VCÖ-Hintergrundgespräch "Optionen bei Pkw-Maut“

Eine hochkarätig besetzte Runde diskutierte bei einem VCÖ-Hintergrundgespräch mit weiteren Fachleuten über Vor- und Nachteile einer kilometerabhängigen Pkw-Maut auf Österreichs Autobahnen und die Möglichkeit einer elektronischen Vignette.

Dass vor 16 Jahren mit der Einführung der Pkw-Vignette die Finanzierung der Autobahnen und Schnellstraßen Österreichs über Mauten begonnen wurde, hat sich als richtige Entscheidung erwiesen. Mittlerweile ist die nutzungsbasierte Autobahnfinanzierung in der EU weit verbreitet. Angesichts verschiedener Herausforderungen im Verkehr gilt es heute zu diskutieren, wie die Pkw-Vignette für die Zukunft weiter-entwickelt werden kann. Besonders relevant sind dabei die langfristige Finanzierung des Straßenerhalts, nötige Steuerungs-effekte des Verkehrsaufkommens sowie die Erreichung der Klima- und Energieziele.

Als Input für das VCÖ-Hintergrundgespräch verglich Jan Szulczyk, der in der EU-Kommission an möglichen rechtlichen Neuerungen auf EU-Ebene arbeitet, unterschiedliche Mautsysteme in Europa und deren Verbesserungspotenziale. „Im Anschluss diskutierten die anwesenden Fachleute im kleinen Kreis verschiedene Fragen zur Zukunftsfähigkeit der Pkw-Vignette in Österreich und zu einer kilometerabhängigen Maut. Welchen Nutzen und Mehrwert hätte eine kilometerabhängige Pkw-Maut auf Autobahnen? Welche Voraussetzungen sollten für deren Einführung erfüllt sein und wie wäre ihre Akzeptanz zu erhöhen? Was sind die Herausforderungen im Verkehr der Zukunft und wo liegen dabei die Grenzen der Vignette?

Alle Diskutierenden sahen es als positiv, dass die Benützung der Infrastruktur etwas kostet. Einigkeit herrschte auch darüber, dass das zeit-basierte System der Vignette nicht geeignet ist, Staus zu vermeiden und Emissionen zu reduzieren oder generell ein bewussteres Mobilitätsverhalten zu fördern. Da in der EU-Gesetzgebung festgelegt ist, dass kurzzeitige Nutzerinnen und Nutzer von Straßen nicht diskriminiert werden dürfen, wird es künftig entsprechende Vignetten-Tarife geben müssen.

Klaus Schierhackl, Vorstands-direktor der Asfinag, berichtete, dass es interessant wäre, die bestehende Papier-Vignette durch eine weiterhin zeitabhängige „elektronische Vignette“ zu ergänzen, die mehr Komfort und Flexibilität biete. Klar sei für ihn, dass die derzeitige Papier-Vignette ein kostengünstiges System sei und eine elektronische Vignette einen Zusatznutzen bringen müsse. Bei einem elektronischen System sei neben dem Datenschutz auch zu gewährleisten, dass der administrative Aufwand nicht steigt und das System weiterhin wirtschaftlich effizient und kundenfreundlich ist.

Thomas Reznicek, Kapsch TrafficCom, wies auf die zahlreichen positiven Erfahrungen von schrankenlosen elektronischen Mautsystemen in anderen Staaten hin. „Pkw-Mautsysteme müssen für die Kundinnen und Kunden einfache, schnelle und komfortable Möglichkeiten zur Bezahlung bieten. Neben dem klassischen Vertrieb über Handelsketten, Trafiken oder Tankstellen sind heutzutage bei nahezu allen internationalen Mautprojekten alternative Bezahlmöglichkeiten via Internet, Smartphone-Apps oder mittels Self-Service-Automaten üblich. Der spezielle Vorteil in Österreich wäre, dass das auf den Autobahnen bereits vorhandene Lkw-Mautsystem für eine kilometerbasierende Pkw-Maut oder auch für eine elektronische Zeitmaut (Stichwort e-Vignette) einfach und kostengünstig erweiterbar ist, was die Einstiegskosten in eine elektronische Pkw-Maut stark reduziert.“

Wie VCÖ-Experte Markus Gansterer zusammenfasste, hat die elektronische Vignette gegenüber der Papier-Vignette zahlreiche Vorteile, da etwa flexiblere Pakete möglich wären und noch bewusster gemacht werden könnte, dass Infrastruktur etwas kostet. Auch für die zunehmende grenzüberschreitende Mobilität in Europa wären kompatible elektronische Systeme von Vorteil. Optimal wäre eine kilometerabhängige Maut, da sie verursachergerecht ist und Steuerungsmöglichkeiten im Verkehrsaufkommen bietet, also auch dazu beiträgt, die Klima- und Energieziele zu erreichen.

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