Warum spricht sich der VCÖ gegen Tempo 140 aus?

Der VCÖ spricht sich gegen Tempo 140 auf Autobahnen aus, da höhere Fahrtgeschwindigkeit zu mehr Schadstoffausstoß, zu mehr Spritverbrauch und damit mehr CO2-Ausstoß sowie zu höherem Lärm und mehr und schwereren Unfällen führt. Tempo 140 hätte daher negative Auswirkungen auf Gesundheit, Verkehrssicherheit und Klimaschutz.

Die theoretisch mögliche Zeitersparnis bei Tempo 140 – auf einer Strecke von 10 Kilometern maximal 20 Sekunden – steht also in keinem Verhältnis zu den tatsächlichen Nachteilen.
Hingegen ist weniger Tempo die einfachste, billigste und wirksamste Methode für die Erhöhung der Verkehrssicherheit und für die Reduktion von gesundheitsschädlichen Emissionen und Treibhausgasen.

Negative Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit

Der Ausstoß von Stickoxiden erhöht sich laut Umweltbundesamt gegenüber Tempo 130 um etwa 16 Prozent, im Vergleich zu Tempo 100 sogar um mehr als 35 Prozent. Stickoxide sind in hohem Maße schädlich für die Gesundheit. Krankheitsbilder wie Atemwegserkrankungen, Bronchitis oder Herzrhythmusstörungen treten in Gebieten mit erhöhter Stickoxidbelastung nachweislich häufiger auf.

Die Feinstaubemissionen (PM10) nehmen bei Tempo 140 gegenüber Tempo 130 um etwa 18 Prozent zu. Dies ist bedenklich, da Feinstaub für gesundheitliche Probleme zu verantworten ist. Vor allem die Lunge wird durch eine erhöhte Feinstaubkonzentration belastet, wobei Kinder, ältere Menschen und Personen mit Herzkrankheiten oder Diabetes besonders betroffen sind.  

Folgen für Spritverbrauch und CO2-Ausstoß

Der Treibstoff-Verbrauch und damit die CO2-Emissionen liegen laut Berechnungen des Landes Steiermark durch das NEMO-Tool der TU Graz bei Tempo 140 im Vergleich zu Tempo 130 um 12 Prozent höher. Für ein klimaverträgliches Verkehrssystem sind alle Stellschrauben zu nutzen, um die CO2-Emissionen im Verkehr zu reduzieren. Bis 2050 auf de facto null. Daher sind alle Maßnahmen, die gegen dieses Ziel laufen, zu vermeiden.

Kontraproduktiv für die Verkehrssicherheit

Tempolimits sind nicht der einzige Einflussfaktor auf die Verkehrssicherheit, jedoch ein sehr zentraler. Mit höherer Geschwindigkeit steigt die Gefahr von Unfällen und diese gehen schlimmer aus. Veranschaulicht werden kann dies mithilfe des Anhaltewegs.

Bei einer Geschwindigkeit von 130 km/h beträgt der Anhalteweg (Reaktionszeit plus Bremsweg) auf trockener Fahrbahn 116 Meter. Ist das Fahrzeug jedoch mit 140 km/h unterwegs, fährt es nach 116 Metern immer noch 56 km/h. Erst nach 132 Metern kommt das Fahrzeug zum Stehen.

Im Falle eines Unfalls kann dies fatale Folgen nach sich ziehen. Ein Aufprall auf ein festes Hindernis bei 56 km/h entspricht den Aufschlag nach einem Fall aus 12 Meter Höhe.

In der Schweiz nur halb so viele Tote und Schwerverletzte im Straßenverkehr wie in Österreich

Unter anderem wegen niedrigerer Tempolimits sterben in der Schweiz nur halb so viele Menschen im Straßenverkehr wie in Österreich. Auch die Zahl der schwer Verletzten ist in Österreich etwa doppelt so hoch wie in der Schweiz.

In der Schweiz gelten auf Autobahnen Tempo 120, Tempo 100 auf Autostraßen und auf Haupt- und Nebenstraßen außerhalb von Ortschaften Tempo 80kmh.

Eine Studie des Internationalen Verkehrsforums der OECD vom März 2018 zeigt die positive Wirkung von Temporeduktion auf die Verkehrssicherheit. Sie zeigt, dass mit höheren Geschwindigkeiten das Unfallrisiko und die Unfallfolgen überproportional zunehmen.