Stadt überall und nirgendwo

Willi Nowak
VCÖ-Geschäftsführung

Es ist Frühling im Jahr 2039. Die Hitzetage, die noch vor zwanzig Jahren erst im Juni begannen, sind nun bereits im Mai zu spüren. Bernd entspannt sich, als er sein Wohnquartier erreicht. Hier ist es um ein paar Grade kühler. Er und Leonore hatten sich in den 2010er-Jahren in dieser Straße bei einer Grätzl-Initiative kennengelernt. Da ging es um Fassadenbegrünung, um Bäume und um Wasser im Straßenraum. Damals hatte ihn das Wort Schwammstadt irritiert, das klang zu sehr nach Sumpf. Doch Wasser ist heute, im Jahr 2039, so wichtig, dass Schwammstadt inzwischen das Planungsprinzip bei jedem Straßenumbau ist. Der Untergrund in den Straßen muss das Wasser aufnehmen, das durch Niederschläge herabkommt. Es darf nicht mehr in den Kanal. Zu heftig waren in den 2020er-Jahren die Hochwässer am Unterlauf der Flüsse und deren Schäden in der Landwirtschaft gewesen. Hochwasserschäden zu versichern, wurde damals unmöglich, und den Städten war es daher verboten worden, ihr Oberflächenwasser einfach abzuleiten. Seit auch die trennenden Gehsteig-Kanten im Jahr 2028 aus den Planungsrichtlinien verschwanden, gibt es Urban Gardening jetzt horizontal ebenso wie an den Fassaden. Fauna und Flora haben den öffentlichen Raum zurückerobert. Bernd lebt, was groß auf seinem T-Shirt steht: „Stadt ist überall – Stadt ist nirgendwo“.


Titelbild Magazin

VCÖ-Magazin 2019-02 Mobilitätswende in Städten voranbringen

Städte haben aufgrund der Bevölkerungsdichte und der vielen zurückgelegten Wege große CO2-Reduktionspotenziale. Durch ein zeitgemäßes Mobilitätsangebot werden viele Menschen erreicht und angeregt, neue Mobilitätsgewohnheiten zu entwickeln.


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