VCÖ-Studie: Regionen brauchen besseres Öffi-Angebot, sonst droht vielen Mobilitätsarmut - 08.08.2013

Eine heute präsentierte VCÖ-Studie schlägt hinsichtlich der Mobilitätsversorgung im ländlichen Raum Alarm. Jede 3. Bezirkshauptstadt ist schlecht mit der Bahn erreichbar. Auch das Busangebot ist vielfach mangelhaft. Der VCÖ fordert ein dichteres Bahn- und Busnetz in den Regionen mit häufigeren Verbindungen. Zudem ist die Zersiedelung zu stoppen, Gemeindekooperationen sind stärker zu fördern. 

Die Mobilität im ländlichen Raum ist von Auto-Abhängigkeit geprägt. Aufgrund von Zersiedelung, fehlender Nahversorgung und mangelnden Arbeitsplätzen müssen längere Distanzen zurückgelegt werden. Gleichzeitig ist das Angebot des Öffentlichen Verkehrs häufig mangelhaft“, betont VCÖ-Experte Mag. Markus Gansterer. Die VCÖ-Studie „Zukunft der Mobilität in der Region“ kommt zum Schluss, dass Österreichs Regionen rasch ein besseres Mobilitätsangebot brauchen.

4,8 Millionen Menschen leben in ländlichen Regionen. Je geringer die Siedlungsdichte, umso höher ist die Abhängigkeit vom Auto. In Gemeinden mit geringer Siedlungsdichte fahren 45 Prozent täglich mit dem Auto, in Orten mit hoher Siedlungsdichte sind es nur 27 Prozent. Dagegen fährt in dicht besiedelten Gebieten jeder 3. täglich mit öffentlichen Verkehrsmitteln, in dünn besiedelten Regionen nur eine von 15 Personen.

Die Bezirkshauptstädte spielen als regionale Zentren eine große Rolle. Der VCÖ hat das öffentliche Verkehrsangebot von allen 76 Bezirkshauptstädten mit weniger als 60.000 Einwohnern untersucht. Die Unterschiede sind enorm. Sechs Bezirkshauptsstädte haben keine Bahnverbindung. Zehn Städte verfügen über weniger als 30 Bahnverbindungen pro Tag. 29 der 76 Bezirkshauptstädte haben keinen städtischen öffentlichen Verkehr. „Insgesamt ist jede 3. Bezirkshauptstadt nicht gut mit der Bahn erreichbar und nur in jede 4. Bezirkshauptstadt führen viele Buslinien. Österreich ist vom Ziel, dass jede Bezirkshauptstadt gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist, noch weit entfernt“, betont der VCÖ. Allein fünf von 18 besonders schlecht öffentlich erreichbaren Bezirkshauptstädten liegen im Burgenland, ebenfalls fünf in Niederösterreich und drei in Kärnten. 

Die VCÖ-Studie zeigt, dass 19 Bezirkshauptstädte mehr als 100 Bahnverbindungen pro Tag aufweisen, 17 haben mehr als 20 Buslinien. Gut öffentlich erreichbar sind u.a. Wiener Neustadt, St. Pölten, Baden, Mödling, Wels, Villach, Bludenz, Bregenz, Dornbirn und Feldkirch sowie Amstetten und Bruck an der Mur.

Pendlerinnen und Pendler brauchen besseres Bahn- und Bus-Angebot Studien belegen, dass Pendeln Stress verursacht und die Gesundheit der Beschäftigten beeinträchtigt. „Deshalb ist es wichtig, Unternehmensansiedlungen in der Region zu fördern und darauf zu achten, dass die Betriebe gut mit Bahn oder Bus erreichbar sind. Das verringert die Kosten für die Beschäftigten. Denn mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die Arbeit zu fahren ist deutlich günstiger als das Auto zu nehmen“, betont VCÖ-Experte Gansterer. Bei Vollkosten ist das Auto für Pendler je nach Distanz um das 4- bis 7-Fache teurer als der Öffentliche Verkehr. 

Welches Mobilitätsangebot für Jugendliche wichtig ist Das schlechte Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln führt zur Abhängigkeit der Jugendlichen vom Auto. Eine Abhängigkeit die teuer ist und oft zur Verschuldung führt. Der Autokauf ist mit 52 Prozent die häufigste Ursache für Verschuldung Jugendlicher. In den Bundesländern gibt es zunehmend vergünstigte Jugendtickets für den Öffentlichen Verkehr. „Die Ausweitung der Jugendtickets auf ganz Österreich sollte noch von der jetzigen Regierung in die Wege geleitet werden. Gleichzeitig ist das Angebot an Verbindungen massiv zu verbessern. Der günstigste Tarif nutzt nichts, wenn kein Bus oder Zug fährt“, betont VCÖ-Experte Gansterer. Neben der Ausweitung des Öffi-Angebots und der Modernisierung der Regionalbahnen soll es auch mehr Nachttaxis und Discobusse in den Regionen geben.

„Die Politik der Zersiedelung und Betriebsansiedelungen auf der Grünen Wiese haben die heutigen Problemen der Gemeinden und Regionen mitverursacht“, stellt VCÖ-Experte Gansterer fest. Der VCÖ fordert eine grundlegende Reform der Raumordnung. Die Zersiedelung ist zu stoppen, stattdessen sind kompakte Siedlungsstrukturen zu forcieren. Zentral ist zudem die Förderung von Gemeindekooperationen. „Die kommende Bundesregierung sollte gemeinsam mit Ländern und Gemeindevertretern einen Masterplan „Regionale Mobilität“ schaffen. Denn ohne grundlegende Änderung werden zahlreiche Menschen am Land von Mobilitätsarmut betroffen sein“, warnt VCÖ-Experte Gansterer.

 

VCÖ: Jede 3. Bezirkshauptstadt mit Bahn schlecht erreichbar Keine Bahnverbindung: 6 Bezirkshauptstädte Bis 30 Bahnverbindungen pro Tag: 10 Bezirkshauptstädte

31 bis 50 Bahnverbindungen pro Tag: 13 Bezirkshauptstädte

51 bis 100 Bahnverbindungen pro Tag: 28 Bezirkshauptstädte Mehr als 100 Bahnverbindungen pro Tag:19 Bezirkshauptstädte

Quelle: VCÖ 2013

 

VCÖ: Nur in jede vierte Bezirkshauptstadt führen viele Buslinien Mehr als 20 Buslinien in der Stadt: 17 Bezirkshauptstädte

16 – 20 Buslinien in der Stadt: 20 Bezirkshauptstädte

11 bis 15 Buslinien in der Stadt:22 Bezirkshauptstädte

6 bis 10 Buslinien in der Stadt:  10 Bezirkshauptstädte

5 oder weniger Buslinien in der Stadt:  7 Bezirkshauptstädte

Quelle: VCÖ 2013

 

VCÖ: Schlecht mit Öffentlichem Verkehr erreichbare Bezirkshauptstädte (Anzahl Zugverbindungen pro Tag / Anzahl Buslinien)

Rust: 0 / 3

Güssing: 0 /13

Waidhofen / Thaya: 0/20

Oberpullendorf: 0 / 17

Oberwart: 0 / 18

Zwettl: 0 / 32

Tamsweg: 14 / 11

Murau: 18 / 5

Rohrbach: 18 / 23

Hermagor: 21 / 4

Weitere Daten stellen wir auf Anfrage gerne zur Verfügung

Quelle: VCÖ 2013

 

VCÖ: Mit Öffentlichem Verkehr gut erreichbare Bezirkshauptstädte (Anzahl Zugverbindungen pro Tag / Anzahl Buslinien)

Wr. Neustadt: 473 / 28

St. Pölten: 395 / 45

Baden: 335 / 16

Mödling: 267 / 22

Wels: 224 / 44

Villach: 215 / 29

Amstetten: 200 / 23

Bregenz: 189/ 18

Bludenz: 176 / 9

Feldkirch: 166 / 20

Bruck / Mur: 163 /18

Weitere Daten stellen wir auf Anfrage gerne zur Verfügung

Quelle: VCÖ 2013

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