Autofrei um Mensch zu sein

Bernd lässt sich vom Autopilot des Wagens ans Ziel fahren. Er ist müde. Der heiße Sommer des Jahres 2032 will nicht enden. Als die Stimme des Autos ihn fragt, ob die beiden Personen am Straßenrand zusteigen dürfen, verneint Bernd. Die Preisanzeige im Wagen schnellt daraufhin auf den dreifachen Betrag für die Infrastruktur-Benützung. Bernd ist das heute egal. Er will sich auf den Abend mit internationalen Gästen einstimmen. Laut spricht Bernd im Auto seine vorbereitete Rede. Die wird mit Bernds Stimme zeitgleich in die Muttersprachen seiner Gäste übersetzt, was Bernd mithören kann. Bernd mag seine eigene Stimme, wenn diese in anderen Sprachen spricht. Versonnen denkt Bernd an seine Studienzeit im Jahr 2020 zurück. Damals gab es noch Berufe wie Chauffeur oder Dolmetsch. Bernd ist kurz irritiert als ihm einfällt, dass voraussichtlich auch sein eigener Beruf in zehn Jahren durch die Effizienz Künstlicher Intelligenz ersetzt sein wird. Die Frage, was Menschsein wirklich ausmacht, ohne all den täglichen Krimskrams, den jetzt die Maschinen erledigen, beschäftigt Bernd immer häufiger. Als der Wagen Bernd an der gewünschten Adresse absetzt und danach selbstständig in einer Garage verschwindet, lächelt Bernd. Denn „Park-Sheriffs“ gibt es auch keine mehr, seit Maschinen dafür sorgen, dass Maschinen nicht mehr im öffentlichen Raum herum stehen.

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