Das Auto hat passiv gemacht, doch eine Mobilitätswende braucht aktive Mobilität.

Willi Nowak
VCÖ-Geschäftsführung

Die Klimakrise wird durch den Kfz-Verkehr angeheizt – dieses Problem schieben wir geflissentlich vor uns her. Die Massenmotorisierung der letzten Jahrzehnte raubt uns in den Städten den Platz und durch Feinstaub und Stickoxide den Atem – diese Probleme ignorieren wir und hoffen, dass E-Fahrzeuge sie lösen. Und das Automobil hat über die Jahre bequem, passiv und bewegungslos gemacht und dadurch übergewichtig und anfällig für Krankheiten aller Art. Das zeigen nicht nur Statistiken und medizinische Berichte, sondern auch zu Hause der Blick in den Spiegel oder auf die Waage. Durchschnittlich legen Österreicherinnen und Österreicher heute etwa 40 Kilometer pro Tag zurück. Viermal so viel wie noch vor 50 Jahren. Doch mehr Kilometer bedeuten nicht mehr Mobilität. Wege, die früher aktiv mit dem Fahrrad oder zu Fuß zurückgelegt wurden, werden heute oft passiv mit dem Auto gefahren. Jede fünfte Autofahrt ist kürzer als 2,5 Kilometer. Das könnte genauso gut mit dem Fahrrad gefahren werden. Schon Kinder werden per Pkw in Kindergarten oder Schule chauffiert, statt ihnen selbständige, aktive Mobilität am Schulweg zu ermöglichen. Übergewicht bei Kindern ist bereits weit verbreitet. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) errechnete für Österreich, dass mehrere tausend Menschen aufgrund verkehrsbedingten Bewegungsmangels vorzeitig sterben, zehntausende weitere erkranken. Passive Mobilität im Auto greift die eigene Gesundheit und die anderer Menschen an. Für unser Gesundheitssystem sind das Unsummen an Kosten. Aktive Mobilität stärkt dagegen die Gesundheit. Wenn wir unsere Straßen und den öffentlichen Raum für uns Menschen wieder von den Maschinen zurück gewinnen, wenn Kinder ihre tägliche Turnstunde bereits am Schulweg durch Radeln, Roller fahren oder Gehen erleben und wenn Berufstätigen bewusst wird, dass die Fahrt mit dem Fahrrad zur Arbeit die geistige Aktivität erhöht und die Krankenstandstage reduziert, dann gewinnt die Gesellschaft und die Mobilitätswende hat begonnen.

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