VCÖ vor Dieselgipfel: Schmutz-Diesel nachrüsten – 2.500 Euro pro Schmutz-Diesel in Öffi-Fonds einzahlen

Massiv erhöhte NOx-Werte auch bei neuen Dieselautos

VCÖ (Wien, 21. August 2017) – Seit dem Jahr 2010 wurden in Österreich mehr als 1,38 Millionen Diesel-Pkw neu zugelassen. Private Haushalte haben mehrheitlich Benziner neu gekauft, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse zeigt. Dass auch neue Diesel-Pkw beim Fahren auf der Straße massiv erhöhte Stickoxidwerte aufweisen, zeigen zahlreihe Messungen, wie etwa die gestern vom ADAC veröffentlichten Ergebnisse. Der VCÖ fordert vom morgigen Dieselgipfel, dass Diesel-Pkw mit stark erhöhter Schadstoffbelastung auf Kosten der Hersteller mit einer funktionierenden Abgasreinigung nachgerüstet werden. Zudem schlägt der VCÖ vor, dass die Hersteller pro verkauftem Schmutz-Diesel-Pkw 2.500 Euro in einen Öffi-Fonds für zusätzliche Verbindungen vom Umland in die Städte einbezahlen.

Rund 1,38 Millionen Diesel-Pkw wurden in Österreich seit dem Jahr 2010 neu zugelassen, macht der VCÖ aufmerksam. 62 Prozent davon wurden auf Unternehmen und andere "juristische Personen" zugelassen. Während private Haushalte mehr neue Benziner als neue Diesel-Pkw kauften, wurden auf Firmen und andere juristische Personen fast doppelt so viele Diesel-Pkw wie Benziner neu zugelassen, wie die VCÖ-Analyse zeigt. Bei neuen Kleinwagen betrug der Dieselanteil seit dem Jahr 2010 lediglich 14 Prozent, bei SUV und Geländewagen war dieser mit 76 Prozent mehr als fünf Mal so hoch.

„Der morgige Dieselgipfel darf nicht, so wie in Deutschland, mit Marketinggags enden. Im Interesse der Gesundheit der Bevölkerung muss das Ergebnis wirksame Maßnahmen bringen, die die enorme Schadstoffbelastung durch zahlreiche Dieselautos verringern“, stellt VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen fest.

Diesel-Pkw mit hohem Stickoxid-Ausstoß auf der Straße sind mit einer wirksamen Abgasreinigung nachzurüsten. Die Kosten dafür sind vom verantwortlichen Hersteller zu tragen. „Die Abgasreinigung muss immer funktionieren und nicht nur bei bestimmten Temperaturen“, betont VCÖ-Expertin Rasmussen. Zuletzt wurde nachgewiesen, dass bei einem VW-Motor die Abgasreinigung nur zwischen 15 und 32 Grad Celsius funktioniert. Zudem soll pro verkauftem Schmutz-Diesel-Pkw der jeweilige Hersteller 2.500 Euro in einen Öffi-Fonds einzahlen. Mit den Mitteln sollen zusätzliche Öffi-Verbindungen vom Umland in die Städte finanziert werden, damit mehr Pendlerinnen und Pendler eine Alternative zum Pkw haben.

Durch zahlreiche Messungen, etwa durch das deutsche Umweltbundesamt, durch ICCT oder den ADAC, liegen bereits viele Daten vor, wie hoch die tatsächlichen Stickoxid-Emissionen einzelner Modelle beim Fahren sind. Für jedes in Österreich verkaufte Modell, das beim Fahren auf der Straße mehr als doppelt so viele Stickoxide emittiert, soll der jeweilige Hersteller in den Fonds einzahlen, so der VCÖ-Vorschlag.

„Stickoxide sind zwar unsichtbar, sie verursachen aber massive gesundheitliche Schäden. Vor allem für Kinder, Schwangere, ältere Menschen sowie Personen mit Asthma oder COPD ist eine erhöhte Stickstoffdioxid-Belastung extrem schädlich“, macht VCÖ-Expertin Rasmussen auf die Gesundheitsfolgen von hohen Stickoxid-Emissionen aufmerksam. Die massiv erhöhten Stickoxid-Emissionen verursachen Erkrankungen, belasten das Gesundheitssystem und durch vermehrte Krankenstände auch die Wirtschaft.

Besonders hoch ist die schädliche Stickoxid-Belastung für Anrainerinnen und Anrainer sowie für Autofahrende. Auf stark befahrenen Straßen sind Auto-Insassen regelrecht in einer giftigen Abgaswolke unterwegs. Laut Studie des MIT in Cambridge haben allein die in Deutschland verkauften 2,6 Millionen VW-Modelle mit manipuliertem Motor rund 1.200 vorzeitige Todesfälle in Europa ausgelöst.

Auch die neuen EURO6-Diesel-Pkw verursachen beim Fahren ein Vielfaches an schädlichen Stickoxiden. Erst gestern hat der ADAC Daten von Schadstofftests bei Diesel-Pkw der EURO6 Klasse, der modernsten Abgasklasse, veröffentlicht. Demnach hatten „14 getestete Diesel-Modelle des Renault-Konzerns im Schnitt 684 Milligramm Stickoxide pro Kilometer ausgestoßen“. Das ist mehr als acht Mal so viel wie der Grenzwert für den Prüfstand (80 Milligramm) vorschreibt.

Messungen des Umweltbundesamts in Deutschland haben gezeigt, dass EURO6-Diesel-Pkw statt höchstens 80 Milligramm Stickoxide (NOx) wie der Grenzwert für den Labortest vorschreibt beim Fahren auf der Straße im Schnitt mit 507 Milligramm Stickoxide pro Kilometer sechsmal so viel NOx ausstoßen. Noch schmutziger sind EURO5-Diesel-Pkw mit einem durchschnittlichen realen Ausstoß von 906 mg NOx pro Kilometer. Die EURO5 verschmutzen damit die Luft stärker als die älteren EURO4, die durchschnittlich 674 mg Stickoxide ausstoßen.

"Je früher der Ausstieg aus Diesel und Benzin gelingt, umso besser für die Luftqualität und unser aller Gesundheit“, stellt VCÖ-Expertin Rasmussen fest. Der VCÖ spricht sich für einen Ausstiegsplan aus. Dieser soll festlegen, ab wann keine Neuwagen mehr mit Diesel- und Benzinmotor mehr verkauft werden sollen. Realistisch ist dafür das Jahr 2030.

 

VCÖ: Seit 2010 bereits mehr als 1,38 Millionen Diesel-Pkw neu zugelassen
(Pkw-Neuzulassungen 1. Jänner 2010 bis 31. Juli 2017)

Gesamt: 2.495.522
Davon Diesel-Pkw: 1.382.580 (Anteil Diesel-Pkw: 55,4 Prozent)
Auf „juristische Personen“ (Unternehmen, öffentliche Stellen, …) zugelassen: 838.656 Diesel-Pkw (Anteil 60,7 Prozent)
Auf private Haushalte neuzugelassen: 543.924 (Anteil 39,3 Prozent)
Anteil Diesel-Pkw bei Kleinwagen: 13,7 Prozent
Anteil Diesel-Pkw bei SUV und Geländewagen: 76,1 Prozent

Quelle: Datafact, VCÖ 2017

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