VCÖ: Zwei Drittel der Radfahrer verlagern Autofahrten aufs Rad – Viele Autofahrer sind auch Radfahrer

VCÖ (Wien, 11. Juli 2014) – Die Bedingungen zum Radfahren werden in Österreich besser, aber es gibt noch viel zu tun. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen market-Umfrage im Auftrag des VCÖ. Österreichs Radfahrerinnen und Radfahrer wünschen vor allem mehr Radwege entlang von Freilandstraßen, mehr Platz zum Radfahren innerorts sowie mehr und sichere Fahrrad-Abstellmöglichkeiten. Der VCÖ weist darauf hin, dass zwei Drittel zumindest auf einzelnen Strecken vom Auto auf das Fahrrad umgestiegen sind. Jeder zweite Radfahrer möchte heuer mehr Radfahren. Der VCÖ fordert eine Infrastrukturoffensive für das Radfahren.

„Österreich wird radfahrfreundlicher, aber es gibt noch viel zu tun“, fasst VCÖ-Experte Mag. Markus Gansterer die Ergebnisse der VCÖ-Radfahr-Umfrage zusammen. 800 Personen, die im Alltag Radfahren, wurden in einer repräsentativen Umfrage vom Institut market befragt. Insgesamt stellen 46 Prozent fest, dass sich die Bedingungen zum Radfahren in ihrem Wohnort verbessert haben, bei den über 55-Jährigen sind es sogar 56 Prozent. Der Radfahrboom hält an: Jeder zweite Radfahrer möchte heuer häufiger in die Pedale treten.

Die Bereitschaft vom Auto auf das Fahrrad umzusteigen ist in Österreich groß. Zwei Drittel radeln heute Strecken, die sie früher mit dem Auto gefahren sind, bei den 45- bis 64-Jährigen sind es sogar fast drei Viertel. Wer glaubt Radfahrer und Autofahrer sind zwei verschiedene Gruppen, irrt: 69 Prozent der Radfahrenden fahren auch öfters mit dem Auto, selbst bei jenen, die viel Rad fahren, sind 57 Prozent auch häufig mit dem Auto unterwegs.  „Die Menschen sind immer vielfältiger mobil. Das erhöht die Chancen das Miteinander im Verkehr zu verbessern“, stellt VCÖ-Experte Gansterer fest. Viele Radfahrer wünschen auch eine bessere Verknüpfung von Öffentlichen Verkehr und Radfahren. Neben der Fahrradmitnahme sind vor allem auch die bessere Erreichbarkeit von Bahnhöfen und Haltestellen mit dem Fahrrad sowie verbesserte Abstellmöglichkeiten für Fahrräder wichtig.

Die Umfrage zeigt auch, wo Verbesserungsbedarf besteht: 82 Prozent von Österreichs Radfahrerinnen und Radfahrern wünschen mehr Radwege entlang von Freilandstraßen, drei Viertel sprechen sich für breitere Flächen und allgemein mehr Platz fürs Radfahren aus und zwei Drittel wollen mehr Abkürzungen, etwa durch die Öffnung  von Einbahnen. Jeder zweite wünscht sich mehr Verkehrsberuhigung.

„Groß ist die Unzufriedenheit mit Anzahl und Qualität der  Fahrradabstellanlagen. Sechs von zehn sagen, dass es mehr wettergeschützte und sichere Abstellanlagen braucht“, berichtet VCÖ-Experte Gansterer. Nur 21 Prozent sind mit Anzahl und Qualität in ihrem Wohnort zufrieden. 40 Prozent sagen, es gibt zu wenige Fahrradabstellanlagen, 41 Prozent sind mit der Qualität unzufrieden. Jeder dritte sagt, es gibt bei Bahnhöfen und Haltestellen zu wenig Abstellanlagen und 40 Prozent wünschen bei den Geschäften mehr Abstellmöglichkeiten für Fahrräder.

Auch das Verkehrsklima ist zu verbessern. 42 Prozent erleben andere Verkehrsteilnehmende als wenig rücksichtsvoll und, dass Autos mit zu wenig seitlichem Abstand überholen, bei den 55 bis 64 Jährigen sind es sogar 46 Prozent. Jeder vierte Radfahrer beklagt mangelnde Verkehrssicherheit im Wohnort, bei den über 65 Jährigen ist es sogar fast jeder dritte.

Der VCÖ fordert eine Infrastrukturoffensive für das Radfahren. Neben Radwegen entlang von Freilandstraßen braucht es möglichst kreuzungsfreie Hauptradrouten vom Umland in die Städte. 

Ergebnisse zur VCÖ-Radfahr-Umfrage auch hier.

 

VCÖ-Umfrage: Mehr Radwege und mehr Platz zum Radfahren gewünscht
Radwege entlang von Freilandstraßen: 82 Prozent
Mehr Rücksichtnahme durch Autolenkende: 81 Prozent
Breitere Flächen und allgemein mehr Platz zum Radfahren: 75 Prozent
Abkürzungen für das Radfahren (Radfahren gegen Einbahn, Unterführungen, Fahrradbrücken, Durchfahrten durch Gebäude und Fußgängerzonen): 65 Prozent
Mehr wettergeschützte und sicher versperrbare Fahrrad-Abstellanlagen: 61 Prozent
Förderung des Radfahrens durch Arbeitgeber: 58 Prozent 
Mehr verkehrsberuhigte Gebiete (Tempo 30, Begegnungszonen): 49 Prozent
Niedrigere Tempolimits, mehr Kontrollen für Kfz-Verkehr: 40 Prozent
Quelle: VCÖ 2014

 

Kritik an Anzahl und Qualität von Fahrradabstellanlagen

Zu geringe Anzahl an Fahrradabstellanlagen
im Wohnort / Wohnbezirk: 40 Prozent
bei Geschäften: 40 Prozent
am nächsten Bahnhof: 32 Prozent
Wohnhaus: 25 Prozent
am Arbeitsplatz / Ausbildungsort: 23 Prozent
Quelle: VCÖ 2014

 

Mangelnde Qualität der Fahrradabstellanlagen
im Wohnort / Wohnbezirk: 41 Prozent
bei Geschäften: 40 Prozent
am nächsten Bahnhof: 33 Prozent
Wohnhaus: 30 Prozent
am Arbeitsplatz / Ausbildungsort: 26 Prozent
Quelle: VCÖ 2014

 

Verkehrsklima fürs Radfahren ist zu verbessern
(Situation fürs Radfahren im Wohnort / Wohnbezirk)
Radfahrende werden zu wenig respektiert: 55 Prozent
Andere Verkehrsteilnehmer zu wenig rücksichtsvoll: 42 Prozent
Auto überholen mit zu wenig seitlichem Abstand: 42 Prozent
Mangelnde Verkehrssicherheit: 24 Prozent
Quelle: VCÖ 2014

 

Zwei Drittel sind auf einzelnen Strecken vom Auto aufs Rad umgestiegen
Ja, viele: 7 Prozent
Ja, einige: 28 Prozent
Ja, wenige: 31 Prozent
Nein, weil ich nicht Auto fahre: 8 Prozent
Nein: 26 Prozent
Quelle: VCÖ 2014
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