VCÖ zu trauriger Unfallbilanz am Pfingstwochenende: Vormerksystem umfassend erweitern

VCÖ (Wien, 10. Juni 2014) – Heuer gab es zu Pfingsten so viele tödliche Verkehrsunfälle wie seit dem Jahr 2007 nicht mehr. Die Zahl der Verkehrstoten ist heuer insgesamt stark gestiegen, macht der VCÖ aufmerksam: Seit Jahresanfang kamen bereits mehr als 200 Menschen bei Verkehrsunfällen in Österreich ums Leben, um rund ein Viertel mehr als zur gleichen Zeit des Vorjahres. Der VCÖ fordert eine umfassende Erweiterung von Österreichs Vormerksystem. Häufige Unfallursachen, wie Schnellfahren und Handy-am-Steuer, sollen ins Vormerksystem aufgenommen werden. Der VCÖ fordert zudem ein dichteres öffentliches Verkehrsnetz. Freizeitziele sollen besser mit Bahn und Bus erreichbar werden.

„Die schweren Verkehrsunfälle am Wochenende können leider nicht rückgängig gemacht werden. Sie sollten aber Anlass sein, zusätzliche Verkehrssicherheitsmaßnahmen umzusetzen, um zukünftige schwere Unfälle zu verhindern und Menschenleben zu retten“, betont VCÖ-Expertin DI Bettina Urbanek. Es passierten besonders viele schwere Motorradunfälle, fünf endeten tödlich.

Der VCÖ weist darauf hin, dass es heuer insgesamt einen massiven Anstieg der tödlichen Verkehrsunfälle in Österreich gibt. Seit Jahresanfang sind bereits mehr als 200 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommen, um ein Viertel mehr als zur gleichen Zeit des Vorjahres. Der VCÖ fordert verstärkte Maßnahmen gegen die Hauptursachen schwerer Verkehrsunfälle. So soll das Vormerksystem um die häufigen Ursachen schwerer Unfälle erweitert werden, wie etwa Schnellfahren und Handy-am-Steuer.

„Österreichs Vormerksystem ist das einzige in der EU, in dem zu hohes Tempo nicht Teil des Deliktkatalogs ist. In Deutschland werden beispielsweise Überschreitungen von mehr als 20 km/h vorgemerkt. In zwölf EU-Staaten ist auch die Benützung des Mobiltelefons während des Lenkens ein Vormerkdelikt“, berichtet VCÖ-Expertin Urbanek. Die Hauptursache tödlicher Verkehrsunfälle in Österreich ist zu hohes Tempo. Jeder dritte tödliche Unfall passiert, weil der Unfalllenker zu schnell gefahren ist, so der VCÖ. Jeder 5. tödliche Unfall  (zweithäufigste Ursache) ist auf Ablenkung und Unachtsamkeit zurückzuführen. Ein zunehmendes Problem bei diesen Unfällen ist Handy am Steuer. Jeder 8. tödliche Unfall passiert wegen Vorrangverletzung, darunter sind auch Unfälle, wo die Vorrangverletzung eine Folge von Ablenkung oder Unachtsamkeit war. Werden alle Verkehrsunfälle mit Personenschaden betrachtet, war im Jahr 2013 Ablenkung die Hauptursache (37 Prozent der Unfälle), gefolgt von Vorrangverletzung und Schnellfahren. 

„Gerade das Pfingstwochenende mit viel Ausflugsverkehr machte auch eine weitere Schwachstelle sichtbar. Im Gegensatz zur Schweiz sind in Österreich viele Ausflugsziele nicht oder nur schlecht mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Bahn und Bus sind aber deutlich verkehrssicherer als das Auto“, betont VCÖ-Expertin Urbanek. Gerade in den Regionen ist der Aufholbedarf groß. Da zahlreiche Angebote so wie auch Discobusse an der Finanzierung scheitern, fordert der VCÖ eine stärkere Unterstützung für Gemeinden, die neue Busangebote schaffen. „Wenn ein Teil der Einnahmen aus Verkehrsstrafen für die Schaffung etwa von Disco- und Nachtbussen verwendet wird, könnten viele schwere Unfälle vermieden werden“, betont VCÖ-Expertin Urbanek. 

Zurück zur Übersicht