VCÖ zu Ausweitung des Abgasskandals: Nationale Typisierungsbehörden durch unabhängige EU-Stelle ersetzen

VCÖ (Wien, 16. März 2017) – Der VCÖ fordert rasche Konsequenzen aus den neuen Erkenntnissen beim Abgasskandal. Messungen in Deutschland haben ergeben, dass auch nach dem Software-Update die Fahrzeuge zu viele Stickoxide ausstoßen. Autokäufer erleiden dadurch einen Schaden, weil die Fahrzeuge einen stärkeren Wertverlust haben. Die Hersteller sollen nicht nur den Kaufpreis für die Fahrzeuge rückerstatten, sondern auch für den Schaden an Gesundheit und Umwelt sowie an entgangenen Steuereinnahmen aufkommen, stellt der VCÖ fest. Aufgrund des Kontrollversagens der nationalen Typisierungsbehörden, sind diese durch eine unabhängige Typisierungsstelle auf EU-Ebene  zu ersetzen.

Seit dem Jahr 2011 wurden in Österreich mehr als 1,1 Millionen Diesel-Pkw neu zugelassen. Viele dieser Pkw der Abgasklassen EURO 5 und EURO 6 verursachen beim Fahren auf der Straße deutlich höhere Stickoxid-Emissionen als bei den Abgastests im Labor ermittelt wurde. „Den Käufern wurden saubere Diesel-Fahrzeuge versprochen, erhalten haben viele ein Auto, das beim Fahren deutlich mehr Schadstoffe als am Papier steht ausstößt. Sauber war lediglich die Karosserie“, stellt VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen fest. Damit verbunden ist auch ein stärkerer Wertverlust von Diesel-Pkw mit hohem Schadstoffausstoß. Da europaweit Fahrverbote für Diesel-Pkw zunehmen, sinkt der Wiederverkaufswert.

Zudem haben in Deutschland nun Messungen bei VW-Fahrzeugen ergeben, dass die geprüften Fahrzeuge auch nach dem Software-Update hohe Stickoxid-Emissionen beim Fahren auf der Straße aufweisen. Der Autohersteller ist aufgerufen, diese Fahrzeuge zurückzunehmen und den Kaufpreis zurückzuerstatten.

Aber nicht nur die Autokäufer, auch die gesamte Bevölkerung hat durch den massiv erhöhten Stickoxid-Ausstoß Schaden erlitten. „Vielerorts ist die Stickstoffdioxid-Belastung zu hoch. Das liegt auch daran, dass die Diesel-Pkw auf der Straße deutlich mehr Schadstoffe ausstoßen als im Labor ermittelt wurde. Doch die Abgasgrenzwerte wurden nicht für saubere Luft im Labor eingeführt, sondern um die Gesundheit der Bevölkerung zu schützen“, stellt VCÖ-Expertin Rasmussen fest. Das renommierte Forschungsinstitut ICCT hat festgestellt, dass neue Diesel-Pkw im realen Fahrbetrieb im Schnitt doppelt so hohe Stickoxid-Emissionen verursachen wie neue Lkw. Bei Lkw und Bussen wird die Einhaltung der Abgasgrenzwerte für die Typisierung unter realen Fahrbedingungen geprüft.

Seit Beginn des VW-Dieselskandals sind bereits eineinhalb Jahre vergangen, es gibt viele Hinweise, dass der VW-Skandal nur die Spitze des Eisbergs ist. So wurde nun ein Dokument der französischen Anti-Betrugsbehörde veröffentlicht, in dem Renault „betrügerischer Strategien“ bei Abgastests verdächtigt wird. Es wurden große Unterschiede zwischen den Abgaswerten bei Zulassungstests im Labor und beim Fahren auf der Straße festgestellt. „Die nationalen Typisierungsbehörden haben in ihrer Kontrollaufgabe versagt, auch weil es eine viel zu große Nähe zu nationalen Autoherstellern gibt. Statt der nationalen Behörden braucht es eine einzige unabhängige Typisierungsstelle auf EU-Ebene“, betont VCÖ-Expertin Rasmussen. Denn ein Fahrzeug, das in Frankreich, Italien oder Deutschland typisiert wird, ist in der EU und damit auch in Österreich zugelassen. Zudem braucht es viel stärkere Kontrollen.

Zusätzlich zu den hohen Schadstoffemissionen im realen Fahrbetrieb nimmt die Abweichung des realen Spritverbrauchs von den Herstellerangaben immer stärker zu. Seit dem Jahr 2006 hat sich die Differenz zwischen Herstellerangaben und tatsächlichem Verbrauch in Europa  von 14 Prozent auf 42 Prozent verdreifacht, macht der VCÖ aufmerksam. Das schadet den Autofahrerinnen und Autofahrern, weil sie viel höhere Spritkosten haben und das schadet der Umwelt, weil die Autos viel mehr klimaschädliches CO2 verursachen als am Papier steht. „Mit diesem Verhalten tragen die Autohersteller die Verbrennungstechnologie selber zu Grabe“, so VCÖ-Expertin Rasmussen. 

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