VCÖ-Mobilitätspreis Niederösterreich

Der VCÖ-Mobilitätspreis Niederösterreich geht für vorbildliche Projekte heuer an die Gemeinde Krummnußbaum, an die Stadt Waidhofen / Ybbs und an das BHW Niederösterreich.  Landesrat Dr. Stephan Pernkopf gratuliert den Preisträgern: „Wir befinden uns in bewegten Zeiten, gerade auch die Mobilität befindet sich im Wandel. Niederösterreich reagiert darauf mit vielen verschiedenen Angeboten von der Förderung von E-Autos bis zur Bereitstellung von Leihrädern. Viele Gemeinden sind Vorbilder in der Gestaltung ihrer Ortszentren und Siedlungsentwicklung: Eine vorausschauende Flächenwidmung vermeidet unnötige Alltagswege schon im Ansatz und erhöht die Qualität des öffentlichen Raums ganz massiv.“ Der VCÖ-Mobilitätspreis Niederösterreich stand unter dem Motto „Mobilität im Wandel“ und wird in Kooperation mit dem Land NÖ und den ÖBB durchgeführt und von der Industriellenvereinigung NÖ unterstützt.

Krummnußbaum 2025 – Innen- vor Außenentwicklung

Krummnußbaum hat ein umfassendes Konzept zur flächensparenden und kosteneffizienten Siedlungsentwicklung erstellt. Auslöser war der zunehmende Leerstand von Flächen und Gebäuden im Innenbereich der Gemeinde, während außerhalb des Zentrums neue Flächen verbaut wurden.

Diese Entwicklung kommt den Gemeinden teuer. Eine aktuelle VCÖ-Publikation zeigt, dass die Baukosten für die Infrastruktur, wie Straßen, Kanal, Trinkwasser oder Strom bei frei stehenden Einfamilienhäuser mit durchschnittlich 24.200 Euro pro Wohneinheit dreimal bis sogar zehnmal so hoch sind, wie bei einem mehrgeschoßigen Wohnbau. Die weitere Folge der Zersiedelung: Die Wegstrecken werden länger, mehr Alltagswege werden mit dem Auto statt zu Fuß oder mit dem Rad zurückgelegt. Acht von zehn Alltagswegen beginnen oder enden zu Hause, macht der VCÖ aufmerksam. Wo wir wohnen und wie das Wohnumfeld gestaltet ist, hat wesentlichen Einfluss auf unsere Mobilität.

Das Bewundernswerte am Erfolg von Krummußbaum ist, dass die Gemeinde besonders schwierige Voraussetzungen aufweist. Der Ort verfügt über kein traditionelles Ortszentrum. „Das Beispiel Krummnußbaum zeigt, dass eine flächen- und verkehrssparende Siedlungsentwicklung auch unter erschwerten Rahmenbedingungen möglich ist. Krummußbaum macht Mut zur Nachahmung“, gratuliert VCÖ-Sprecher Gratzer. Den VCÖ-Mobilitätpreis NÖ nahm Bürgermeister Bernhard Kerndler entgegen. 

BHW Niederösterreich: Dorfbegehung barrierefrei?

Eine der großen gesellschaftlichen Entwicklungen ist der Demografische Wandel. Die Zahl der älteren Menschen wird in den kommenden Jahren stark steigen. Barrierefreiheit wird in Zukunft noch wichtiger als sie es heute schon ist. Das BHW Niederösterreich bietet Gemeinden eine Begehung des Ortes und wichtiger Gebäude an, um mögliche Barrieren zu entdecken. Zusätzlich werden gemeinsam mit der Gemeinde Lösungsvorschläge und ein Etappenplan zur Umsetzung erarbeitet. Bereits in mehr als 50 Gemeinden Niederösterreichs erfolgten diese Begehungen.

Mobilität ist eine Grundvoraussetzung für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Deshalb ist es für alle Menschen, die in ihrer Bewegung eingeschränkt sind, wichtig, dass vorhandene Barrieren und Hindernisse etwa im Verkehrsbereich abgebaut und beseitigt werden. Den VCÖ-Mobilitätspreis nahm der Projektleiter Alfred Luger vom BHW Niederösterreich entgegen.

Radachse Waidhofen/Ybbs „Mit Sicherheit Radfahren“

Auf Basis eines Mobilitätskonzepts der TU Wien plant die Stadt Waidhofen/Ybbs eine Radachse, die diagonal durch die ganze Stadt geht. Beginnend beim Hauptbahnhof entlang verschiedener Sport-, Gesundheits- und Bildungseinrichtungen soll die Hauptradroute es ermöglichen,  wichtige Ziele in der Stadt sicher und schnell zu erreichen.

In Waidhofen/Ybbs ist das Fahrrad ein wichtiger Bestandteil der Alltagsmobilität. „Mehr als die Hälfte der Bevölkerung nutzt das Fahrrad für Alltagswege, insgesamt wird jeder fünfte Alltagsweg mit dem Rad gefahren“, macht VCÖ-Sprecher Gratzer aufmerksam. Gleichzeitig ist das Potenzial für mehr Radverkehr in Waidhofen sehr groß. Immerhin 43 Prozent der innerörtlichen Fahrten werden mit dem Pkw gemacht. Eine gute Infrastruktur für das Radfahren ist eine zentrale Voraussetzung dafür, dass mehr Rad gefahren wird. Das hat auch die diesjährige österreichweite VCÖ-Radfahr-Umfrage sehr deutlich gezeigt.

Mit der Radachse wird es rund 4.000 Einwohnerinnen und Einwohnern ermöglicht, ihre Einkäufe gut mit dem Rad erledigen zu können. Mehr Radverkehr stärkt die Nahversorgung und die Geschäfte in der Innenstadt. Wer mit dem Rad Einkäufe erledigt, bleibt im Ort und fährt nicht in ein Einkaufszentrum auf der grünen Wiese. Ein positiver Kreislauf kann in Gang gesetzt werden. Die Kaufkraft in der Stadt wird gestärkt, was wiederum das Angebot an Geschäften erhöht, wodurch wieder mehr ihre Einkäufe in der Stadt erledigen. VCÖ, Landesrat Pernkopf und ÖBB überreichten den VCÖ-Mobilitätspreis NÖ an Bürgermeister Werner Krammer.

„Innovative Zugänge und Lösungen nehmen auch bei den ÖBB einen hohen Stellenwert ein. In diesem Sinne gratuliere ich den Gewinnern herzlich zum Sieg und vor allem zu ihren Projekten“, so DI Dr. Hubert Hager, Geschäftsbereichsleiter für Neu- und Ausbauprojekte der ÖBB-Infrastruktur AG. „Auch bei den Investitionen des ÖBB-Konzerns sind Barrierefreiheit, Komfort- und Umweltaspekte sowie Nachhaltigkeit wesentliche Faktoren.“

Der VCÖ-Mobilitätspreis Niederösterreich wird unterstützt von: