Radfahren

Österreichs Klimastrategie sieht vor, den Anteil des Radverkehrs an allen Wegen bis zum Jahr 2025 auf 13 Prozent zu verdoppeln. Radfahren leistet einen wesentlichen Beitrag zu einem klimaverträglicheren Verkehrssystem und eine Verdoppelung des Radverkehrs ist erreichbar.

40 Prozent der privaten Autofahrten in Österreich sind kürzer als fünf Kilometer. Jede fünfte  Autofahrt ist sogar kürzer als zweieinhalb Kilometer. Das Bundesland Vorarlberg hat bereits heute einen Radverkehrsanteil von 16 Prozent. Der Anteil des Radverkehrs ist dort hoch, wo die Verkehrsplanung dem Radverkehr ausreichend Platz einräumt und wo wichtige Alltagsziele, wie Betriebe und Unternehmen, Schulen, Geschäfte, Freizeiteinrichtungen und Bahnhöfe gut mit dem Fahrrad erreichbar sind.

Zusätzlich zum Klimaschutz verringert ein höherer Anteil des Radfahrens deutlich die Belastung durch gesundheitsschädliche Luftschadstoffe wie Feinstaub und Stickoxide.  Nicht zu vergessen sind die positiven Effekte durch die gesunde Bewegung beim Radfahren und das Ermöglichen von selbständiger Mobilität unabhängig von einem Auto, etwa für Kinder oder ältere Menschen.

Weiterlesen im VCÖ-Factsheet "Potenzial des Fahrrads für den Klimaschutz besser nutzen"

In den Städten ist dem Radverkehr mehr Platz einzuräumen. Derzeit wird auf vielen Straßen jedoch parkenden Autos mehr Platz gegeben als den Bürgerinnen und Bürgern, die Rad fahren. In den Regionen ist ein Ausbau der Radinfrastruktur vor allem entlang von Freilandstrecken groß. Auch hier sind viele Alltagswege meist nicht allzu weit, aber häufig fehlen sichere Radverbindungen zwischen zwei Orten oder von Siedlungen in das nächstgelegene Zentrum.

Die immer beliebter werdenden Elektro-Fahrräder sind für Österreich aufgrund seiner Topgraphie ein ideales Verkehrsmittel. Der Elektro-Motor vergrößert zudem die Reichweite der Fahrräder, auch Distanzen von 10 oder 15 Kilometer sind dann für viele möglich.
Zunehmend verbreitet sich eine Vielfalt verschiedener Transport-Fahrrräder. Mit und ohne Elektro-Unterstützung sind sie praktisch für den Privatgebrauch oder für den klimaverträglichen und flexiblen Einsatz im Betrieb, zum Beispiel für Lieferungen.

Weiterlesen im VCÖ-Magazin "In tragender Rolle - Transportfahrräder kommen"

Was es jetzt für doppelt so viel Radverkehr braucht

  • Netz an Hauptradrouten, Radhighways in die Städte, Radwege entlang von Freilandstraßen
  • Überland-Verbindungen zwischen Siedlungen, Ortskernen und Gemeinden
  • Sicheres und rasches Queren von stark befahrenen Straßen ermöglichen
  • Wichtige Alltagsziele wie Bahnhöfe, Geschäfte, Betriebe, Schulen und Krankenhäuser gut mit dem Fahrrad erreichbar machen und mit Radabstellanlagen ausstatten
  • Abkürzungen schaffen , etwa Einbahnen öffnen, Verkehrsberuhigung abseits von Radrouten
  • Radwege ohne Benützungspflicht verordnen und mehr Platz für das Radfahren auf der Fahrbahn: Radstreifen, wo möglich, vom Kfz-Verkehr schützen (Protected Bikelanes)
  • Viele, sichere und möglichst wettergeschützte Radabstellanlagen im Straßenraum, bei Geschäften, Freizeiteinrichtungen, an Bahnhöfen und Haltestellen
  • Radleihsysteme in allen größeren Städten
  • Fahrrad und Öffentlichen Verkehr besser kombinierbar machen: gute Radabstellanlagen sowie Radboxen für E-Bikes, Radmitnahme, Radleihstationen
  • Fahrrad und E-Bike am Arbeitsweg fördern:  Jobrad, Abstellanlagen, Umkleide und Dusche, Aktionen und Incentives im Betrieb
  • Wohnen und Arbeiten: Radfahren in den Bauordnungen (Radabstellplätze) sowie der Siedlungsentwicklung und Raumplanung (kurze Wege, Radrouten mitplanen) beachten

Radfahren ist positiv für Gesundheit und Umwelt

Das Risiko vorzeitiger Sterblichkeit sinkt für Radfahrende  im Vergleich zu Nicht-Radfahrenden um 30 Prozent. Das bringt auch volkswirtschaftlichen Nutzen. Alleine das Mehr an Bewegung durch regelmäßige Fahrradnutzung,  führt zu einer Senkung der Gesundheitskosten um bis zu 1.300 Euro pro Person und Jahr. Hinzu kommen vermiedene Gesundheitskosten durch geringere Abgas- und Lärmbelastung, eine im Vergleich zur Auto-Infrastruktur kostengünstige Fahrrad-Infrastruktur, positive Beschäftigungseffekte im Fahrradsektor und Einnahmen durch verstärkten Fahrrad-Tourismus, die vor allem den ländlichen Raum stärken. Die wirtschaftlichen Kosten, die durch die menschgemachte Erderwärmung entstehen, liegen in Österreich schon heute bei zirka 2,3 Milliarden Euro pro Jahr und müssen von der Bevölkerung getragen werden. Viele Konsequenzen, die sich aus der Nutzung fossiler Brenn- und Treibstoffe ergeben, sind zudem weder abschätz- noch monetär bewertbar, etwa der Verlust der Artenvielfalt.

Vorteile des Radfahrens auf einen Blick

  • Radfahren schont das Klima wie kaum ein anderes Transportmittel
  • Luftschadstoffe und Lärmemissionen werden vermieden
  • Radfahren fördert die eigene sowie die allgemeine Gesundheit
  • Kostenersparnis sowohl privat als auch volkswirtschaftlich
  • Radverkehr beansprucht wenig Platz und fördert urbane Lebensqualität
  • Radfahren ist flexibel und vor allem auf Kurzstrecken schnell

Weiterlesen im VCÖ-Magazin "Freude - Freiheit - Fahrrad"

Verlagerungspotenzial bei Kurzstrecken

In Österreich sind über 60 Prozent der mittels Auto zurückgelegten Strecken kürzer als zehn Kilometer und 40 Prozent sogar kürzer als fünf Kilometer. An Werktagen werden in Österreich so jeden Tag fünf Millionen Autofahrten mit einer maximalen Distanz von fünf Kilometern getätigt. Auf vielen dieser Kurzstrecken wären Fahrrad oder Elektro-Fahrrad eine nahezu schadstofffreie Alternative. Unter den richtigen Rahmenbedingungen spart Fahrrad-Mobilität gegenüber Pkw-Mobilität im städtischen Verkehr neben natürlichen Ressourcen oft auch individuelle Zeitressourcen.

Weiterlesen in der VCÖ-Presseaussendung "40 Prozent der Autofahrten der Österreicher in Radfahrdistanz"

Radverkehr braucht Infrastruktur

Um mehr Menschen zu ermöglichen, regelmäßig das Rad zu nutzen, braucht es massive Verbesserungen bei der Fahrrad-Infrastruktur. Notwendig wären unter anderem der Ausbau des Wegenetzes, die Schaffung von Abkürzungen für Fahrräder, die Sicherung gefährlicher Kreuzungen, Tempo-30-Zonen, eine gute Verknüpfung mit dem öffentlichen Verkehr, wetter- und diebstahlgeschützte Radabstellanlagen im öffentlichen Raum und fahrradfreundliche Ampelschaltungen. Eine besondere Effizienzsteigerung des Radverkehrs lässt sich mittels sogenannter Rad-Highways erzielen, die schnelle Rad-Verbindungen innerhalb der Stadt und aus dem Umland sicherstellen. Hochwertiger Straßenbelag, direkte Wegführung, möglichst seltenes Halten, sichere Straßenkreuzungen, Abstand zum übrigen Verkehr und gute Beleuchtung, sollen dabei ein rasches und sicheres Vorankommen von  A nach B garantieren.

In Ballungsräumen werden international immer häufiger so genannte Rad-Highways errichtet. Das sind direkte, möglichst kreuzungsfreie Rad-Verbindungen vom Umland in die Städte. Im deutschen Ruhrgebiet wird beispielsweise ein 100 Kilometer langer Rad-Highway gebaut.

Weiterlesen im Magazin-Artikel "Weitreichende Folgen – hier kommen Fahrräder in Fahrt"
Weiterlesen im Magazin-Artikel "Städte machen Wege kurz"
Details zu Supercycle Highways in der Region Kopenhagen

Neben schneller und flüssiger Fortbewegung, muss Fahrrad-Infrastruktur vor allem auch Sicherheit fördern. Das Radwegnetz soll so gestaltet werden, dass auch Verkehrsteilnehmende wie Kinder und ältere Personen sämtliche Infrastruktur nutzen können. Um diesen Ansprüchen gerecht zu werden, bieten sich zum Beispiel sogenannte „sichere Radstreifen“ an, bei denen Fahrradstreifen mit Sicherheitselementen ausgestattet werden. Schutzstreifen oder bauliche Maßnahmen sollen den Radverkehr vom übrigen Verkehr trennen, so können sichere Radstreifen eine umsetzungsfreundliche Alternative zu baulichen Radwegen darstellen.

Weiterlesen im VCÖ-Factsheet "Viele Barrieren behindern häufigeres Radfahren"

Multimodalität bei Langstrecken

Die Kombination von Öffentlichem Verkehr und Fahrrad ist ein Schlüssel für multimodale Mobilitätslösungen. Die Stärke des Öffentlichen Verkehrs ist die Überwindung großer Distanzen, die des Fahrrades die direkte und flexible Fahrt zum Bahnhof oder vom Bahnhof an das Ziel. Neben einer Erleichterung der Fahrradmitnahme in öffentlichen Verkehrsmitteln, können Bikesharing- Systeme eine attraktive Lösung darstellen, um nachhaltige Mobilitätskonzepte zu verwirklichen. 2018 gibt es in Österreich in bereits über 150 Gemeinden Bikesharing-Angebote, mit insgesamt über 3.000 Fahrrädern. Ein Netz an öffentlichen Leihrädern ermöglicht die spontane Nutzung des Fahrrades und den problemlosen Wechsel in ein anderes Verkehrsmittel. Bahnhöfe können so zu multimodalen Mobilitätstationen aufgewertet werden, an denen Infrastruktur für verschiedene Transportmittel konzentriert wird.

Radfahren am Land und in der Stadt

In ganz Österreich wird Rad gefahren, fast fünf Millionen Menschen nutzen das Rad im Alltagsverkehr zumindest gelegentlich, 2,3 Millionen sogar häufig.  Der Anteil des Radverkehrs am Gesamtverkehr variiert von Region zu Region jedoch stark. Besonders viele Radfahrende gibt es in Vorarlberg und im Lungau, aber auch in den Ballungsregionen rund um Graz und Salzburg, während im Tiroler Oberland weniger als 20 Prozent der Menschen häufig das Fahrrad als Verkehrsmittel nutzen.

Weiterlesen in der VCÖ-Presseaussendung "Beim Radfahren große Unterschiede zwischen Österreichs Regionen"

Im ländlichen Raum und in Kleinstädten sind die meisten der zu bewältigenden Entfernungen unter drei Kilometern kurz, etwa der Weg hin zu Schule, Einkaufsmöglichkeit oder Freizeiteinrichtung. Durch die über eine halbe Million Elektro-Fahrräder, die in Österreich bereits im Umlauf sind, können im Alltag auch Distanzen bis zu 15km zurückgelegt werden. Vor allem in Gegenden, in denen es große Höhenunterschiede gibt, können elektrisch unterstütze Fahrräder hilfreich sein.  In den Regionen sind also viele Alltagswege kurz genug um mit dem Fahrrad oder Elektro-Fahrrad zurückgelegt werden zu können, häufig fehlen jedoch sichere Radverbindungen zwischen zwei Orten oder von Siedlungen in das nächstgelegene Ortsgebiet. In den Städten braucht es den politischen und verkehrsplanerischen Zuspruch um genügend Platz für sichere und komfortable Fahrrad-Infrastruktur zu schaffen. Gleichzeitig ermöglicht gerade in städtischen Gebieten das Fahrrad eine maximal flexible Fortbewegung.

Fahrradfreundliche Raumplanung

Mobilität ist kein Selbstzweck, sondern die gegebenen Rahmenbedingungen bestimmen maßgeblich, wie sich Menschen fortbewegen. Verkehrsplanung orientiert sich nach wie vor in vielen Fällen am Kfz-Verkehr, während für Fuß- und Radverkehr nur Restflächen bleiben. Viele Probleme beim Radfahren lassen sich demzufolge auf ein Verteilungsproblem der zur Verfügung stehenden Flächen zurückführen und nicht auf ein generelles Platzproblem. Aber auch abseits der Verkehrsplanung, braucht es raumplanerische Maßnahmen, um bewegungsaktive Mobilität, wie Radfahren und Gehen, voranzutreiben. Wohnen, Arbeiten und Freizeit müssen räumlich verdichtet werden, um kurze Wege zu realisieren. Kompakte Siedlungsstrukturen erleichtern wiederum die Einführung innovativer Mobilitätskonzepte, die dem Leitgedanken Nutzen statt Besitzen entsprechen, etwa gemeinschaftlich genutzte Transport-Fahrräder.  Das trägt nicht nur dazu bei, ein ökologisch nachhaltiges Mobilitätssystem zu verwirklichen, sondern erfüllt auch einen sozialen Nutzen und steigert die Lebensqualität.

Weiterlesen im VCÖ-Factsheet "Bedingungen zum Radfahren weiter verbessern"