Sharing und neue Mobilitätsangebote

 
Sharing und neue Mobilitätsangebote
In Österreich gibt es immer mehr Zweit- und Drittautos. Der Anteil der autofreien Haushalte macht ein Viertel aller Haushalte aus.

Die Digitalisierung eröffnet für das systematische Teilen von Fahrzeugen oder Bündeln von Fahrten neue Möglichkeiten. Individuelle Mobilität im digitalen Zeitalter bedeutet, aus einer Vielzahl verschiedener Möglichkeiten flexibel wählen und kombinieren zu können, ohne vom Besitz eines eigenen Fahrzeugs abhängig zu sein. Bei richtigem Einsatz und Vermeidung von Rebound Effekten kann Sharing durch effizientere Ressourcen-Nutzung und die Veränderung des Mobilitätsverhaltens in hohem Maße dazu beitragen, die Personenmobilität auf Klimakurs zu bringen.

Sharing-Angebote und Mobilitätsdienstleistungen sind heute viel einfacher und einem größeren Personenkreis zugänglich als noch vor einigen Jahren. Mittlerweile dürften mehr als 100.000 Haushalten in Österreich bei einem Carsharing-Anbieter Mitglied sein. Das Potenzial ist aber um ein Vielfaches größer. Rund 572.000 Autofahrerinnen und Autofahrer fahren nur ein paar Mal im Jahr mit dem Auto, weitere rund 690.000 nur ein paar Mal im Monat. Gleichzeitig gibt es in Österreichs Haushalten mehr als 1,3 Millionen Zweit- und Drittautos, die im Schnitt nicht einmal eine halbe Stunde am Tag im Einsatz sind. Nur höchstens zehn Prozent aller Pkw in Österreichs Haushalten sind gleichzeitig auf den Straßen unterwegs.

Mehr als die Hälfte der Carsharing-Nutzenden stationsbasierter Systeme in Deutschland meldeten Privatautos ab, der Großteil davon bereits im Jahr vor der Anmeldung zum Carsharing.

Öffentlicher Verkehr profitiert von Sharing

Nach dem Umstieg vom eigenen Auto zu Carsharing sind die Haushaltsmitglieder vielfältiger unterwegs, bisherige Fahrten mit dem eigenen Auto verteilen sich neben Carsharing auch auf den Öffentlichen Verkehr, Radfahren und Gehen. Im Schnitt fahren in Deutschland Carsharing-Nutzende um 40 Prozent seltener mit dem Auto, um 19 Prozent häufiger mit öffentlichen Verkehrsmitteln und um 14 Prozent häufiger mit dem Fahrrad.

Das größte Potenzial für mehr Klimaverträglichkeit hat Carsharing im koordinierten Ausbau mit dem Öffentlichen Verkehr. Durch die Sichtbarkeit der Kosten einer Carsharing-Fahrt werden Spontantrips vermieden und die Autonutzung mittelfristig reduziert, am stärksten im innerstädtischen Bereich. Carsharing reduziert somit auch gefahrene Pkw-Kilometer. Eine Studie für Wien geht von 300 bis 850 Pkw-Kilometer weniger pro Jahr und Haushalt aus. In München beträgt die Reduktion rund fünf Prozent, in Bremen und den Niederlanden 15 bis 20 Prozent.

Bikesharing in allen Städten anbieten

Auch Leihfahrradsysteme verändern das Mobilitätsverhalten. Eine Untersuchung zeigte, dass in Hamburg zwölf Prozent der Bike-Sharing-Fahrten ehemalige Autofahrten ersetzten, in Paris sogar 20 Prozent. Citybike Wien zeigt, dass die Fahrräder großteils für kurze Fahrten unter 30 Minuten Leihdauer verwendet werden. So stellt Bikesharing auch eine sinnvolle Ergänzung zum Öffentlichen Verkehr dar, da vor allem Strecken gefahren werden, bei denen die Fahrzeit mittels öffentlicher Verkehrsmittel mehr als zweimal so lange dauern würde.
In Österreich gibt es bereits in rund 150 Städten und Gemeinden ein Leihradsystem mit insgesamt mehr als 550 Verleihstationen und rund 3.000 Fahrrädern.

In Österreich gab es im Jahr 2018 bereits über 200 aktive Mikro- ÖV-Systeme, die meisten davon in Niederösterreich.

Mobilitätsangebote für die Regionen

Um Lücken in Mobilitätsketten zu schließen, brauchen vor allem ländliche Regionen mehr flexible Mobilitätsangebote wie Anrufsammeltaxis und Gemeindebusse. Diese nachfragebasierten Angebote sind in das Angebot des Verkehrsverbundes zu integrieren, wie das beispielsweise beim IST-mobil im Bezirk Korneuburg der Fall ist oder bei den Anrufsammeltaxis Defreggental und Pustertal im Verkehrsverbund Tirol. Wichtig ist, dass Mikro-ÖV-Systeme nicht nur beim Start gefördert, sondern langfristig finanziert werden. Auch die rechtliche Situation für gemeinwohlorientierte Gemeindebusse ist in Österreich zu verbessern, etwa durch Anpassungen im Gelegenheitsverkehrsgesetz, ähnlich diesbezüglicher Regelungen im Personenbeförderungsgesetz Deutschlands.

Mobility as a Service als integriertes Mobilitäts-System

Beim Konzept „Mobility as a Service“ ist es das Ziel, möglichst alle verfügbaren Ressourcen zu einem auf den individuellen Bedarf abgestimmten Mobilitätsangebot zu bündeln, ohne ein eigenes Auto besitzen zu müssen. In Stockholm inkludiert das Angebot „UbiGo“ die unbegrenzte Nutzung des Öffentlichen Verkehrs sowie Pakete für Carsharing, Mietautos, Taxi und Bike-Sharing. Bestellung und Abrechnung erfolgen via Smartphone-App. In der Testphase in Göteborg halbierte sich die Autonutzung der Teilnehmenden und gleichzeitig stieg deren Zufriedenheit mit ihrer Mobilität von zuvor 19 auf 51 Prozent. Ein ähnliches Angebot mit Mobilitätsabos betreibt „Whim“ im Großraum Helsinki. Ähnliche Beispiele aus Österreich sind die Apps WienMobil und wegfinder oder das multimodale Angebot tim in Graz.

Möglichkeiten effizienterer Mobilität nutzen

Um das Potenzial von Sharing in Österreich nutzen zu können, braucht es verbesserte Rahmenbedingungen. So gibt es in Deutschland gibt es ein Carsharing-Gesetz, das es beispielsweise Gemeinden erleichtert, öffentliche Parkplätze für Carsharing zu reservieren. Für neue Mobilitätsdienste braucht es Rechtssicherheit für den Betrieb bei gleichzeitiger Vermeidung von Risiken etwa für die Nutzenden und Beschäftigten.

Die VCÖ-Publikation "Sharing und neue Mobilitätsangebote" zeigt auf, welche neuen Angebote die Mobilitätslandschaft beeinflussen und wie gemeinschaftlich genutzte Verkehrsmittel und neue Mobilitätsdienstleistungen die Grundlagen für ein neues Verständnis individueller Mobilität sowie Klimaverträglichkeit der Personenmobilität schaffen können.

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