VCÖ-Studie: Verkehrsverlagerung ist Konjunkturspritze und Jobmotor

VCÖ (Wien, am 6. November 2013) – Im Kampf gegen die wachsende Arbeitslosigkeit kann umweltfreundlicher Verkehr viel stärker beitragen als bisher angenommen, wie eine heute präsentierte VCÖ-Studie zeigt. In Österreich sichert energieeffiziente Mobilität so viele Arbeitsplätze wie der Pkw-Sektor. Die Beschäftigungswirkung des Autokaufs ist halb so groß wie beim durchschnittlichen privaten Konsum. Der VCÖ fordert eine umfassende Ökosteuerreform.

Die Verlagerung des Verkehrs auf Öffentlichen Verkehr, Radverkehr, Carsharing sowie die Forcierung der Elektromobilität wirkt sich nicht nur positiv auf Umwelt und Luftqualität aus, sondern schafft in Österreich auch zusätzliche Arbeitsplätze und stärkt die Wirtschaft, wie die VCÖ-Studie „Wirtschaft beleben durch nachhaltige Mobilität“ zeigt. Insgesamt werden in Österreich rund 200.000 Arbeitsplätze durch den Öffentlichen Verkehr, Fahrradwirtschaft, Carsharing und Telematik gesichert. Die Inlandnachfrage im Öffentlichen Verkehr und im Bahngüterverkehr erzeugt zumindest vpuier Prozent des Brutto-Inland-Produkts, das sind zwölf Milliarden Euro.

Durch den Kfz-Verkehr werden vergleichsweise wenige Arbeitsplätze geschaffen. Werden um eine Million Euro Produkte des Alltags gekauft, wie Lebensmittel, Kleidung oder Haushaltsgeräte, entstehen pro Million Euro 15 Arbeitsplätze. Werden um eine Million Euro Autos gekauft, bringt das nur acht Arbeitsplätze, also etwa halb so viel. Auch die Beschäftigungswirkung des Autobahnbaus wird überschätzt. Pro Milliarde Euro schafft der Bau von Radwegen und Fußgängerzonen um 55 Prozent mehr Arbeitsplätze als der Autobahnbau. Der Ausbau der Schiene und des städtischen Öffentlichen Verkehrs schafft je investierter Milliarde sogar um zwei Drittel mehr Jobs, macht der VCÖ aufmerksam.

Ein Grund für die geringe Beschäftigungswirkung des Kfz-Verkehrs ist seine große Erdölabhängigkeit und der hohe Spritverbrauch. Im Vergleich zu anderen Konsumausgaben schafft der Spritverbrauch wenige Arbeitsplätze. Laut „Cambridge Econometrics“ kann eine Verringerung der Treibstoffausgaben durch strengere CO2-Grenzwerte für Neuwagen um eine Milliarde Euro zwischen 8.500 bis 13.500 zusätzliche Arbeitsplätze in der EU schaffen.

Das sich ändernde Mobilitätsverhalten der Österreicherinnen und Österreicher hat noch einen weiteren ökonomischen Vorteil: Pkw verursachen pro 1.000 Personenkilometer etwa acht Mal so hohe externe Kosten wie die Bahn und doppelt so hohe externe Kosten wie der Bus. In Summe betragen die externen Kosten des Kfz-Verkehrs in Österreich exklusive der Staukosten 13,1 Milliarden Euro pro Jahr. Dem gegenüber standen im Vorjahr Einnahmen aus Verkehrssteuern und Mauten in der Höhe von acht Milliarden Euro.

„Wir haben heute die Freiheit, zwischen mehreren Verkehrsmitteln zu wählen, um mobil sein zu können. Immer mehr Menschen nutzen diese Freiheit und sind vielfältig mobil. Sie fahren auch mit dem Fahrrad, mit Öffis in der Stadt oder für längere Strecken mit der Bahn. Dieser Mobilitätswandel bringt einen mehrfachen Nutzen: Es wird die Umwelt geschont, die Luftqualität verbessert, klimafreundliche Mobilität ist für die Bevölkerung kostengünstiger als Autofahren und was bisher wenig bekannt war, die Verkehrsverlagerung auf klimafreundliche Mobilität schafft viele neue Arbeitsplätze und kurbelt die Wirtschaft an“, stellt VCÖ-Experte Gansterer fest.

Der VCÖ spricht sich für eine umfassende Ökosteuerreform aus, um die Effizienz des Verkehrs zu erhöhen. Aktuell hat Österreich laut OECD-Analyse hohe Steuern auf den Faktor Arbeit und niedrige Steuern auf Energie- und Ressourcenverbrauch. Bestehende umweltschädliche Förderungen und Begünstigungen sind abzuschaffen, dazu zählt unter anderem die Steuerbegünstigung auf Dieseltreibstoff, die fehlende Kerosinsteuer und die Steuervorteile für Firmenwagen. Zudem fordert der VCÖ ein dichteres Öffi-Netz und den Ausbau der Radwege im ländlichen Raum sowie Rad-Highways für Ballungsräume.

 

VCÖ: 200.000 Arbeitsplätze durch klimafreundliche Mobilität (Vollzeit-Arbeitsplätze in Österreich, direkt, indirekt und induzierte Beschäftigung)

Bahn: 87.000 Arbeitsplätze
Bus: 51.300 Arbeitsplätze
Bahnindustrie und Export: 20.000 Arbeitsplätze
Fahrradwirtschaft: 20.000 Arbeitsplätze
Taxi, Carsharing: 14.000 Arbeitsplätze
Telematik: 8.000 Arbeitsplätze

Quelle: Uni Graz, VCÖ 2013 


VCÖ: Bahninfrastruktur und Radwege schaffen mehr Jobs als Straßenbau (Vollzeit-Arbeitsplätze für ein Jahr je investierter Milliarde Euro)

Bahnhöfe: 18.100 Arbeitsplätze
Städtischer Öffentlicher Verkehr: 17.100 Arbeitsplätze
Bahnnetz: 17.000 Arbeitsplätze
Radwege, Fußgängerzonen, Verkehrsberuhigung: 16.600 Arbeitsplätze
Niederrangige Straßen: 12.700 Arbeitsplätze
Autobahnen, Schnellstraßen: 10.600 Arbeitsplätze

Quelle: WIFO, VCÖ 2013

VCÖ: Investitionen in Fahrzeuge haben geringste Beschäftigungswirkung

Neue Arbeitsplätze je 1 Million investierter Euro:
Investitionen in Wohnbau: 18 Arbeitsplätze
Privater Konsum: 15 Arbeitsplätze
Investitionen in Pkw: 8 Arbeitsplätze

Quelle: Joanneum Research, VCÖ 2013

Link: VCÖ-Studie

Zurück zur Übersicht