VCÖ zu Rückrufaktion bei VW: Auch andere Fahrzeughersteller haben Handlungsbedarf

VCÖ (Wien, 25. Jänner 2016) – VW startet nun die Rückrufaktion ihrer Fahrzeuge mit manipulierter Abgas-Software. In Österreich werden rund 363.000 Autos zurückgerufen. Aber nicht nur bei Pkw von VW kommen beim Fahren deutlich mehr Schadstoffe aus dem Auspuff als am Teststand ermittelt wurde, weist der VCÖ auf die Ergebnisse zahlreicher Abgastests hin. So wurden in Frankreich bei mehreren Herstellern erhöhte Werte festgestellt. In Großbritannien verschmutzten sogar 95 Prozent von 153 getesteten Diesel-Pkw-Modellen die Luft deutlich stärker als die beim Testverfahren ermittelten Werte vermuten ließen. Der VCÖ fordert, dass alle Hersteller bei Fahrzeugen mit stark erhöhten Abgaswerten Verbesserungen durchführen.

Die Rückrufaktion von VW wird dazu beitragen, dass die Fahrzeuge danach weniger Schadstoffe emittieren als derzeit. Für die Gesundheit der Bevölkerung ist das erfreulich. Unerfreulich ist aber, dass weiterhin viele Fahrzeuge anderer Hersteller unterwegs sind, die laut Tests beim Fahren ebenfalls deutlich mehr Schadstoffe verursachen als beim Testverfahren ermittelt wurde, betont der VCÖ.

„Ob, wie bei VW eine Schummel-Software eingebaut wurde, ist aus rechtlicher Sicht relevant. Aber für die Gesundheit der Bevölkerung ist einzig und alleine entscheidend, welche Schadstoffmengen bei den Auspuffen auf der Straße rauskommen. Deshalb sind alle Hersteller aufgerufen, bei Autos, die beim Fahren besonders hohe Schadstoffmengen verursachen, jene technischen Verbesserungen durchzuführen, die zu niedrigeren Schadstoffemissionen führen. Für ein verantwortungsvolles Unternehmen sollte das selbstverständlich sein“, betont VCÖ-Expertin Rasmussen. 

Der VCÖ erinnert an die in den vergangenen Wochen bekannt gewordenen Testergebnisse: Laut Frankreichs Umweltministerin Ségolène Royal haben bei den bisher von der Untersuchungskommission getesteten Modellen „Autos einiger Marken“ stark erhöhte Werte aufgewiesen. Renault hat bereits eine Rückrufaktion gestartet. In Belgien wird eine Untersuchungskommission Überprüfungen starten, nachdem bei Opel auffällige Werte festgestellt wurden. In Großbritannien stießen bei Abgastests unter realen Fahrbedingungen 95 Prozent von 153 getesteten Diesel-Pkw-Modellen (Euro 6 und Euro 5) mehr Stickoxide aus als der Grenzwert im offiziellen Testverfahren erlaubt. Am schlechtesten Schnitt ein Jeep Grand Cherokee ab, der 15 Mal so viele Stickoxide emittierte wie der Grenzwert für das Testverfahren vorschreibt. Die britischen Konsumentenschützer sprachen von "Stickoxid-Fabriken auf vier Rädern". Auch frühere Messungen von unabhängigen Instituten haben festgestellt, dass getestete neue EURO6 Diesel Pkw beim Fahren auf der Straße den Labor-Grenzwert für Stickoxide um ein Vielfaches überschreiten. Gleichzeitig zeigen die Rückruf-Aktionen von VW und Renault, dass es technisch ein Leichtes ist, die Schadstoffmengen zu reduzieren.

Der VCÖ fordert die Behörden in den EU-Staaten auf, die jeweiligen Testergebnisse vollständig zu veröffentlichen. Zudem soll die EU-Kommission alle Staaten, die Typgenehmigungen für Kfz durchführen, auffordern, neue Diesel-Pkw einer erneuten Prüfung unterziehen und auch die Emissionswerte beim Fahren auf der Straße zu prüfen. "Der auf EU-Ebene geplanten Aufweichung der Stickoxid-Grenzwerte ist eine klare Absage zu erteilen. Es ist technisch möglich, die Grenzwerte auch unter realen Fahrbedingungen zu erreichen", betont VCÖ-Expertin Rasmussen. Zudem ist die steuerliche Begünstigung von Dieseltreibstoff abzuschaffen. Trotz der höheren gesundheitsschädlichen Schadstoffe von Dieselabgasen ist die Mineralölsteuer auf Diesel um 8,5 Cent pro Liter niedriger als auf Eurosuper. 

 

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