VCÖ: Wirtschaftsstandort ohne 3. Piste stärken – Seit 2011 deutlich weniger Flüge, aber mehr Passagiere

VCÖ: Internationale Bahnverbindungen verbessern, Chancen der Digitalisierung nutzen

VCÖ (Wien, 23. März 2017) – Im Vorjahr gab es am Flughafen Wien um rund 19.600 Flugbewegungen weniger als im Jahr 2011, gleichzeitig ist die Zahl der Passagiere um fast 2,3 Millionen gestiegen. Die Zahl der Kurzstreckenflüge ist nach wie vor hoch. Die Ziele eines auch in Zukunft starken Wirtschaftsstandorts und des Klimaschutzes sind miteinander vereinbar, stellt der VCÖ fest. Die internationalen Bahnverbindungen sind auszubauen, Videokonferenzen können einen Teil der Geschäftsreisen ersetzen, CO2-Grenzwerte für Flugzeughersteller die Klima-Bilanz des Flugverkehrs verbessern.

„Die weitere Stärkung des Wirtschaftsstandorts Wien ist auch ohne dritte Piste möglich, ebenso die Erfüllung der künftigen verkehrlichen Anforderungen. Nötig ist eine sachliche Diskussion über Alternativen“, betont VCÖ-Experte Markus Gansterer. Seit dem Jahr 2011 ist die Anzahl der Flüge am Flughafen Wien Schwechat um acht Prozent gesunken, gleichzeitig ist die Zahl der Flugpassagiere um 10,7 Prozent gestiegen, macht der VCÖ aufmerksam. Im Vorjahr gab es um 19.608 Flugbewegungen weniger als im Jahr 2011. Gleichzeitig wurden um 2,26 Millionen mehr Passagiere transportiert. Die steigende Effizienz ist aus wirtschaftlicher und ökologischer Sicht positiv, ebenso für die Fluglärm geplagten Anrainerinnen und Anrainer.

Die Zahl der Kurzstreckenflüge ist aber hoch. Im Jahr 2015 hatten 7,6 Millionen Passagiere eine Distanz von weniger als 800 Kilometer, davon rund eine Million eine Distanz von sogar weniger als 400 Kilometer. Bisher wurde zu wenig getan, um kurze Flüge in die Nachbarländer auf die Bahn zu verlagern. Die grenzüberschreitenden Bahnverbindungen sind rasch auszubauen, betont der VCÖ. Damit werden Kapazitäten am Flughafen für jene Destinationen frei, wo das Flugzeug alternativlos ist.

Auch die EU sollte den  internationalen Bahnverkehr forcieren. „Als im April 2010 der isländische Vulkan Eyjafjallajökull ausbrach, war der Flugverkehr in Nord- und Mitteleuropa für mehrere Tage stillgelegt, zum Schaden der Wirtschaft“, erinnert VCÖ-Experte Markus Gansterer. Die Digitalisierung ermöglicht zudem Unternehmen, einen Teil der Geschäftsreisen durch Videokonferenzen zu ersetzen.

Unbestritten ist, dass die Klimabilanz von Flügen sehr schlecht ist. Pro 1.000 Personenkilometer verursachen Flugzeuge im Schnitt 250 Kilogramm CO2 und damit 18 Mal so viel wie die Bahn, weist der VCÖ auf Daten des Umweltbundesamts hin. Die CO2-Emissionen des Flugverkehrs in Österreich haben sich seit dem Jahr 1990 von 0,89 auf 2,13 Millionen Tonnen im Jahr 2015 mehr als verdoppelt. Das entspricht den CO2-Emissionen von rund 1,2 Millionen Benzin-Pkw eines Jahres.

Die Zunahme der CO2-Emissionen liegt nicht nur an der gestiegenen Anzahl der Flüge, sondern auch an den Flugzeugherstellern, die den Kraftstoffverbrauch zu wenig gesenkt haben. Die freiwilligen Verpflichtungen haben nicht gewirkt. Eine Studie des Forschungsinstituts ICCT zeigt, dass es technisch möglich ist, den Verbrauch neuer Flugzeugmodelle bis zum Jahr 2024 um 25 Prozent zu reduzieren. Es braucht politische Vorgaben, vergleichbar dem CO2-Genzwert für Neuwagen sowie eine gerechte Besteuerung. Während Autofahrer für Benzin und Diesel Mineralölsteuer und die Bahnen Energiesteuer zahlen, sind Flugkonzerne davon befreit. Zusätzlich sind Flugtickets bei internationalen Flügen von der Mehrwertsteuer befreit. Das WIFO hat festgestellt, dass der Flugverkehr in Österreich rund 500 Millionen Euro pro Jahr an Begünstigungen erhält.

Wichtig ist zudem, dass die Tourismuswerbung die Anreise nach Österreich mit der Bahn in den Nachbarländern stärker bewirbt, wie das beispielsweise die Tirol Werbung in Deutschland durchgeführt hat. „Für die Tourismuswirtschaft ist wichtig, dass Gäste nach Österreich kommen. Wenn sie mit der Bahn kommen, hat auch die Umwelt gewonnen“, betont VCÖ-Experte Gansterer.

Beim UN-Klimaabkommen von Paris wurde der globale Ausstieg aus fossilen Energieträgern bis zum Jahr 2050 beschlossen, um die globale Erderwärmung zu drosseln und massive Schäden infolge des Klimawandels zu vermeiden. Die Treibhausgas-Emissionen sind zu reduzieren. Werden Maßnahmen umgesetzt, die den CO2-Ausstoß erhöhen, sind im Gegenzug Kompensationsmaßnahmen umzusetzen, die die Treibhausgase verringern.

VCÖ: Weniger Flugbewegungen, mehr Passagiere am Flughafen Wien (Flugbewegungen am Flughafen Wien, in Klammer Anzahl Flugpassagiere)

Jahr 2016 : 226.395 Flugbewegungen (23.352.016 Flugpassagiere)

Jahr 2015:  226.811 (22.774.878)

Jahr 2014: 230.781 (22.482.884)

Jahr 2013: 231.177 (21.999.820)

Jahr2012: 244.650 (22.165.733)

Jahr 2011: 246.003 (21.096.398)

Änderung 2016 zu 2011: minus 19.608 Flugbewegungen (plus 2.255.618 Passagiere)

Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2017

VCÖ: Jeder 3. Passagier fliegt kürzer als 800 Kilometer (Anzahl Flugpassagiere Wien Schwechat im Jahr 2015, in Klammer Anteil in Prozent)

Distanz bis 400 km: 996.400 (4 Prozent)

400 bis 600 km: 3.190.700 (13 Prozent)

600 bis 800 km: 3.416.700 (14 Prozent)

800 bis 1.000 km: 8.461.200 (35 Prozent)

1.000 bis 1.200 km: 3.282.900 (13 Prozent)

Mehr als 1.200 km: 5.112.000 (21 Prozent)

Summe: 24.459.900

Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2017

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