VCÖ: Zahl der tödlich verunglückten Seniorinnen und Senioren im 1. Halbjahr gestiegen

VCÖ: Verkehrssystem seniorengerecht gestalten, Mobilitätsangebote verbessern

VCÖ (Wien, 7. Oktober  2016) – Während im 1. Halbjahr die Zahl der Verkehrstoten in Österreich um elf Prozent zurückgegangen ist, ist die Zahl der tödlich verunglückten Seniorinnen und Senioren gestiegen, macht der VCÖ aufmerksam. 60 Prozent der tödlich verunglückten Fußgängerinnen und Fußgänger war 65 Jahre oder älter, bei den mit dem Fahrrad tödlich Verunglückten betrug der Anteil der Senioren 66 Prozent. Der VCÖ fordert verstärkte Maßnahmen für ein seniorengerechtes Verkehrssystem. Die Infrastruktur für das Radfahren und Gehen ist auszubauen und zu verbessern, die Sicherheit älterer Fußgänger durch mehr Verkehrsberuhigung zu erhöhen.

Die Zahl der Verkehrstoten ist in Österreich im 1. Halbjahr von 214 auf 190 gesunken, aber leider nicht in jeder Altersgruppe, wie eine aktuelle Analyse des VCÖ auf Basis von Daten der Statistik Austria zeigt. Die Zahl der tödlich verunglückten Seniorinnen und Senioren ist sogar leicht von 65 auf 68 gestiegen. Damit betrug der Anteil der Generation 65 Plus an den tödlich Verunglückten bereits rund 36 Prozent, nach rund 30 Prozent im 1. Halbjahr 2015.

Jeder dritte tödlich Verunglückte Senior wurde als Fußgänger Opfer eines Verkehrsunfalls. „60 Prozent der tödlich verunglückten Fußgängerinnen und Fußgänger waren 65 Jahre oder älter, bei den mit dem Fahrrad tödlich Verunglückten beträgt der Anteil älterer Menschen 66 Prozent. Das heutige Verkehrssystem nimmt auf die ältere Generation zu wenig Rücksicht. Für ältere Menschen gibt es nicht nur zu viele Barrieren, sondern auch zu viele Gefahrenquellen“, betont VCÖ-Experte Markus Gansterer. Vor allem zu hohes Tempo des Kfz-Verkehrs und Mängel bei der Infrastruktur zum Gehen und Radfahren erhöhen das Unfallrisiko.

Der VCÖ weist darauf hin, dass in den kommenden Jahren die Zahl der älteren Menschen in Österreich deutlich zunehmen wird. Während heute rund 1,6 Millionen Menschen in Österreich 65 Jahre oder älter sind, werden es im Jahr  2025 mit 1,92 Millionen um ein Fünftel mehr sein. Unter den älteren Menschen nimmt die Zahl der Generation 75 plus besonders stark zu, nämlich um ein Viertel auf rund 950.000.

Der VCÖ fordert eine seniorengerechte Verkehrsplanung. Gerade im Ortsgebiet kann die Verkehrssicherheit für ältere Menschen durch mehr Verkehrsberuhigung sowie mehr und breitere Gehwegen erhöht werden. Auch sind Straßenübergänge und Kreuzungen übersichtlicher zu machen, bei Ampelschaltungen ist auf ältere Menschen mehr Rücksicht zu nehmen. „Die Rotphasen für Fußgänger sind häufig zu lange, die Grünphasen zu kurz“, bringt es VCÖ-Experte Gansterer auf den Punkt. In ländlichen Regionen fehlt es heute oft an Gehwegen, etwa von einer Siedlung zur Bushaltestelle oder zum nächsten Ortsgebiet. Auch die Radfahrinfrastruktur ist im ländlichen Raum häufig mangelhaft. Im Ortsgebiet kann die Verkehrssicherheit für ältere Radfahrer sowie für Fußgänger durch Verkehrsberuhigung erhöht werden. Für ältere Senioren sind zudem seniorengerechte Spezialräder zu empfehlen.

Großen Aufholbedarf sieht der VCÖ auch beim öffentlichen Verkehrsangebot. Während in großen Städten ein dichtes Öffentliches Verkehrsnetz den älteren Seniorinnen und Senioren es ermöglicht, selbständig mobil zu sein, fehlt in den Regionen und auch in vielen regionalen Zentren dieses Angebot. Entweder die älteren Menschen sind dann gezwungen, weiter mit dem Auto zu fahren oder sie sind für Einkaufsfahrten oder Arztbesuche von anderen abhängig. Anrufsammeltaxis und Gemeindebusse sollten daher zum Grundangebot jeder Gemeinde gehören, betont der VCÖ.

VCÖ: Im 1. Halbjahr Zahl der tödlich verunglückten Seniorinnen und Senioren gestiegen (Tödlich verunglückte im Alter von 65 Jahren oder älter)

Pkw-Insasse: 28 ( minus 2 – 32 Prozent aller tödlich verunglückten Pkw-Insassen)

Fußgänger: 21 (plus 1 – 60 Prozent aller tödlich verunglückten Fußgänger)

Fahrrad: 14 (plus 4 – 66 Prozent aller tödlich verunglückten Radfahrer)

Moped + Motorrad: 3 (minus 1 – 9 Prozent aller mit Moped / Motorrad tödlich Verunglückten)

Sonstige Verkehrsmittel: 2 (plus 1 )

Gesamt: 68 (plus 3 – 36 Prozent der Verkehrstoten)

Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2016

 

VCÖ: Jeder fünfte tödlich Verunglückte in Österreich ist 75 Jahre oder älter (1. Halbjahr im Alter von 75 Jahre oder älter, in Klammer 1. Halbjahr 2015)

Tödlich Verunglückte: 40 (39)

Anteil an Verkehrstoten 21,1 Prozent ( 18,2 Prozent)

Verletzte: 1.097 (1.055)

Anteil an Verletzten: 5,0 Prozent (5,1 Prozent)

Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2016

 

VCÖ: In Österreich  nimmt die Zahl älterer Menschen stark zu (Anzahl 75 Jahre plus im Jahr 2025 (in Klammer Änderung gegenüber 2015))

Niederösterreich: 194.800 (plus 39.700 – plus 25,6 Prozent)

Wien: 175.500 (plus 42.600 – plus 32,0 Prozent)

Oberösterreich: 154.100 (plus 27.900 – plus 22,1 Prozent)

Steiermark: 142.000 (plus 23.200 – plus 19,6 Prozent)

Tirol: 79.300 (plus 20.100 – plus 34,0 Prozent)

Kärnten: 68.400 (plus 12.400 – plus 22,1 Prozent)

Salzburg: 59.400 (plus 15.400 – plus 35,0 Prozent)

Vorarlberg: 40.000 (plus 10.300 – plus 34,8 Prozent)

Burgenland: 35.300 (plus 5.100 – plus 16,9 Prozent)

Österreich: 949.000 (plus 197.000 – 26,2 Prozent)

Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2016 

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