Glauben Sie noch den Autokonzernen?

Aus dem Diesel-Skandal wurde nichts gelernt

Markus Gansterer
VCÖ-Verkehrspolitik

Seit mindestens 30 Jahren wird das gleiche Schauspiel bei allen neuen Umweltvorschriften für Autos fast unverändert aufgeführt. Im Jahr 1989 berichtete das deutsche Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ über „Katalysator: Tricksen und verharmlosen“. Mit verpflichtendem Kat würden die Autos viel zu teuer, behauptete die Autolobby. VW-Vorstand Schmidt fuhrprivat „aus Überzeugung ein Auto ohne Kat“.

Aus dem aktuellen Diesel-Skandal hat die Politik noch immer nichts gelernt. Deutschlands Bundesregierung spricht sich mit den Argumenten der Autokonzerne besonders vehement gegen starke Vorgaben zur CO2-Reduktion bei Pkw-Neuwagen aus. Der Autoindustrie war auch nach dem Diesel-Skandal geglaubt worden, als sie „realistische“ Grenzwerte für Stickoxide forderte.

Dabei ist technisch weitaus mehr möglich als die Konzerne bereit sind umzusetzen. Im Sommer des Jahres 2018 wurde der schwerwiegende Verdacht bekannt, dass sich die Autokonzerne bei der eingesetzten Abgasreinigung abgesprochen hätten. Nun verdächtigt die EU-Kommission sie, bei den Verbrauchstests die CO2-Werte neuerdings nach oben zu schrauben. Denn die kommenden Einsparungsvorgaben sind von einem höheren Startwert aus leichter zu schaffen. Bislang wurde bekanntlich der Spritverbrauch auf dem Papier immer niedriger getrickst.

Zugleich ist der Autoindustrie seit mindestens 30 Jahren klar, dass ein „immer-weiter-so“ nicht endlos möglich ist. Pehr Gyllenhammar, damals Geschäftsführer von Volvo, im Jahr 1989 ebenfalls im „Spiegel“: „Wir können in diesen begrenzten Raum [der Städte, Anm.] nicht immer mehr Autos hineinlassen. Schon in naher Zukunft wird es nur eine Lösung geben: Wir müssen das Auto aus den Städten verbannen.“

>>> Ihre Meinung dazu an markus.gansterer@vcoe.at


Titelbild Magazin

VCÖ-Magazin 2018-04 - 30 Jahre VCÖ - Mobilität mit Zukunft

Im Jahr 2050, also in gut 30 Jahren, muss der fast völlige Ausstieg aus Erdöl und Erdgas im Verkehr abgeschlossen sein, um Österreichs Verantwortung für ein stabiles Weltklima nachzukommen.


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