VCÖ zu Unfallbilanz: In Österreich Zahl der Verkehrstoten im EU-Vergleich hoch

VCÖ (Wien, 22. Juni 2016) – Die Zahl der tödlichen Verkehrsunfälle ist im Jahr 2015  in Österreich sehr stark gestiegen. Nur in vier EU-Staaten war die Zunahme der tödlichen Verkehrsunfälle noch höher. Insgesamt ist in Österreich die Zahl der schweren Verkehrsunfälle im Verhältnis zur Einwohnerzahl deutlich höher als in den verkehrssichersten Staaten der EU. Angesichts der stark gestiegenen Zahl der tödlich verunglückten Fußgänger und älteren Seniorinnen und Senioren  fordert der VCÖ Maßnahmen für ein seniorengerechtes und fußgängerfreundliches  Verkehrssystem in den Gemeinden und Städten.

„Erstmals seit dem Jahr 1999 ist die Zahl der Verkehrstoten in Österreich im Jahr 2015 sehr stark gestiegen“, stellt VCÖ-Experte Markus Gansterer fest. 479 Menschen kamen im Jahr 2015 bei Verkehrsunfällen in Österreich ums Leben.  Zu hohes Tempo sowie Ablenkung und Unachtsamkeit sind die Hauptursachen der tödlichen Unfälle. Der VCÖ fordert, dass Handy am Steuer ins Vormerksystem aufgenommen wird.  „Wer mit dem Handy am Ohr telefoniert, reagiert vergleichbar langsam wie ein Alko-Lenker mit 0,8 Promille“, verdeutlicht VCÖ-Experte Gansterer.

Der VCÖ weist darauf hin, dass in Österreich das Unfallrisiko im Vergleich zu den verkehrssichersten Staaten Europas hoch ist. So kamen in der Schweiz im Vorjahr 253 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben, das waren pro Million Einwohner 31 Todesopfer. Zum Vergleich in Österreich waren 55 Verkehrstote pro Million Einwohner zu beklagen. In Norwegen, Malta, Schweden und Großbritannien beträgt die Zahl der Verkehrstoten pro Million Einwohner weniger als 30.

Die Zahl der tödlich verunglückten älteren Seniorinnen und Senioren ab 75 Jahren ist von 64 auf 88 stark gestiegen. Fast die Hälfte verunglückten als Fußgänger. Und auch die Zahl der tödlich verunglückten Fußgängerinnen und Fußgänger ist im Vorjahr von 71 auf 84 gestiegen. Der VCÖ fordert verstärkte Maßnahmen für eine fußgängerfreundliche Verkehrsplanung in den Gemeinden und Städten. "Verkehrsberuhigung, ein dichtes Netz an ausreichend breiten Gehwegen, sichere Straßenquerungen", nennt VCÖ-Experte Gansterer einige Punkte.

Auch durch den Ausbau des Öffentlichen Verkehrs ist mehr Verkehrssicherheit zu erreichen. „Der Öffentliche Verkehr ist um ein Vielfaches sicherer als das Auto. Mehr Bahn- und Busverbindungen erhöhen die Verkehrssicherheit und bringen Österreich zudem den Klimazielen näher“, stellt VCÖ-Experte Gansterer fest. Der VCÖ schlägt vor, dass ein Teil der Einnahmen aus Verkehrsstrafen für die Einführung von Dorf- und Discobussen zur Verfügung gestellt wird.

Zudem ist die Infrastruktur für das Radfahren zu verbessern, etwa durch Radwege entlang von Freilandstraßen. „Jede Siedlung sollte das nächstgelegene Ortszentrum sicher zu Fuß oder mit dem Rad erreichen können. Dafür braucht es Rad- und Gehwege“, betont VCÖ-Experte Gansterer.

VCÖ: In sechs Bundesländern heuer mehr Verkehrstote als im Vorjahr (Anzahl Verkehrstote im  Jahr 2015, in Klammer Jahr 2014)

Niederösterreich: 131 Verkehrstote (121 Todesopfer)
Oberösterreich: 88 (75)
Steiermark: 77 (86)
Tirol: 54 (30)
Salzburg: 43 (27)
Kärnten: 40 (26)
Burgenland: 24 (22)
Wien: 13 (21)
Vorarlberg: 9 (22)

Österreich: 479 (430)

Quelle: BMI, VCÖ 2016

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