VCÖ: Trend zu größer und stärker treibt realen Spritverbrauch in die Höhe

VCÖ (Wien, 5. November 2015) – Größer, schwerer und mehr PS: Seit dem Jahr 2000 haben die neu zugelassenen Diesel-Pkw in Österreich um zehn Prozent an Gewicht zugelegt, die Motorstärke nahm sogar um ein Drittel zu, macht der VCÖ aufmerksam. Geschönte Herstellerangaben verdecken den höheren realen Spritverbrauch bei den schweren Modellen. Je höher das Gewicht und die Motorstärke, desto höher auch der Spritverbrauch und damit die CO2-Emissionen. Der VCÖ fordert auf EU-Ebene strengere Grenzwerte und bessere Kontrollen zur Einhaltung der Herstellerangaben.

Seit dem Jahr 2000 hat das Durchschnittsgewicht der in Österreich neuzugelassenen Diesel-Pkw laut Umweltbundesamt um mehr als 150 Kilogramm zugelegt. Rund 1.620 Kilogramm wiegt mittlerweile ein Diesel-Pkw, ein Benziner kommt im Schnitt auf rund 1.250 Kilogramm. „Dieselautos sind um rund ein Drittel schwerer als die Benziner“, so VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen. Während Kleinwagen vor allem mit Benzin fahren, haben die schweren Autos mit viel PS meist einen Dieselmotor. Vor allem Dieselautos sind vom Trend zu immer schwereren Autos erfasst: Der Gewichtsunterschied zwischen den Diesel- und Benzinautos ist von 258 Kilogramm im Jahr 2000 um 43 Prozent auf rund 370 Kilogramm gestiegen.

„Der SUV-Boom verschlechtert die Umweltbilanz der Neuwagen. Acht von zehn SUV und Geländewagen fahren mit Diesel“, macht VCÖ-Expertin Rasmussen aufmerksam. Der deutsche Autoexperte Dudenhöffer hat schon mehrmals darauf hingewiesen, dass SUV im Schnitt um ein Viertel mehr Sprit schlucken als vergleichbare herkömmliche Modelle.

Auch dass die Autohersteller in den vergangenen Jahren die Motorleistung in die Höhe getrieben haben, wirkt  sich negativ auf den Spritverbrauch aus. Der VCÖ weist darauf hin, dass seit dem Jahr 2000 die durchschnittliche Motorstärke von Diesel-Pkw in Österreich um ein Drittel auf rund 100 kW zugenommen hat. Bei Benzin-Pkw gab es hingegen nur eine minimale Zunahme von 71 auf 75 kW. Die Leistungsdifferenz zwischen den durchschnittlichen Diesel und Benzin-Pkw hat sich in diesem Zeitraum versechsfacht.

Eine zuletzt veröffentlichte Studie des Forschungsinstituts ICCT weist darauf hin, dass bei den größeren und leistungsstärkeren Fahrzeugen die Abweichung zwischen tatsächlichem und realem Spritverbrauch besonders hoch ist: „Besonders hohe Abweichungen werden im Premium-Segment beobachtet, wo in der Realität der Kraftstoffverbrauch einiger Fahrzeugmodelle im Durchschnitt mehr als 50 Prozent höher liegt, als vom Hersteller angegeben“, so ICCT.

„Dass gerade die Dieselautos in den vergangenen Jahren an Gewicht und PS zulegten, ist aus Gesundheitssicht sehr negativ. Dieselabgase enthalten ein Vielfaches an gesundheitsschädlichen Stickoxiden . Je mehr Schadstoffe beim Auspuff rauskommen, umso mehr gelangen in unsere Lungen“, macht VCÖ-Expertin Rasmussen aufmerksam. Besonders schädlich sind die Schadstoffe für Kinder und ältere Menschen.

Der VCÖ fordert als Konsequenz des aktuellen Autoskandals auf EU-Ebene strengere CO2-Grenzwerte. „Der Skandal zeigt, dass das blinde Vertrauen der Politik gegenüber den Autoherstellern nicht gerechtfertigt ist.  Jetzt braucht es als Konsequenz aus dem Skandal nicht nur ein neues, realitätsnahes Testverfahren, sondern auch strengere Grenzwerte, verstärkte Kontrollen und hohe Strafen, wenn der tatsächliche Spritverbrauch stark von den Herstellerangaben abweicht“, betont VCÖ-Expertin Rasmussen. 

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