VCÖ-Factsheet 2018-08 - VCÖ-Bahntest 2018: Angebote weiter ausbauen

Der VCÖ-Bahntest zeigt neben der Bewertung des Bahnfahrens durch die Fahrgäste, dass es sowohl hohe Qualität als auch neue Angebote braucht, damit künftig mehr Wege klimaverträglich mit der Bahn statt mit dem Auto zurückgelegt werden.

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Am VCÖ-Bahntest 2018 haben fast 10.000 Fahrgäste in den Zügen von sieben Bahnunternehmen teilgenommen. Unter jenen Befragten, für die sich die Qualität in die richtige Richtung entwickelt (53 Prozent), wollen doppelt so viele künftig häufiger Bahn fahren wie unter jenen, die die Qualität der Bahn als gleich bleibend (36 Prozent) erleben. Insgesamt haben 15 Prozent vor in Zukunft häufiger Bahn zu fahren, acht Prozent seltener. Mehr Bahn fahren wollen vor allem Personen ab 45 Jahre, und zwar mit dem Alter zunehmend. Die 15- bis 24-jährigen Fahrgäste geben eher als andere an, künftig weniger Bahn zu fahren.

Hohe Qualität führt zu häufigerem Bahnfahren

Mit der Anzahl der Zugverbindungen auf ihrer Strecke sind 69 Prozent der Befragten zufrieden, 14 Prozent sind damit unzufrieden. Dass es insgesamt auf dem Bahnnetz in Österreich zu wenige Zugverbindungen gibt, finden 22 Prozent. Wenn es häufigere Bahnverbindungen gäbe, könnten 37 Prozent aller befragten Bahnfahrenden viele Wege statt mit dem Auto mit der Bahn zurücklegen. Neben mehr Verbindungen ist für häufigeres Bahnfahren wichtig, dass es auch ohne Auto möglich ist, bequem und zuverlässig zum Bahnhof und von dort wieder nach Hause kommen zu können.



Mobilität rund um die Bahnhöfe ausbauen

Rund die Hälfte der beim VCÖ-Bahntest 2018 befragten Fahrgäste schätzt das Organisieren privater Mitfahrgelegenheiten, ein Carsharing-Angebot oder ein Radleihsystem an ihrem Bahnhof als nützlich ein. Bahnfahrende am Arbeitsweg geben zu 43 Prozent an, von ihrem Bahnhof mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht gut wieder nach Hause zu kommen. Gering ist die Zufriedenheit damit, wie sich die Abstimmung zwischen der Bahn und anderen öffentlichen Verkehrsmitteln im vergangenen Jahr entwickelt hat. 40 Prozent der Bahnfahrenden sehen hier Verbesserungen, 15 Prozent schätzen die Entwicklung negativ ein.

Viele Bahnhöfe in Österreich wurden in den vergangenen Jahren modernisiert. Das ist fortzusetzen und insbesondere auf den Komfort der Wartebereiche ein Augenmerk zu legen. Neben hohen 30 Prozent unzufriedenen Befragten wird dieser Aspekt der Bahnhöfe auch seltener gut bewertet als andere. Weiterhin Verbesserungsbedarf besteht bei der Information zu Unregelmäßigkeiten sowohl am Bahnsteig als auch in den Zügen. Im Regionalverkehr ist jeder fünfte Fahrgast damit unzufrieden.

Menschen prägen das Bahnfahren

Die Freundlichkeit des Zugpersonals bewerten die Fahrgäste beim diesjährigen VCÖ-Bahntest zu 55 Prozent mit sehr gut und zu 22 Prozent mit gut. Insgesamt acht Prozent bewerten diese mit schlecht oder sehr schlecht. Für 35 Prozent vermittelt das Zugpersonal sehr gut Sicherheit, für 19 Prozent gut. Neun Prozent sind in diesem Punkt nicht zufrieden. 87 Prozent der befragten Fahrgäste fühlen sich in der Regel beim Bahnfahren sicher. Auch der Umgang der Bahnfahrenden miteinander ist ein wichtiger Faktor. Jeweils zwei Drittel der Fahrgäste stimmt den beiden Aussagen zu, dass Fahrgäste aufeinander achten und dass andere Fahrgäste ihnen helfen, wenn sie einen Gefallen oder Hilfe benötigen Für insgesamt 26 Prozent der Fahrgäste ist ihr aktueller Zug eher voll oder eindeutig zu voll. Etwas häufiger ist dies für Befragte auf dem Arbeitsweg der Fall, ebenso für Fahrgäste in Fernverkehrszügen.

Beim VCÖ-Bahntest 2018 beantworteten rund 9.600 Fahrgäste während ihrer Zugfahrt den Fragebogen. Es nahmen Fahrgäste von DB Regio (Außerfernbahn), Graz Köflacher Bahn, Mariazellerbahn, ÖBB, Raab-Ödenburger Bahn, Steiermärkische Landesbahnen und WESTbahn teil. Befragungszeitraum war Ende April bis Mitte Juni 2018.


VCÖ-Empfehlungen

Mehr Angebot und hohe Qualität schaffen

  • Taktfahrplan ausbauen und ganzjährig häufigere Verbindungen anbieten, auch am Wochenende und insbesondere für Pendelnde später am Abend
  • Die Abstimmung zwischen Bahn und Bussen weiter verbessern sowie den Öffentlichen Linienverkehr zeitlich und lokal um flexible Angebote des Mikro-ÖV, wie Sammeltaxis oder Dorfbusse, ergänzen
  • Modernisierung der Bahnhöfe fortsetzen, Komfort der Wartebereiche und Fahrgastinformation verbessern

Bahnhöfe zu multimodalen Schnittstellen ausbauen

  • Gute Erreichbarkeit mit regionalen Buslinien sicherstellen, wo möglich Busknoten an Bahnhöfen einrichten
  • Hochwertige, direkte Fahrradverbindungen und Fußwege zu den Bahnhöfen schaffen
  • Mobilitätsangebote für die Strecke zum Bahnhof und von dort weiter ausbauen: Mikro-ÖV, private Mitfahrgelegenheiten fördern, Carsharing- und Leihradstationen, ausreichend viele wetter- und diebstahlgeschützte Radabstellanlagen

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Markus Gansterer,
VCÖ-Verkehrspolitik:

„Im Jahr 2017 wurden um rund 40 Prozent mehr Personenkilometer mit den Bahnen in Österreich zurückgelegt als im Jahr 2005. In einem klimaverträglichen Verkehrssystem muss der Anteil der Bahn an der Mobilität noch deutlich größer und damit ihr Angebot weiter ausgebaut werden.“


Weitere Ergebnisse sind auf der Projektseite zum VCÖ-Bahntest 2018 aufbereitet.

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