VCÖ und VIER PFOTEN: Tiertransporte auf maximal 8 Stunden beschränken!

VCÖ (Wien, 5. Dezember 2014) - Massive Kritik üben VCÖ und VIER PFOTEN am bestehenden Tiertransportgesetz. Die EU sieht Transporte bis acht Stunden als "Kurzstreckentransporte", für die keine Wasserversorgung vorgeschrieben ist. Tiere dürfen bis zu 30 Stunden quer durch Europa transportiert werden. Insgesamt werden pro Jahr rund eine Milliarde Geflügel und mehr als 360 Millionen vierbeinige Nutztiere in der EU lebend transportiert. VCÖ und VIER PFOTEN fordern bessere Transportbedingungen und eine Beschränkung der Tiertransporte auf acht Stunden. (VCÖ-Factsheet zum Thema Tiertransporte)

In der EU werden jährlich mehr als 360 Millionen Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen und Pferde lebend transportiert, davon mehr als 50 Millionen Tiere grenzüberschreitend. 53 Prozent der grenzüberschreitend transportierten Schweine sind mehr als acht Stunden lang unterwegs, bei Kälbern beträgt der Anteil 34 Prozent.

Laut derzeitigem Gesetz ist das legal, üben VCÖ und VIER PFOTEN Kritik am Tiertransportgesetz. In der EU sind internationale Lebendtiertransporte bei Rindern, Ziegen und Schafen bis zu einer Dauer von 30 Stunden erlaubt. Erst nach 14 Stunden muss eine Pause eingelegt werden. Pferde dürfen 24 Stunden lang transportiert werden und müssen nur alle acht Stunden getränkt und gefüttert werden. Noch schlechter ergeht es Schweinen: Diese dürfen 24 Stunden ohne Pause transportiert werden.

"Acht Stunden sind genug", bringen VCÖ und VIER PFOTEN ihre Forderung auf den Punkt. Derzeit sieht die EU-Regelung Tiertransporte bis zu acht Stunden überhaupt als "Kurzstreckentransporte" an, für die keine Wasserversorgung vorgeschrieben ist. "Diese Regelung ist zynisch und grausam. Auch ist es für unsere Gesellschaft unwürdig, dass die EU Tiere noch immer rechtlich als Ware betrachtet", betont VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen.

Zudem sind die Transportbedingungen für die Tiere zu verbessern. Während des Transports haben die Tiere spärlichen Zugang zu Wasser. Hinzu kommen der Lärm des Verkehrs, die schlechte Luft und im Sommer die Hitze.

Nina Jamal von VIER PFOTEN: "Der nächstgelegene, geeignete Schlachthof soll verpflichtend angefahren werden, um unnötiges Leid bei Transport und Schlachtung zu vermeiden."  Auch aufgrund der fehlenden Kostenwahrheit im Transport werden die Tiere oft zum günstigsten Schlachthof transportiert, auch wenn dieser weit entfernt liegt. Europaweit schlachten 13 große Schlachthöfe 38 Prozent der Schweine. Der größte europäische Schlachthof, Danish Crown, schlachtet im Schnitt 60.000 Schweine pro Tag. Nina Jamal weist darauf hin, dass eine allgemeine Reduktion des Fleischkonsums einen wichtigen Beitrag zur Senkung der hohen Transportmengen leisten würde: „Weniger Fleisch, dafür aus artgemäßer Tierhaltung und mit hoher Qualität wäre ein Riesenschritt in die richtige Richtung.“

VCÖ und VIER PFOTEN fordern zudem mehr Kontrollen von Tiertransporten auf der Straße. Im Vorjahr wurden in Österreich 136.450 Tiertransporte kontrolliert, fast alle in den Schlachthöfen, nur 1.218 Tiertransporter wurden auf der Straße kontrolliert, um 358 weniger als im Jahr 2009. Damit fahren der Großteil der Transit-Tiertransporter unkontrolliert durch Österreich.

"Tiere tausende Kilometer quer durch Europa zu transportieren verursacht viel Tierleid und zudem viel Transit-Verkehr. Auch deshalb ist es wichtig, dass EU-weit eine Mindestmaut für Lkw eingeführt wird", betont VCÖ-Expertin Rasmussen. Der Lkw-Verkehr in der EU verursacht so genannte externe Kosten in der Höhe von rund 120 Milliarden Euro pro Jahr. Das sind Schäden, die zwar von den Lkw verursacht, aber nicht vom Lkw-Verkehr, sondern von der Allgemeinheit bezahlt werden. Auch deshalb ist die steuerliche Begünstigung von Diesel abzuschaffen und Diesel gleich hoch zu besteuern wie Benzin.

 

Zum VCÖ-Factsheet zum Thema Tiertransporte

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