VCÖ-Roundtable "Fahrgastinformation macht erst mobil"

Was helfen die schönsten Züge und Busse, wenn die Auskunft, wann und wo sie fahren, mangelhaft ist oder der Grund für eine Störungen unbekannt bleibt. Fachleute diskutierten auf Einladung des VCÖ, was es zu einer optimalen Mobilitätsinformation braucht.

Rechtzeitige und umfassende Information ist klarer Hauptwunsch der Fahrgäste,  zitierte Sylvia Leodolter, Leiterin der Abteilung Umwelt und Verkehr der Arbeiterkammer Wien, eine AK-Umfrage, und zwar nicht nur im Störungsfall. Die Verkehrsdiensteverträge müssen daher definieren, was gute Fahrgast-Information ist. Da jedes Unternehmen nur aus der eigenen betriebswirtschaftlichen Logik heraus agiere, sei nicht automatisch der Kunde das Maß. Daher müsse der Rahmen für hohe Qualitäts- und Sozialkriterien von außen gesetzt werden, durch das Verkehrsministerium und die Länder als Eigentümer und Besteller.

Es sei wichtig, so Stefan Seer vom Austrian Institute of Technology AIT Informationen individualisiert zum Kunden zu bringen, um einen Informations-Overflow zu vermeiden. Das System müsse auch die tägliche Route oder Präferenzen des Nutzenden lernen können. Hohe Qualität und Intermodalität der Informationen ist wichtig, weil darüber die Verkehrsmittelwahl beeinflusst wird.

Information ist klarer Teil der Verkehrsdienstleistung, so Wolfgang Schroll, Geschäftsführer des Verkehrsverbund Ost-Region,. Dabei muss die Unternehmenssicht zugunsten der Kundensicht zurückgenommen werden: Alle Informationen müssen auf einer Plattform zusammengespielt werden, aus der jeder nehmen kann, was er für sein Unternehmen braucht. Im Vorfeld braucht es Diskussion – aber zuletzt verbindliche Regeln.

Bernhard Engleder, MA 28 - Straßenverwaltung und –bau, leitend an der Umsetzung der multimodalen Internetplattform AnachB beteiligt: „Wir brauchen eine neutrale Kommunikations-Plattform, wo sich alle - Asfinag, ÖBB, VOR etc. - präsentieren und zu der alle einen gleichberechtigten Zugang haben.“ Ziel sei eine gemeinsame, stets aktuell gehaltene Online-Verkehrsinformation für Straße und Öffentlichen Verkehr, als Basis für Routing-Info von Haus zu Haus.

Ein Kernproblem sieht Eder Christian, Geschäftsführer ÖBB-Postbus Gmbh, in den unterschiedlichen technischen Lösungen, die existieren. Das muss organisatorisch zusammengebracht werden, damit nicht unterschiedliche Informationen zu der gleichen Fragestellung zum Kunden kommen. Eder nennt die Schweiz für ihre gute Zusammenarbeit zwischen Verbünden und SBB als Vorbild, wo jeder eine Stimme hat und die SBB ein Veto-Recht.

Der „organisatorische Knödel“ – hier die öffentliche Hand, die finanziert, da die Verkehrsunternehmen, die im Auftrag der öffentlichen Hand agieren und dort die Kunden, die die Leistungen konsumieren – muss entwirrt werden, betonte Jörg Angerer, Geschäftsführer im Verkehrsverbund Tirol, damit diese Fäden parallel laufen und zu einem starken Seil verflochen werden. Fahrgast-Information sei Infrastruktur, die den Kunden über Netz, Takt und Tarif informiert. Er sieht daher die Verkehrsverbünde in der Rolle von Infrastrukturbetreibern, die diese Informationen kontinuierlich sichern.

Für Franz Schwammenhöfer vom Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie, ist an den Abweichungen zum Regelbetrieb und wie diese kommuniziert und nötigen Maßnahmen gesetzt werden, die Kompetenz eines Unternehmens zu erkennen. Die Rahmenbedingungen ändern sich zur Zeit stark: In der EU wurde vor wenigen Wochen die Telematik-Direktive verabschiedet, da stehe viel über Fahrgastinformation drin, die komme jetzt ins EU-Parlament und müsse dann in den nächsten zwei Jahren umgesetzt werden.

Von Seiten der Technik sei wichtig, betont Martin Oster von Thales, dass die Datenquellen konsistent weiter gegeben werden. Wichtig sei dafür eine Standardisierung, um Datentausch zu erleichtern. Eine europaweite Standardisierung würde Europa zum Vorreiter machen.

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