VCÖ: Zwei Drittel der neuen E-Autos auf juristische Personen zugelassen

VCÖ (Wien, 16. Dezember  2015) – Die Zahl der neuzugelassenen E-Autos ist heuer um ein Drittel gestiegen. Mit 0,5 Prozent ist der Marktanteil aber nach wie vor niedrig. Der VCÖ weist darauf hin, dass zwei Drittel der neuen E-Autos auf „juristische Personen“, also Unternehmen, Organisationen oder öffentliche Stellen, zugelassen sind. Ab Jänner sind privat genutzte E-Firmenwagen zur Gänze vom Sachbezug befreit. Es braucht aber eine stärkere Ökologisierung des Steuersystems, betont der VCÖ. Sonst ist die im Klimaabkommen von Paris festgelegte Entkarbonisierung, was eine erdölfreie Mobilität bedeutet, in den kommenden 35 Jahren nicht erreichbar.

„Die E-Autos kommen in Österreich langsam in Fahrt“, stellt VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen fest. In den ersten elf Monaten nahm die Zahl der neuzugelassenen E-Pkw um 36,7 Prozent auf 1.546 zu. Gegenüber dem Vergleichszeitraum des Jahres 2013 ist die Zahl der neuzugelassenen E-Pkw sogar um das zweieinhalbfache gestiegen. Fast die Hälfte der neuzugelassenen E-Autos sind Fahrzeuge der Mittelklasse, jedes vierte ist ein Kleinwagen. Im Bundesländer-Vergleich gibt es in Wien die meisten neuen E-Autos (331), den höchsten Anteil an allen neu zugelassenen Pkw weist Salzburg mit 0,71 Prozent auf.

Der Großteil, nämlich 68 Prozent, der E-Autos ist auf „juristische Personen“ neu zugelassen, macht der VCÖ aufmerksam. „E-Autos sind in der Anschaffung teurer, aber im Betrieb billiger. Werden E-Autos viel gefahren, etwa als Teil des betrieblichen Fuhrparks, als Taxi oder im Carsharing rechnen sie sich schneller“, erläutert VCÖ-Expertin Rasmussen. Mit dem neuen Jahr sind zudem E-Autos, die als Firmenwagen privat genutzt werden, vom Sachbezug befreit. Für Autos, die laut Herstellerangaben weniger als 130 Gramm CO2 pro Kilometer verursachen, beträgt der Sachbezug 1,5 Prozent des Anschaffungspreises, maximal 720 Euro pro Monat, sonst 2 Prozent. Angesichts der Tatsache, dass laut Umweltbundesamt die Neuwagen beim Fahren auf der Straße im Schnitt um 27 Prozent mehr CO2 verursachen als auf dem Papier steht, ist die CO2-Grenze von 130 Gramm viel zu hoch. Grundsätzlich sollten Personen, die ihr Gehalt zur Gänze in Geld ausbezahlt bekommen, nicht höhere Steuern und Abgaben leisten müssen als Personen, die die private Nutzung des Firmenwagens als Gehaltsbestandteil haben.  Ebenso sollen Betriebe dadurch keinen Steuernachteil haben. Abweichungen von diesem Grundsatz sollten die Ausnahme, aber nicht die Regel sein.

E-Autos lösen nicht alle Verkehrsprobleme, Staus oder Parkplatzsuche gibt es auch mit dem E-Auto. Auch sind bei der Gesamtumweltbilanz die Batterieherstellung sowie deren Recycling zu berücksichtigen. „E-Autos sind aber unverzichtbar, um das Ziel eines erdölfreien Verkehrssystems – und nichts anderes bedeutet die im Klimaabkommen von Paris beschlossene Entkarbonisierung - zu erreichen. Insgesamt braucht es aber eine umfassende Ökologisierung des Verkehrssystems und auch der Steuern“, betont VCÖ-Expertin Rasmussen. Die Vorteile der E-Autos gegenüber Diesel und Benzin: Direkt beim Fahren werden keine gesundheitsschädlichen Schadstoffe, wie Stickoxide oder Feinstaub, emittiert. Die CO2-Bilanz ist besser, vor allem wenn der Anteil  erneuerbarer Energie hoch ist und die Erdölabhängigkeit des Verkehrs wird verringert. Mit Strom kann  sich Österreich selber versorgen, Erdöl muss aus Staaten mit oft fragwürdigen Regimes importiert werden, so der  VCÖ. Im Jahr 2014 kam mehr als die Hälfte von Österreichs Rohölimporten aus Saudi-Arabien, Libyen und Kasachstan. 

Die Autohersteller  sind gefordert, mehr Modelle auf den Markt zu bringen, auch Kleintransporter. Gerade im städtischen Lieferverkehr wären E-Fahrzeuge sehr gut geeignet, es mangelt aber an gut geeigneten Fahrzeugen. „Es ist zu hoffen, dass die europäische Autoindustrie die richtigen Lehren aus dem Dieselskandal zieht und in Zukunft ihre Strategien auf emissionsfreie Fahrzeuge ausrichtet“, so VCÖ-Expertin Rasmussen.

 

VCÖ: Zwei Drittel der E-Autos auf „juristische Personen“ neu zugelassen

(Neuzulassungen von E-Autos in Österreich)

Jänner bis 30.November 2015: 1.546 E-Autos  (davon 1.054 juristische Personen)
Jänner bis 30.November 2014: 1.131 E-Autos (davon 650 juristische Personen)

Gesamtjahr 2014: 1.281 E-Autos (davon 752 juristische Personen)
Gesamtjahr 2013: 654 E-Autos (davon 351 juristische Personen)
Gesamtjahr 2012: 427 E-Autos (davon 293 juristische Personen)
Gesamtjahr 2011: 631 E-Autos (davon 458 juristische Personen)
Gesamtjahr 2010: 112 E-Autos (davon 104 juristische Personen)

Quelle: Datafact, VCÖ 2015

 

VCÖ: Die meisten E-Autos wurden heuer in Wien neu zugelassen

(Anzahl neu zugelassene E-Autos 1.1. bis 30.11. – in Klammer Anteil an allen Pkw-Neuzulassungen)

Wien: 331 E-Autos (0,53 Prozent)
Niederösterreich: 321 E-Autos (0,59 Prozent)
Oberösterreich: 247 E-Autos (0,53 Prozent)
Steiermark:188 E-Autos (0,52 Prozent)
Salzburg: 167 E-Autos (0,71 Prozent)
Tirol: 106 E-Autos (0,44 Prozent)
Vorarlberg: 85 E-Autos (0,68 Prozent)
Kärnten: 64 E-Autos (0,41 Prozent)
Burgenland: 37 E-Autos (0,41 Prozent)

Quelle: Datafact, VCÖ 2015

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