World Cafe "ÖV und Rad – Potenziale stärken"

Das VCÖ-World Café ist Teil des Stadtentwicklungsplans "Wien 2025 - Meine Zukunft" und fand in Kooperation mit der MA18, der Stadt Wien, den Wiener Linien und der Mobilitätsagentur statt.

Das Mobilitätsverhalten in Städten verändert sich. Das dichte öffentliche Verkehrsnetz und das Fahrrad werden häufiger genutzt. Insgesamt machen Öffentlicher Verkehr und bewegungsaktive Mobilitätsformen 73 Prozent des Modal Splits der Wienerinnen und Wiener aus. Einigkeit herrschte beim VCÖ-World Café: Um diesen Anteil weiter zu steigern, braucht es Maßnahmen, damit Öffentlicher Verkehr und Radfahren stärker voneinander profitieren.

Eines der am heißest diskutierten Themen war wohl, wie Rad und der Öffentlicher Verkehr voneinander profitieren können, aber auch wo es Konfliktpunkte zwischen diesen gibt. Klar ist jedoch eines – wer eine Kombination aus Fahrrad und Öffentlichem Verkehr verwendet, ist am schnellsten und flexibelsten in der Stadt unterwegs. Probleme wie der begrenzt mögliche Transport von Fahrrädern in öffentlichen Verkehrsmitteln oder das Hindernis Schiene für Radfahrer  wurden aufgezeigt und versucht mit innovativen Lösungen aus dem Weg zu räumen.

Zukunftsfähige Ideen sind schon seit längerer Zeit in Verkehrskonzepten zu finden, meist scheitert es jedoch an der konkreten Umsetzung. Die bisher als Umweltverbund bekannten Verkehrsträger könnten mit Carsharing-Angeboten kombiniert als Mobilitätsverbund präsentiert werden. Für Nutzer sind die Vorteile, die diese Verkehrsmittel gemeinsam liefern, volle Mobilität ohne Zwang zum Autobesitz.

Als gemeinsame strategische Partnerschaft könnte man auch besser die Zahlen sprechen lassen – beispielsweise, dass der Pkw-Anteil am Modal Split in Wien mittlerweile weit weniger als ein Drittel beträgt und ÖV, Gehen und Rad umgekehrt mehr als zwei Drittel. Um den Anteil des Umweltverbundes auf 80 Prozent anzuheben, sind auch die entsprechenden Strukturen nötig. Bewusstseinsbildung an Schulen und in Unternehmen ist eine weitere sinnvolle Möglichkeit diese zu bewerben. Um den Umstieg von Auto auf Rad & Öffentliche Verkehrsmittel einfacher zu gestalten sind Fahrradabstellplätze nahe Haltestellen des Öffentlichen Verkehrs sinnvoll, sodass Mobilitätsknoten mit einem gemeinsamen Leitsystem und attraktiven Zugangswegen entstehen. Obwohl die Kapazität der Öffentlichen Verkehrsmittel noch nicht voll ausgelastet ist, bietet der Radverkehr eine gute Möglichkeit diesen besonders zu den Spitzenzeiten in der Früh, als auch am Nachmittag und Abend zu entlasten. Unterstützern des Rad- und Öffentlichen Verkehrs sollten ein Forum zum Meinungsaustausch und der Findung von Problemlösungen zur Verfügung stehen, anstatt diese nur im konkreten Konfliktfall aufeinandertreffen zu lassen.

In den vergangenen zehn Jahren ist in Wien bereits viel passiert, sei es durch die Parkraumbewirtschaftung oder die massive Investitionen in den Ausbau des Öffentlichen Verkehrsnetzes. Die wichtigsten Stakeholder, um diesen positiven Trend weiterzuführen, sind unter anderem die Wiener Linien, VOR, ÖBB, WLB, Citybike, Nextbike, die Stadtregierung und die Bezirke. Die immer weiter sinkende Anzahl an Autoneuanmeldungen bietet die Möglichkeit, den gewonnen Platz besser zu nützen. Dieser Platz kann für den Ausbau des Radverkehrs genützt werden und ist somit effizienter und günstiger als der Bau einer neuen U-Bahnlinie. Alte Denkmuster und Regelungen bezüglich der Mitnahme von Fahrrädern in der U-Bahn, sowie die Möglichkeit des Transports von Fahrrädern in anderen öffentlichen Verkehrsmitteln sollten überdacht und auf ihre Aktualität überprüft werden. Eine etwaige Mitbenützung der Busspuren durch Radfahrer wird zwar diskutiert, doch von Seiten der Wiener Linien bestehen noch Bedenken in puncto Sicherheit, sowie einer möglichen Einbuße an Schnelligkeit, was zu einem höheren Fahrzeugeinsatz und damit auch einem höheren Kostenaufwand führen würde. Aus Sicht der Radfahrorganisation hingegen bietet die Mitbenützung der Busspuren jedoch eine Möglichkeit zur Beschleunigung aller nachhaltigen Mobilitätsarten. Hier müsse man jedoch die jeweilige Situation und Steigung der Straße in Anbetracht ziehen und überlegen, ob eine Trennung oder eine gemeinsame Führung von Öffentlichem Verkehr und Radverkehr sinnvoll ist. Ein gemeinsames Auftreten von Rad- und Öffentlichem Verkehr verleiht jedoch beiden mehr Gewicht und erhöht somit die Chancen auf Verbesserungen, die beiden Parteien helfen würden, wie etwa eine Trennung vom Individualverkehr, abgesprochene Temporeduktionen oder gemeinsame Förderungsprogramme und Marketingaktionen.

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