Welchen Effekt hat Tempo 30 auf Schadstoffe und Luftqualität?

Die Auswirkungen einer Temporeduktion von 50 auf 30 km/h auf Luftschadstoffe hängen von vielen Parametern ab. Tempo 30 wird zumeist als überaus wirksame Maßnahme für mehr Verkehrssicherheit und weniger Lärm eingesetzt. Soll Tempo 30 zu einer besseren Luftqualität beitragen, ist die Gesamtwirkung für das in Frage kommende Gebiet zu prüfen. Wichtig dabei ist, dass auch verkehrssystemische Modelle und / oder reale Messungen an den Luftgütemeßstellen durchgeführt werden. Aussagen aufgrund von Abgaswerten der Motoren bei verschiedenem Fahrverhalten alleine sind nicht ausreichend.

Für eine Studie des Landesamts für Umwelt Baden-Württemberg zu Tempo 30 und Schadstoffen wurden 1.000 Messfahrten auf 17 Strecken im Stuttgarter Raum unternommen. Das Ergebnis: Ob die einzelnen Fahrzeuge weniger Schadstoffe emittieren hängt von den konkreten Eigenschaften der Strecke (zum Beispiel Steigungen) ab. Bei Stickoxiden (NOx) ist die Wirkung von Tempo 30 aber tendenziell positiv, bei Feinstaub und Verbrauch eher, aber nicht zwangsläufig, leicht negativ.

Die Feinstaubemissionen eines Fahrzeugs sind jedoch nur zum Teil abgasbedingt, ein weiterer Teil des Feinstaubs wird durch Abrieb und Aufwirbelung verursacht. Mit dem Tempo nimmt die Aufwirbelung zu. Daher kann Tempolimit 30, auch wenn die abgasbedingten Partikelemissionen zunehmen, bei den Feinstaub-Gesamtemissionen zu Reduktionen führen.

In vielen Studien - wie in der oben genannten - wird nur die direkte Wirkung von Tempo 30 auf den Abgasausstoß von Fahrzeugen untersucht. Für den lokalen Gesamteffekt von Tempo 30 ist aber nicht nur relevant, ob die einzelnen Motoren mehr oder weniger Abgase ausstoßen, sondern welche Abgasbelastung bei der Bevölkerung insgesamt „ankommt", gemessen an den Luftqualitätsmessstellen (Immission).

Daher sind auch situationsabhängig die verkehrssystemischen Wirkungen zu untersuchen, denn Tempo 30 statt 50 trägt zu einer Abnahme des Kfz-Verkehrs bei. So wird es zum Beispiel in einem Wohngebiet, das großflächig zur Tempo 30-Zone gemacht wird, weniger Durchzugsverkehr geben. Weiters verbessern sich in Straßen mit Tempolimit 30 statt 50 die Bedingungen zum Radfahren und zu Fuß gehen. Dadurch nutzen auf diesen Strecken mehr Menschen das Fahrrad statt dem Auto, was wiederum die Abgasbelastung reduziert. Positive Effekte gibt es auch überall dort, wo die Temporeduktion zu einem gleichmäßigeren Verkehr führt.

Untersuchungen bei der großflächigen Einführung von Tempo 30-Zonen in Graz ergaben hinsichtlich Schadstoffemissionen und Treibstoffverbrauch im Vergleich zu Tempo 50 folgende Werte:

- Stickoxide (NOx): minus 24 % bis minus 32 %

- Kohlenmonoxid (CO): plus 4 % bis minus  3 %

- Kohlenwasserstoff (HC): plus  1 % bis minus 17 %

- Verbrauch, Kohlendioxid (CO2): keine Veränderung bis minus 1 %

 

Aus dem „Modellvorhaben Flächenhafte Verkehrsberuhigung“ in Deutschland wurden folgende Veränderungen der Schadstoffemissionen und des Verbrauchs durch Tempo 30- Zonen gegenüber Tempo 50 festgestellt:

- Stickoxide (NOx): minus 5 % bis minus 31 %

- Kohlenmonoxid (CO): plus 28 % bis minus 20 %

- Kohlenwasserstoff (HC): plus 2 % bis minus 23 %

- Verbrauch, Kohlendioxid (CO2): plus 14 % bis minus 6 % Die Ergebnisse fallen umso günstiger aus, je ungleichmäßiger die Fahrtverläufe vorher bei Tempo 50 waren und je niedertouriger und gleichmäßiger bei Tempo 30 gefahren wird. Der Fahrtverlauf hängt wiederum auch von der jeweiligen Situation und den unterschiedlichen Nutzungsansprüchen der Straßenräume ab.

 

Quellen:

Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg: Ersteinschätzung der Wirkung von Tempo 30 auf Hauptverkehrsstraßen auf die NOx- und PM10-Emissionen http://www.lubw.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/23231/aviso-bericht-wirkung-tempo30-2012.pdf?command=downloadContent&filename=aviso-bericht-wirkung-tempo30-2012.pdf

PISCHINGER, R.; JAMMERNEGG, G. u.a.: Tempo 30/50 in Graz, Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleituntersuchung für die Bereiche Verkehrsverhalten im Straßenraum,

Verkehrsmittel- und Routenwahl, Schadstoffemissionen, Treibstoffverbrauch und Verkehrslärm. In: Schriftenreihe der Institute für Eisenbahnwesen,

Straßen- und Verkehrswesen, Technische Universität Graz, Heft 21, Graz 1995.

Bundesministerium für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau, Bundesministerium für Verkehr und Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (Hrsg.), Forschungsvorhaben Flächenhafte Verkehrsberuhigung, Folgerungen für die Praxis. Bonn 1992.

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