schon jetzt auf die Umnuztung von Parkplätzen und Fahrbahnen, die Förderung von Gehen und Radfahren sowie auf den Öffentlichen Verkehr.

Vermeiden, verlagern, verbessern

In Städten treffen unterschiedliche Nutzungsansprüche im beschränkt verfügbaren öffentlichen Raum aufeinander, etwa Wohnen, Arbeiten, lokale Wirtschaft und Tourismus. Der starke Fokus auf den Pkw in der städtischen Entwicklung im 20. Jahrhundert hatte direkte und indirekte Effekte auf Lebensqualität, Gesundheit sowie Barriere- und Bewegungsfreiheit der Bevölkerung. Die Umgestaltung von ausschließlich dem Kfz-Verkehr zur Verfügung stehenden Flächen in multifunktional nutzbaren, allgemein zugänglichen öffentlichen Raum und zu Grünflächen ist eine zentrale Voraussetzung sowohl für eine klimaverträgliche urbane Mobilität und hohe Lebensqualität als auch für die Verringerung von Verkehrsproblemen der wachsenden Ballungsräume. Der Grundsatz „Verkehr vermeiden, dann Verkehr verlagern, dann Verkehr verbessern“ kann in urbanen Mobilitätsstrategien durch die Umsetzung einer Stadt der kurzen Wege, der Förderung von aktiver Mobilität, öffentlich zugängliche Mobilitätsangebote, Multimodalität und Sharing sowie Elektrifizierung von Fahrzeugen verfolgt werden.

Die dominante Rolle des Autos hinterfragen

Die Bedeutung des Autos nimmt in den Städten bereits ab. In Wien kamen im Jahr 2018 auf 1.000 Einwohnende 374 Pkw, im Jahr 2005 waren es noch 403 Pkw. In Zürich und Berlin sind bereits mehr als 50 Prozent der Haushalte autofrei. In Wien sind 42 Prozent der Haushalte autofrei, in Graz, Linz, Salzburg und Innsbruck jeder dritte Haushalt. Obwohl die Wiener Bevölkerung nur 29 Prozent ihrer Alltagswege mit dem Pkw zurücklegen, macht der Anteil der Kfz Fahrbahnen an der gesamten Verkehrsfläche 67 Prozent aus. In Graz wird 92 Prozent der Fläche für den ruhenden Verkehr von abgestellten Autos in Anspruch genommen, lediglich acht Prozent entfallen auf Haltestellen des Öffentlichen Verkehrs, Bereiche für Gehende und Radabstellmöglichkeiten.

Klimaneutrale Mobilität in Städten erreichen

• Die Planung von Verkehr und Stadtentwicklung an den Zielen von Dekarbonisierung und Mobilitätswende ausrichten anstatt an der Fortschreibung des Bestehenden

• Kurze Wege ermöglichen sowie Gehen und Radfahren fördern, weitere Strecken auf den Öffentlichen Verkehr verlagern, im Kfz-Verkehr emissionsfreie und Sharing-Fahrzeuge einsetzen

• Den Öffentlichen Verkehr um neue Mobilitätsangebote wie Sharing und nachfragegesteuerte Dienste ergänzen

Transformative Maßnahmen für Kfz-Verkehr in der Stadt setzen

• Die Flächen, auf denen derzeit Autos im öffentlichen Raum abgestellt werden, für Nutzungen wie Gehen, Radfahren, Aufenthalt und Begrünung gewinnen. Dazu konkret festlegen, wie viele Kfz-Stellplätze jährlich umgebaut werden

• Innerstädtische Kfz-Straßen rückbauen und für Boulevards, Parks oder Entwicklungsgebiete nutzen

• Kfz-Durchfahrtsverkehr um Stadtzentren und Wohngebieten herumleiten: Erreichbarkeit mit Kfz erhalten, aber Durchfahrt nur zu Fuß, mit Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln gestatten

• Zonen festlegen, in denen nur emissionsfreie Fahrzeuge und Lieferkonzepte gestattet sind

 

Das vierseitige VCÖ-Factsheet "Wie Städte die Mobilitätswende voranbringen" fasst die wichtigsten Inhalte dieser VCÖ-Publikation auf vier Seiten zusammen und bringt Empfehlungen, wie Städte eine klimaneutrale Mobilität erreichen können >>> zum VCÖ-Factsheet

Die VCÖ-Publikation „Wie Städte die Mobilitätswende voranbringen“ zeigt, welche einschneidenden Auswirkungen der Pkw-Fokus der urbanen Verkehrsplanung der vergangenen Jahrzehnte hatte und welche Maßnahmen in unterschiedlichen Städten ergriffen werden, um den öffentlichen Raum als hochwertigen Wohn-, Lebens- und Aufenthaltsraum für Menschen zurückzugewinnen.

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