VCÖ-World Café: Vom Energie- zum Verkehrsparhaus

7,4 Hektar, etwa die Fläche von zehn Fußballfeldern, werden in Österreich täglich durch neue Bau- und Verkehrsflächen versiegelt. Das ist dreimal mehr, als Österreichs Nachhaltigkeitskonzept zugesteht.

Das Haus im Grünen, die Widmung neuer Flächen, weil bestehende Reserven nicht verfügbar sind, fehlende Kompetenzen auf übergeordneten politischen Ebenen: „Es fehlt die Gesamtsicht“, fasst Gregor Lahounik von der Arbeiterkammer Wien die Wechselwirkung von Wohnbau und Raumplanung zusammen. Allen voran der Finanzausgleich, aber auch Förderungen, wie das Pendelpauschale müssen mit Blick auf den Raum überarbeitet werden, ergänzt Melanie Lutz vom Österreichischen Städtebund. Denn mit dem begrenzten Gut Raum müsse behutsam umgegangen werden.

Kultur des Planens fördern
Die Raumplanung ist nicht Hindernis, sondern wirksames Instrument für die Gestaltung unserer Umwelt, sind sich die Teilnehmenden des VCÖ-World Cafés einig. Eine Kultur des Planens müsse in Österreich gefördert, die Kompetenzen neu durchdacht werden.

Und die Bevölkerung ist verstärkt einzubeziehen. Das schaffe Bewusstsein über tatsächliche Auswirkungen und helfe, Strukturen aufzubauen, die das Zusammenleben im Ort fördern und weiterer Zersiedelung entgegenwirken. Raphael Palla, zuständig für die Raumentwicklung der autonomen Region Bozen: „Es gilt, der Bevölkerung Aktionsfreiräume zu schaffen. Die Planenden werden dabei zu Managern und Wegbereitern für die Interessensgruppen, die sich selbst einsetzen.“ Auch Daniela Kain, Programmmanagerin beim Klima- und Energiefonds, ist überzeugt: „Es steckt viel Kraft in der Selbstorganisation. Im Rahmen unserer Förderprogramme, etwa klimaaktiv mobil, können wir Impulse setzen, aber Ideen und Maßnahmen müssen von der Gemeinde getragen werden.“ 

Gemeinde-Kooperation bringt Erfolg
Übergeordnete Strategien in der Raumordnung, seien es gemeindeübergreifende Konzepte oder bundesweite Richtlinien, sind notwendig, Kooperationen ein Schlüssel zum Erfolg.

Kooperieren Gemeinden, zeigen sich gute Erfolge für eine verkehrsparende Siedlungsentwicklung. Ein interkommunaler Finanzausgleich wird von vielen als Anstoß zu ressourcenschonender Planung genannt. Dabei werden die Erträge aus der Kommunalsteuer bei gemeindeübergreifenden Projekten, etwa Betriebsansiedelungen, auf Basis einer freiwilligen interkommunalen Vereinbarung aufgeteilt. Einige oberösterreichische Gemeinden sind hier beispielgebend. Es gilt bundesweit, Maßnahmen und Strategien festzuschreiben, die einen Rahmen für eine verkehrssparende und damit umweltbewusste Siedlungsentwicklung abstecken. Christian Wampera vom bmvit weist etwa auf die Schwierigkeit hin, bei einer räumlich dispersen Siedlungsentwicklung ein gut funktionierendes und finanzierbares öffentliches Verkehrsangebot zu gewährleisten.

Ein wichtiger Schritt zu österreichweiten Konzepten ist für Werner Thalhammer vom bmlfuw der im Jahr 2015 durch den Ministerrat beschlossene Maßnahmenplan zum Klimaschutzgesetz, welcher auch die Energieraumplanung als Maßnahme enthält. Und er verweist auf die Wichtigkeit, dass alle Beteiligten bei der Umsetzung des Konzepts zusammenarbeiten: „Der Bund hat im Bereich Raumplanung de facto keine Kompetenzen und ist deshalb auf die Kooperationen mit den Bundesländern und anderen Akteurinnen und Akteuren angewiesen.“ Gerhard Wannenmacher, Vize-Bürgermeister in Mödling, ist optimistisch: „Die Haltungen ändern sich, hin zu mehr Kooperationen. Langsam setzt sich die Einsicht durch, dass die großen Herausforderungen in der Raumordnung nur und besser gemeinsam gelöst werden können.“

Der VCÖ führte diese Veranstaltung durch in Kooperation mit Arbeiterkammer Wien, Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie, klimaaktiv mobil, Klima- und Energiefonds, Land Salzburg, Land Steiermark, Österreichischer Städte-bund, Stadtgemeinde Mödling, Stadtplanungsamt der Stadt Graz.

Mehr Informationen zum Thema in der VCÖ-Fachpublikation „Wohnbau, Wohnumfeld und Mobilität“ (2015) 

 
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