VCÖ: VW-Nachrüstplan wirft viele Fragen auf

VCÖ (Wien, 26. November 2015) -  Laut Nachrüstplan von VW dauert die Reparatur der manipulierten Motoren lediglich eine halbe bis eine Stunde. Der VCÖ kritisiert, dass jahrelang die Bevölkerung einer erhöhten gesundheitsschädlichen Schadstoffbelastung ausgesetzt wurde, obwohl es offenbar technisch ein Leichtes ist, die Grenzwerte einzuhalten. Stickoxide verursachen Atemwegserkrankungen, insbesondere die Gesundheit von Kindern und älteren Menschen ist durch eine erhöhte Stickstoffdioxid-Belastung gefährdet.

"Jahrelang wurden viele Millionen Motoren manipuliert. Und jetzt heißt es, dass es lediglich eine halbe Stunde dauert, um dafür zu sorgen, dass der Motor beim Fahren keine überhöhten Schadstoffmengen in die Luft bläst.  Das bedeutet, dass jahrelang zum Schaden der Gesundheit der Bevölkerung große Schadstoffmengen in die Luft gelangt sind, obwohl es offenbar eine sehr einfache und billige technische Lösung für das Problem gibt", ist VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen empört.

Der Abgasskandal ist auch die Folge eines multiplen Kontrollversagens und einer Politik, die den Versprechungen der Autoindustrie zu viel Glauben schenkte. Als Konsequenz fordert der VCÖ neben besseren und realitätsnaheren Testverfahren strengere Kontrollen durch eine unabhängige Behörde.

Der VCÖ fordert, dass die Umrüstung nun deutlich schneller erfolgen muss. Die Umrüstung soll nicht erst zu Jahresanfang 2016 beginnen, sondern im Jänner 2016 abgeschlossen sein. Je länger Autos mit manipulierten Motoren auf den Straßen unterwegs sind, umso mehr gesundheitsschädliche Schadstoffe verschmutzen die Luft. "Es stellt sich die Frage, wie lange noch die Bevölkerung dieser erhöhten Belastung ausgesetzt wird", so VCÖ-Expertin Rasmussen.

Stickoxide sind ein Reizgas und können Atemwegserkrankungen verursachen. Vor allem für Kinder, die im Wachstum sind, und für ältere Menschen sind Stickoxide sehr gesundheitsschädlich. Bei hohen Belastungen können Herzinfarkte und Lungenödeme die Folge sein. Die Schadstoffe werden dort in die Luft geblasen, wo Menschen unterwegs sind und wo es Wohngebiete gibt. Entlang stark befahrener Straßen und in Autos, die im städtischen Verkehr im Stau stehen, ist die Schadstoffbelastung besonders hoch.

Offen ist für den VCÖ auch die Frage, wie die im Vergleich zu den Labortests stark erhöhten Stickoxid-Emissionen bei anderen Herstellern zu erklären sind.  Eine Studie des unabhängigen Forschungsinstituts ICCT (International Council on Clean Transportation) hat gezeigt, dass neue Diesel-Pkw-Modelle (Abgasnorm EURO 6) im Schnitt sieben Mal so hohe Stickoxid-Emissionen verursachen wie der Grenzwert vorschreibt. Statt den laut EU-Abgasnorm Euro 6 erlaubten 80 Milligramm je Kilometer wurde die Luft im Schnitt mit 560 Milligramm pro Kilometer verschmutzt.

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