VCÖ: Toleranzgrenzen bei Überschreitung von Tempolimits in Österreich zu hoch

VCÖ (Wien, 9. Dezember 2014) – Der VCÖ unterstützt die Forderung des KfV nach Abschaffung der Toleranzgrenzen beim Überschreiten von Tempolimits. Lediglich die gerätebedingte Messtoleranz soll beibehalten werden. Der VCÖ weist darauf hin, dass zu hohes Tempo die Hauptursache von tödlichen Verkehrsunfällen in Österreich ist. Heuer passierte jeder dritte tödliche Verkehrsunfall deshalb, weil der Unfalllenker zu schnell gefahren ist. Im Bundesland Salzburg wurde heuer im Ortsgebiet die Toleranzgrenze gesenkt.

„Beim Überschreiten von Tempolimits ist Toleranz fehl am Platz. Schnellfahren gefährdet die Gesundheit und das Leben anderer Verkehrsteilnehmer. Vor allem beim Zusammenstoß mit Fußgängern entscheiden schon ein paar km/h mehr oder weniger über die Schwere der Verletzungen und darüber, ob das Unfallopfer überlebt oder nicht“, spricht sich VCÖ-Expertin DI Bettina Urbanek für ein Ende der sehr hohen Toleranzgrenzen beim Überschreiten von Tempolimits aus. So beträgt die Toleranzgrenze auf Freilandstraßen 15 km/h, gestraft wird dort, wo Tempo 80 gilt, erst ab 96 km/h. Ähnlich ist die Situation auf Autobahnen, wo beispielsweise der Großteil der Lkw die Toleranzgrenze ausnutzt.

Der VCÖ weist darauf hin, dass zu hohes Tempo heuer für 31 Prozent der tödlichen Verkehrsunfälle verantwortlich war. Damit ist nicht angepasste Geschwindigkeit der häufigste Grund für tödliche Verkehrsunfälle. In der Schweiz wird lediglich eine gerätebedingte Messtoleranz von drei km/h toleriert. Im Bundesland Salzburg wurde heuer im Ortsgebiet die Toleranzgrenze gesenkt. Beibehalten wurde eine gerätebedingte Messtoleranz von 5 km/h. Jetzt wird in einem 50 km/h ab 56 km/h gestraft, früher erst ab 61 km/h. Der VCÖ macht darauf aufmerksam, dass der Unterschied beim Anhalteweg zwischen 50 und 60 km/h groß ist.

Bei 50 km/h beträgt der Anhalteweg (Reaktionsweg und Bremsweg) auf nasser Fahrbahn rund 26 Meter, bei 60 Km/h hingegen 35 Meter. Während das Auto mit 50 km/h nach 26 Metern steht, hat das Fahrzeug mit 60 km/h nach 26 Metern noch eine Geschwindigkeit von 37 km/h. „Wird ein Fußgänger mit 37 km/h angefahren, führt das in der Regel zu schwersten, wenn nicht sogar tödlichen Verletzungen“, verdeutlicht VCÖ-Expertin Urbanek. Und wer statt 30 km/h „tolerierte“ 40 km/h fährt hat auf nasser Fahrbahn statt rund 12 Meter einen Anhalteweg von 18 Metern. Ein Fußgänger würde nach 12 Meter mit einer Geschwindigkeit von rund 30 km/h angefahren werden. „Gerade für die Verkehrssicherheit von älteren Menschen, die zu Fuß unterwegs sind, und natürlich auch für Kinder, ist es sehr wichtig, dass im Ortsgebiet die Tempolimits eingehalten werden“, stellt VCÖ-Expertin Urbanek fest.

Auch auf Freilandstraßen und Autobahnen sollte nur mehr die gerätebedingte Messtoleranz von 5 km/h akzeptiert werden.

 

VCÖ: Ein paar km/h machen beim Anhalteweg einen großen Unterschied (Anhalteweg (Reaktionsweg und Bremsweg) auf nasser Asphaltfahrbahn )

30 km /h:  12 Meter
40 km /h:  18 Meter  (Tempo nach 12 Metern: 31 km/h)

50 km/h: 26 Meter
60 km/h: 35 Meter (Tempo nach 26 Metern: 37 km/h)

80 km/h: 57 Meter
90 km/h: 70 Meter (Tempo nach 57 Metern: 44  km/h)

100 km/h: 84 Meter
110 km/h: 99 Meter (Tempo nach 84 Metern: 49  km/h)

130 km/h: 134 Meter
140 km/h: 153 Meter (Tempo nach 134 Metern: 55  km/h)

Quelle: VCÖ 2014

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