Radnetzstudie des steirischen Kernballungsraums

eingereicht von der Bike Citizens Mobile Solutions GmbH und dem Land Steiermark, Abteilung Verkehr und Hochbau

Kurzbeschreibung

Die Leistungsfähigkeit des Straßennetzes im steirischen Kernballungsraum stößt bereits jetzt an seine Grenzen. Die bauliche Verdichtung des Grazer Stadtgebietes und der Umlandgemeinden prognostiziert bis 2030 einen Einwohnerzuwachs von bis zu 20% (ÖROK), und der verfügbare öffentliche Raum bietet kaum Möglichkeiten mehr, zusätzliche (autoaffine) Straßeninfrastrukturen zu schaffen. Ein Wandel des Mobilitätsverhaltens ist gefragt.
Das Ziel der Radnetzstudie ist, in der Steiermark eine Grundlage für Politik und Verkehrsplanung zu schaffen, um (gemeinde-)grenzüberschreitende Radverkehrsinfrastruktur-Planungen zu verbessern. Zudem dient sie als Basis für finanzielle Förderungen von Radverkehrsinfrastruktur. Mit qualitativ hochwertigen Radwegenetzen kann ein hoher Radfahranteil im Modal Split von bis zu 40 Prozent erreicht werden. Überregionale Radnetzplanung spielt dabei eine große Rolle. Wichtig ist die Erarbeitung eines kategorisierten Radinfrastrukturnetzes nach den Prinzipien der (automobilorientierten) Straßenverkehrsplanung als Grundlage für weiterführende Machbarkeitsstudien und Detailplanungen. Es muss ein „Bild“ (eine Vision) entstehen, wie Radinfrastruktur gestaltet sein muss, um eine Veränderung im Mobilitätsverhalten zu erreichen und einen Anstoß für ein Bekenntnis von Politik und Gesellschaft zu einem verkehrsplanerisch nachfrageorientierten Radverkehrsnetz zu geben.
Mit der Radnetzstudie soll ein Grundstein gelegt werden: Auf Basis von GPS Radverkehrsdaten wird ein strategisches Radwegenetz entwickelt. Als Basis der Säule A der Radverkehrsstrategie des Landes Steiermark wird ein regionsübergreifendes Radwegenetz für den steirischen Kernballungsraum entworfen. Dieses Netz soll mittels Kategorien (Netzhierarchie), die den Bedürfnissen des Radverkehrs gerecht werden, beschrieben werden.

Innovation

Die Radnetzstudie soll als strategische Grundlage für ein Bekenntnis zum Radverkehr und als Basis für eine funktionale Radverkehrsinfrastruktur, ohne politische Verwaltungsgrenzen dienen. Es soll eine geeignete Planungsmethode (Verkehrsmodell) für den Radverkehr im Kontext der spezifischen Charaktere eines urbanen Raumes (große Dichte und kurze Entfernungen von Quellen und Ziele, Topografie) entwickelt werden. Mit Hilfe dieses Pilotvorhabens besteht nun erstmals die Möglichkeit, genaue und zuverlässige GPS-Daten, die über mehrere Jahre aufgezeichnet wurden, zum Verhalten des Radverkehrs auszuwerten, um dem heutigen und zukünftig zu erwartenden Mobilitätsbedürfnis der Bevölkerung im Kernballungsraum der Steiermark gerecht zu werden: Big Data beherrscht derzeit fast alle Diskussionen über Digitalisierung. Die Nutzung von Daten aus Mobiltelefonen ist für viele Anwendungen im Bereich der Stadtentwicklung von großem Nutzen. Die GPS-Datengenerierung erfolgt ausschließlich durch aktive Teilnahme der Bevölkerung. Das Land Steiermark bot 2013 bis 2018 den Menschen in der Steiermark die kostenlose Verwendung der Bike Citizens App. Diese Erhebung von Radverkehrsdaten über Jahre hinweg durch die Bike Citizens App, die im Gegensatz zu anderen Apps nicht den Radsport sondern größtenteils Alltagsradfahrten erfasst, liefert einen wertvollen Grundstock für die Radnetzstudie.