World Cafe "Elektro-Mobilität: Chance, Mobilität anders zu sehen"

Mehr als 50 Fachleute diskutierten auf Einladung des VCÖ „Chancen und Potenziale von Elektro-Mobilität“ und entwarfen mögliche Zukunftsszenarien. Elektro-Mobilität ist Impulsgeber für neue Sichtweisen in der Verkehrspolitik, zeigte sich beim VCÖ-World-Café zu diesem Thema.

Protokoll: Gerardo Valido Gonzalez und Christian Höller

Was in Gruppen diskutiert und vertieft wurde, wurde dann von sieben Teilnehmenden für das Plenum zusammengefasst. Was technisch möglich ist, und was an Ideen in den Köpfen existiert, klafft noch auseinander, erklärt Robert Thaler, Lebensministerium, die Diskussion in seiner Gruppe. Bei Scootern und Fahrrädern ist der Elektro-Antrieb bereits gut ausgereift, beim Auto nicht.

Ziele wie sie sich der japanische Hersteller Mitsubishi für die nächsten fünf Jahre setzt, weisen die Richtung: die Speicherdichte der Batterien versiebenfachen, das Gewicht halbieren und die Reichweite verdoppeln.

Die Potenziale des Elektro-Antriebs sind klar: kein Lärm, keine Emissionen am Fahrzeug. Doch anderes, wie das Parkplatzproblem in der Stadt, bleibt. Elektro-Mobilität bietet die Chance, Mobilität anders zu sehen. Es braucht eine Zielvorstellung der Politik für Elektro-Mobilität in Österreich, gerade in Zeiten begrenzter Budgets, um dann auch für die Umsetzung zu sorgen. Menschen steigen um, wenn der Preis stimmt, nicht bloß aus Umweltüberlegungen, stellte Dorothea Sulzbacher, OMV Future Energy Fund, einen wichtigen Motivationsfaktor klar.

Es sollte nicht einfach der Verbrennungsmotor durch einen Elektro- Motor ersetzt werden. Eine gute Lösung sei etwa ein „Range Extender“: 90 Prozent Elektro-Antrieb, zehn Prozent (Bio-)Treibstoff. Zuerst sollte mit Fahrzeugflotten in größeren Städten gestartet werden. Zwei Modelle für Elektro-Mobilität sind zu überdenken: Das Individualmodell, bei dem das herkömmliche Auto ersetzt wird oder das Elektro-Auto als Dienstleistung, die so attraktiv ist, dass sie auch gekauft wird, stark mit dem Öffentlichen Verkehr gekoppelt.

Das Thema werde derzeit in den falschen politischen Gremien diskutiert, stellte Wolfgang Pell, Verbund Holding, eine Überlegung seiner Gruppe in den Raum. Mobilität spielt sich in den Köpfen ab, für Veränderung der Mobilität braucht es das Bildungssystem. Gefordert ist daher das Bildungsministerium neben dem Infrastrukturministerium und natürlich auch Wirtschafts-, Finanz- und Lebensministerium. Und ohne EU-Ebene wird es nicht gehen. Auch der Preis sollte Anreiz schaffen: Mobilität, die wenig Schadstoffe emittiert, sollte auch günstig sein. Herausforderung ist die Kombination aus Technik, Bedürfnissen und Verhalten, so Heimo Aichmaier, bmvit. Es müssen die Bedürfnisse der Nutzenden abgefragt werden. Und technische Limits des Elektroantriebs sollten inspirieren, sich anders zu organisieren. Die Innovationen müssen im Verkehrssystem implementiert werden, sodass die Nutzenden Sicherheit haben. Und es braucht eine Kooperation zwischen allen Politikbereichen, auch zwischen Bund, Ländern und Gemeinden. Standardisierung, Regulierung und Modellierung nennt Peter Riedler, AVL LIST GmbH, zentrale Stichwörter.

Es braucht einheitliche europäische (oder weltweite) Standards für Elektro-Fahrzeuge. Wichtig ist die technische Umsetzung, besonders was Kosten und Nachhaltigkeit betrifft. Und es braucht Anreize, kein eigenes Fahrzeug haben zu wollen. Carsharing muss in den Vordergrund gerückt werden. Bei der Elektro-Mobilität gibt es verschiedene Interessenten, von der Technik, über die Wirtschaft, die Konsumentinnen und Konsumenten bis zur Politik, skizziert Christian Gratzer, VCÖ, das Spannungsfeld. Tatsache ist, dass Autos die meiste Zeit stehen und der überwiegende Anteil der Fahrten sehr kurz ist. Das Elektro-Auto kann zu einer Veränderung des Mobilitätsverhaltens führen, es ist also auch eine Chance für den Öffentlichen Verkehr. Von „emissionsfrei“ kann nur gesprochen werden, wenn auch die Herkunft des Stroms einbezogen wird. Gerade Österreich hat da gute Voraussetzungen.

Es braucht eine „Road map“, die alle betroffenen Politikbereiche miteinbezieht, damit es Planungssicherheit gibt. Mit Modellregionen kann das Thema vorangetrieben werden, so Katja Schechtner, Arsenal Research. Der elektrische Antrieb muss nicht alleine eingebaut werden – Stichwort Hybrid und Plug-in-Hybrid. Durch die begrenzte Reichweite wird die Multimodalität gefördert. 4,8 Millionen Euro stehen im Moment zur Verfügung. Wichtig wären auch engagierte Koordinatorinnen oder Koordinatoren an den Schnittstellen.

Foto: Mario Gegenhuber

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