VCÖ zu Verkehrssicherheitspaket: Bei Hauptunfallursachen zu hohes Tempo und Ablenkung ansetzen

VCÖ (Wien, 15. September 2016) – Das Ziel von Verkehrsminister Jörg Leichtfried, die Zahl der Verkehrstoten in Österreich bis zum Jahr 2020 um die Hälfte und die Zahl der Schwerverletzten um 40 Prozent zu verringern im Vergleich zum Zeitraum 2008 bis 2010, ist zu begrüßen. Neben 479 tödlich Verunglückten gab es im Vorjahr 15 Mal so viele Personen, die bei Verkehrsunfällen schwer verletzt wurden. Als vorrangig sieht der VCÖ Maßnahmen gegen die Hauptunfallursachen – zu hohes Tempo sowie Ablenkung – sowie präventive Maßnahmen, wie häufigere öffentliche Verkehrsverbindungen sowie Disco-, Nacht- und Eventbusse.

„Im Vergleich zu den verkehrssichersten Staaten Europas ist die Opferzahl des Straßenverkehrs in Österreich nach wie vor sehr hoch. Der größte Hebel bei der Verringerung der schweren und tödlichen Verkehrsunfälle liegt bei der Geschwindigkeit“, betont VCÖ-Sprecher Christian Gratzer. Gerade im Ortsgebiet, wo Fußgängerinnen und Fußgänger, insbesondere auch Kinder und ältere Menschen, unterwegs sind, ist das Tempolimit entscheidend, ob es überhaupt zu einem Unfall kommt und wenn ja, mit welcher Wucht das Unfallopfer angefahren wird.

Vor allem in Kombination mit der mittlerweile häufigsten Ursache tödlicher Unfälle – Ablenkung und Unachtsamkeit – sind hohe Tempolimits fatal. Wer beispielsweise mit dem Handy am Ohr telefoniert, reagiert so langsam und schlecht wie ein Alko-Lenker mit 0,8 Promille. Wenn Tempo 50 statt 30 im Ortsgebiet gilt, dann erhöht sich folglich das Risiko eines Unfalls und das Risiko schwerster Verletzungen.

Auf Freilandstraßen gilt in den verkehrssichersten Staaten Europas Tempolimit 80. Auch für Österreich sollte Tempo 80 die Regel und Tempo 100 die Ausnahme, die zu begründen ist, sein.

Positiv sieht der VCÖ die geplante Ausweitung des Vormerksystems. Neu aufgenommen werden sollte Delikte wie Verstoß gegen die Gurtenpflicht sowie Handy am Steuer. Auch die Verlängerung der Probezeit für junge Lenker ist zu begrüßen.

Darüber hinaus sind aber verstärkte präventive Maßnahmen nötig: Disco-, Nacht- und Eventbusse verhindern Unfälle und retten Menschenleben. Gemeinden sollten für diese Projekte unterstützt werden, etwa indem ein Teil der Einnahmen aus Verkehrsstrafen dafür zweckgewidmet wird, schlägt der VCÖ vor. Insgesamt ist das Unfallrisiko mit dem Pkw um ein Vielfaches höher als im Öffentlichen Verkehr. Gerade im Freizeitverkehr ist die Unfallzahl hoch, das Öffentliche Verkehrsangebot zu Freizeitzielen ist auszubauen und zu verbessern.

Handlungsbedarf gibt es auch beim Güterverkehr. Im Vorjahr kamen 66 Menschen bei Verkehrsunfällen mit Lkw-Beteiligung ums Leben, das waren um 29 Prozent mehr Todesopfer als im Jahr davor. „Lkw sind ein tödlicher Unfallgegner, im Ortsgebiet vor allem für Fußgängerinnen und Fußgänger sowie für Radfahrende. Neben gesetzlichen Vorgaben zur Verringerung des toten Winkels braucht es auch eine verbesserte Güterlogistik. Die Zahl der Fahrten von Lkw und Klein-Transportern ist zu verringern“, betont VCÖ-Sprecher Gratzer.

Auch im Bereich der Infrastruktur für das Gehen und Radfahren ist der Verbesserungsbedarf groß. Von jeder Siedlung solle es sichere Geh- und Radverbindungen zum nächstgelegenen Ort geben, ebenso soll jede Bushaltestelle sicher über einen Gehweg erreichbar sein, was gerade für Schülerinnen und Schüler eine wichtige Verkehrssicherheitsmaßnahme ist.

VCÖ: Hauptunfallursachen Ablenkung und Tempo

Tödliche Verkehrsunfälle wegen Ablenkung und Unachtsamkeit

Jahr 2015:114 (31 Prozent der tödlichen Unfälle)
Jahr 2014:107 (31 Prozent der tödlichen Unfälle)
Jahr 2013: 84 (22 Prozent der tödlichen Unfälle)

Summe 2013 - 2015: 305 (28 Prozent der tödlichen Unfälle)

Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2016

Tödliche Verkehrsunfälle wegen nicht angepasster Geschwindigkeit

Jahr 2015: 90 (24 Prozent der tödlichen Unfälle)
Jahr 2014: 89 (26 Prozent der tödlichen Unfälle)
Jahr 2013:107 (28 Prozent der tödlichen Unfälle)

Summe 2013 - 2015: 286  (26 Prozent der tödlichen Unfälle)

Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2016

Zurück zur Übersicht