VCÖ-Factsheet 2015-10 - VCÖ-Bahntest: Fahrgäste wollen mehr Verbindungen

Die Fahrgäste registrieren Verbesserungen bei Österreichs Bahnen. Aber es gibt noch viel zu tun: Mehr Bahnverbindungen, insbesondere auch am Abend sowie ein Ticket für alle öffentlichen Verkehrsmittel ist den Bahnfahrerinnen und Bahnfahrern besonders wichtig.

VCÖ-Factsheet 2015-10 als PDF (620,0 KiB)

Beim diesjährigen VCÖ-Bahntest wurden 13.610 Fahrgäste in den Zügen von sieben Bahnunternehmen befragt. 38 Prozent der Fahrgäste fahren heuer häufiger mit der Bahn als im vergangenen Jahr, nur ein Zehntel fährt weniger. Auffallend: Vor allem die unter 30-Jährigen sind zunehmend mehr mit der Bahn unterwegs. Auch verlagern immer mehr Fahrgäste Fahrten vom Auto auf die Bahn.

Österreich ist seit dem Jahr 2013 in der EU Spitzenreiter beim Bahnfahren mit durchschnittlich 1.420 Kilometer pro Person und Jahr. In der Schweiz wird allerdings pro Person mit 2.390 Kilometer pro Jahr um rund 1.000 Kilometer mehr Bahn gefahren.

Kombination Rad & Bahn verbessern

Die Gesellschaft ändert sich und mit ihr die Anforderungen an die Mobilität. Flexiblere Arbeitszeiten -bedeuten, dass es auch am Abend und am Wochenende häufigere Zugverbindungen braucht. Für acht von zehn Fahrgästen ist das eine wichtige Maßnahme, um häufiger Bahnfahren zu können. Ebenso häufig werden gute Anschlussverbindungen und damit kurze Wartezeiten beim Umsteigen genannt.

Der Bedarf an einem optimalen Empfang für mobiles Internet und Mobiltelefon nimmt stark zu. Bei der Kombination Rad & Bahn orten viele Fahrgäste noch Verbesserungsbedarf.

Im Jahr 2014 wurden mit Österreichs Bahnen bereits um ein Drittel mehr Kilometer zurückgelegt als im Jahr 2005. Bei den 14 privaten regionalen Bahnen nahm die Zahl der Fahrgäste allein im Jahr 2014 um fünf Prozent auf rund 44 Millionen zu, von insgesamt 278 Millionen Fahrgästen.

Fahrgäste registrieren Verbesserungen

Mehr als die Hälfte der Fahrgäste meint, die Qualität beim Bahnfahren in Österreich sei zuletzt besser geworden.

Die Mehrheit der Fahrgäste erlebt Qualitätsverbesserungen beim Bahnfahren in Österreich. Sechs von zehn sehen eine verbesserte Gesamtreisezeit. Jeweils 55 Prozent erleben die Bahn pünktlicher, die Waggons komfortabler sowie Verbesserungen bei Information und Service. Häufigere Zugverbindungen nimmt die Hälfte der Fahrgäste wahr. In den genannten Bereichen sehen aber auch acht bis zwölf Prozent der Fahrgäste Verschlechterungen.

Zu verbessern ist aus Sicht vieler Fahrgäste die Abstimmung der öffentlichen Anschlussverbindungen, also der regionalen Busse oder des Stadtverkehrs, mit den Bahnen. Ältere Fahrgäste kommen häufiger mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Zug. Für sie sind Verbesserungen in diesem Bereich besonders wichtig.

Anzahl der Zugverbindungen erhöhen

Das Personal bekommt von den Fahrgästen die besten Noten. Das Zugpersonal wird von zwei Dritteln der Fahrgäste als sehr freundlich erlebt und von einem weiteren Viertel als freundlich. Auch das Servicepersonal für Speisen und Getränke wird sehr gut bewertet. Bei der Zugreise werden Sauberkeit und Sitzplatzangebot recht gut beurteilt, deutliche Verbesserungen im Vergleich zu früheren Jahren gibt es bei der Sauberkeit der WCs. Auch Klimaanlage beziehungsweise Heizung werden besser beurteilt, aber noch jeder dritte Fahrgast ist unzufrieden.

Ein zentraler Punkt für das Bahnfahren wird nur mittelmäßig bewertet, nämlich die Häufigkeit der Zugverbindungen am gesamten Bahnnetz. Zudem beklagen viele Fahrgäste mangelnde Informationen im Zug, wenn es zu Unregelmäßigkeiten, wie etwa Verspätungen, kommt. Großen Aufholbedarf gibt es beim Empfang für Mobiltelefon und mobilem Internet. Nur die Hälfte der Fahrgäste bewertet den -Mobiltelefon-Empfang auf ihrer Zugreise als gut-beziehungsweise sehr gut, der Empfang für mobiles Internet wird von nur 40 Prozent gut beziehungsweise sehr gut bewertet.

Junge kritischer als ältere Fahrgäste

Die unter 30-Jährigen erwarten von den Bahnen eine höhere Qualität als ältere Fahrgäste. Während 76 Prozent der über 60-Jährigen mit der Anzahl der Zugverbindungen in Österreich zufrieden sind, sind es bei den unter 30-Jährigen nur 61 Prozent. Drei Viertel der älteren Fahrgäste erlebten die Bahnen in den vergangenen 12 Monaten pünktlicher als davor, bei den unter 30-Jährigen sind es nur 47 Prozent. Auch die Bequemlichkeit der Sitzplätze, die Deutlichkeit der Durchsagen sowie die Sauberkeit der Züge werden von den über 60-Jährigen deutlich besser beurteilt als von jüngeren Fahrgästen.

Jeder Zweite vom Auto auf Bahn umgestiegen

Bereits 55 Prozent der Fahrgäste fahren Wege, die sie früher mit dem Auto zurückgelegt haben, jetzt mit der Bahn. Im Jahr 2013 waren es nur 38 Prozent. Der Anteil der Umsteigenden ist bei Männern etwas höher als bei Frauen. In der Gruppe der 45- bis 59-Jährigen sind es sogar zwei Drittel, die frühere Autofahrten heute mit der Bahn erledigen, in der Gruppe der 60- bis 74-Jährigen drei Viertel.

Was zum Umstieg auf die Bahn motiviert

55 Prozent der Fahrgäste fahren heute einzelne Strecken mit der Bahn statt mit dem Auto.

Fast drei Viertel der Fahrgäste, die auf einzelnen Strecken vom Auto auf die Bahn umgestiegen sind, geben an, einen Beitrag zu mehr Umweltschutz leisten zu wollen. Für zwei Drittel der Fahrgäste waren verbessertes Bahnangebot und kürzere Fahrzeit der Bahn mit ausschlaggebend, häufiger mit der Bahn statt mit dem Auto zu fahren.

Sechs von zehn wurden von preislichen Sonderangeboten angesprochen, für jeden dritten hatte der Wohnortwechsel Einfluss auf die Bahn umzusteigen, wobei Frauen dabei ihr Mobilitätsverhalten in stärkerem Ausmaß änderten als Männer. Bei zwei Dritteln -waren auch höhere Kosten für das Auto mit ein Grund auf die Bahn umzusteigen.

Bahn und Rad besser kombinierbar machen

Immerhin 43 Prozent der Bahnfahrerinnen und Bahnfahrer fahren zumindest gelegentlich mit dem Rad zum Bahnhof, die Hälfte davon häufig. Zwei Drittel der radfahrenden Fahrgäste sagen, dass sie häufiger die Bahn mit dem Rad kombinieren möchten, bei den 30- bis 59-Jährigen sind es sogar drei Viertel. Voraussetzung dafür sind gute Fahrradabstellmöglichkeiten bei Bahnhöfen und Halte-stellen. Jeder vierte ist mit der Anzahl beziehungsweise Qualität der Fahrradabstellanlagen unzufrieden, -viele wünschen auch absperrbare Fahrradboxen.

Die Fahrradmitnahme ist den Fahrgästen in Nahverkehrszügen wichtiger als in Fernverkehrszügen. Gleichzeitig ist die Unzufriedenheit mit den mangelnden Möglichkeiten der Radmitnahme in Fernverkehrszügen größer.

Auch kleinere Bahnhöfe modernisieren

Für ältere Fahrgäste ist Barrierefreiheit bei Bahnhöfen sehr wichtig, jüngere Fahrgäste wünschen sich gratis WLAN. Beiden Altersgruppen ist sehr wichtig, dass Bahnhöfe gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sind.

In den vergangenen Jahren wurden vor allem größere Bahnhöfe erneuert, was von den Fahrgästen honoriert wird. Zwei Drittel der Fahrgäste sehen eine höhere Qualität bei den Bahnhöfen. Doch bei zahlreichen Bahnhöfen ist noch einiges zu verbessern. Jeder zehnte Fahrgast beklagte beim VCÖ-Bahntest, dass der Einstiegsbahnhof schlecht mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist. Ebenso viele beurteilen den Erhaltungszustand des Bahnhofs als schlecht. Jeder neunte Fahrgast bewertete die Barrierefreiheit als mangelhaft. Am wichtigsten ist den Fahrgästen bei einem Bahnhof, dass dieser gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist.

Bahnangebot in Österreich weiter verbessern

Beim VCÖ-Bahntest wurden die Fahrgäste auch gefragt, welche Maßnahmen nötig sind, damit sie öfters Bahn fahren. Am häufigsten, nämlich von jeweils knapp mehr als 80 Prozent der Fahrgäste, wurden Zugverbindungen am späteren Abend, kurze Wartezeiten beim Umsteigen sowie eine Fahrkarte, die für alle öffentlichen Verkehrsmittel gilt, genannt.

Je nach Altersgruppe gibt es Unterschiede. Viele ältere Menschen möchten eine Ansprechperson sowohl am Schalter als auch im Zug. Zudem sind älteren Fahrgästen ein Taktfahrplan und ein dichteres Bahnnetz besonders wichtig. Die Wichtigkeit des barrierefreien Einstiegs (Niederflur) steigt mit dem Alter der Befragten steil an, von rund einem Viertel der unter 45-Jährigen auf mehr als 60 Prozent bei den über 74-Jährigen.

Mobiles Internet wichtig für jüngere Fahrgäste

Eine Reise - eine Fahrkarte, und zwar österreichweit für alle öffentlichen Verkehrsmittel, wünschen sich jüngere und ältere Fahrgäste gleichermaßen.

Die ältere und die jüngere Generation verbindet der besonders starke Wunsch nach einer Fahrkarte, die für alle öffentlichen Verkehrsmittel gilt. Zusätzlich nennen zwei Drittel der unter 30-Jährigen häufigere Zugverbindungen auch am Abend als sehr wichtige Maßnahme, damit sie häufiger Bahn fahren. Eine große Bedeutung für die jüngeren Bahnfahrerinnen und Bahnfahrer haben zudem ein guter Empfang für mobiles Internet und für das Mobiltelefon sowie eine Steckdose beim Sitzplatz. Auch mit schnelleren Zugverbindungen können jüngere Fahrgäste häufiger für das Bahnfahren gewonnen werden.

Der VCÖ-Bahntest zeigt, dass die Bereitschaft zum Bahnfahren in Österreich weiter zunimmt. Umso wichtiger ist es, dass die Wünsche der Fahrgäste ernst genommen werden und das Bahnangebot weiter verbessert wird.

 

VCÖ-Empfehlungen

Mehr Öffentlicher Verkehr mit hoher Qualität

• Taktfahrplan und mehr Verbindungen auch am Abend: Nicht nur wegen der zunehmend flexibleren Arbeitszeiten ist auch an den Tagesrandzeiten und am Wochenende ein gutes öffentliches Verkehrsangebot nötig.

• Verbesserung der Anschlussverbindungen: Gute Anschlussverbindungen der regionalen Busse und des städtischen Öffentlichen Verkehrs an die -Bahnen verringern die Gesamtreisezeit.

• Fahrkartensystem modernisieren und vereinfachen: Möglichkeit schaffen, alle öffentlichen Verkehrsmittel auf einer Strecke mit nur einem Ticket buchen zu können.

• Regionalbahnen modernisieren und ausbauen: Das Netz an Stadt-Regio-Trams und Regionalbahnen ist auszuweiten.

• Masterplan„Mobilität in der Region“ erstellen: Österreichweites Mindestangebot an Verbindungen, alle Bezirkshauptstädte gut mit Öffentlichem Verkehr erreichbar machen.

• Mehr S-Bahn-Verbindungen in Ballungsräumen: Um Engpässe in den wachsenden Ballungsräumen zu vermeiden, ist das S-Bahn-Angebot zu verbessern. Neben einer Verdichtung des Taktes braucht es auch die Ausweitung des S-Bahn-Netzes.

• Bahnhöfe als multimodale Verkehrsknoten: Bahnhöfe und Haltestellen sollen multimodale Schnittstellen sein, die gut zu Fuß, mit dem Rad und mit anderen öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sind, ausreichend wettergeschützten Rad-Abstellplätze haben und auch ein Angebot an Carsharing und Leihfahrrädern bieten.

 

Mag. Markus Gansterer, VCÖ-Verkehrspolitik:

„Die Gesellschaft ändert sich und mit ihr auch die Anforderungen an die Bahnen. Flexiblere Arbeitszeiten bedeuten, dass es auch am Abend und am Wochenende mehr Bahnverbindungen braucht. Der VCÖ-Bahntest zeigt sehr deutlich, welche Maßnahmen nötig sind, damit in Österreich noch mehr Bahn gefahren wird.“ Weitere Ergebnisse des VCÖ-Bahntests 2015

Beim VCÖ-Bahntest 2015 wurden österreichweit 13.610 Fahrgäste in den Zügen von sieben Bahnunternehmen befragt (DB Regio Außerfernbahn, Graz Köflacher Bahn, NÖVOG Mariazellerbahn, ÖBB, Raaberbahn, Steiermärkische Landesbahnen, WESTbahn).

 

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