Multimodaler Knoten Bahnhof

Durch die Kombination und Verknüpfung verschiedener Mobilitätsformen können Distanzen variabel und schnell überbrückt werden. Um das zu gewährleisten, braucht es funktionierende multimodale Haltestellen. 

Von Daniel Sigmund

In Österreich gibt es mehr als 1.500 Bahnhöfe und Bahn-Haltestellen. Jeder dritte Bahnreisende kommt zu Fuß zum Bahnhof, weitere 37 Prozent per Fahrrad oder mit anderen öffentlichen Verkehrsmitteln. „Grundsätzlich ist jede Haltestelle multimodal“, erklärt Franz Stöger von den Wiener Lokalbahnen, „die Qualitäten und somit die Attraktivität sind jedoch sehr unterschiedlich“. Bei vielen Haltestellen fehlen abgesicherte Radabstellplätze. Bushaltestellen sind sogar zu Fuß teilweise schwer erreichbar. Vier von fünf Radfahrenden in Österreich finden die Kombination des Fahrrads mit dem Öffentlichen Verkehr wichtig. „Gut gewartete Fahrräder, rasch und einfach erhältliche Informationen zu Leihrädern, qualitätsvolle Radabstellanlagen sowie umfassende Kooperationen mit Gemeinden und Unternehmen des Öffentlichen Verkehrs tragen stark zu einer Verbreitung des Leihradsystems bei. Nextbike-Stationen an Bahnhöfen erweitern die multimodale Funktionalität von Haltestellen, wie die herausragend hohe Auslastung an gut frequentierten Knotenpunkten zeigt“, stellt Katharina Peherstorfer von der NÖ Energie- und Umweltagentur fest.

Vor allem Pendelnde profitieren von einem gut ausgebauten multimodalen Angebot. „Für Pendler werden kurze Verkehrsketten immer wichtiger. Sie wollen so schnell wie möglich zum hochrangigsten Verkehrsmittel wechseln und den Zielort ohne oftmaliges Umsteigen erreichen“, so Christian Popp vom Land Niederösterreich. Im ländlichen Raum ist dies derzeit ohne Pkw aber fast unmöglich.

Ein attraktives multimodales Verkehrsnetz würde vielen Beschäftigten zugute kommen. „Vor allem Pendelnde mit geringen Einkommen zahlen drauf, wenn es keinen Öffentlichen Verkehr gibt. Aber auch gut ausgebildete junge Menschen wandern teilweise aus dem ländlichen Raum ab, weil sie nicht 20 bis 30 Prozent ihres Einkommens für ein Auto ausgeben wollen“, so Thomas Hader von der Arbeiterkammer Wien. Für Pendelnde ist vor allem die Verlässlichkeit der Wegekette entscheidend – großer Knackpunkt sind immer wieder die mangelnden Informationen bei Verspätungen. Ein Großteil der Fahrgäste fordert daher persönliche Ansprechpersonen am Bahnhof und im Zug.

Multimodale Schnittstellen sollen mehr bieten als nur schnelle Anbindungen. „Verkehrsknotenpunkte sind zentrale Orte“, erläutert Georg Hauger von der TU Wien. „Sie müssen den neuen Anforderungen der Fahrgäste gerecht werden“. Helmut Hiess bestätigt die Wichtigkeit des Bahnhofs als Zentrum: „Viele multifunktionale Bahnhöfe im urbanen Raum bieten Einkaufsmöglichkeiten, Büronähe oder auch schöne Architektur. Dies trägt wesentlich zur Verdichtung des Einzugsbereichs einer Haltestelle, aber auch zum Wohlfühlen der multimodal Reisenden bei.“

Thomas Pipp von der ÖBB-Immobilienmanagement GmbH erachtet es als enorm wichtig, dass Bahnhöfe Verbindungen emotionaler Art schaffen: „Das Bahnhofsumfeld soll Verbindungen und Netzwerke schaffen, um die Umgebung aufleben zu lassen. Die Identifikation mit dem Bahnhof ist wichtig.“

Foto: VCÖ

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