VCÖ-Studie: Ohne Mobilitätswende sind Energie- und Klimaziele nicht erreichbar - 03.06.2013

Der Verkehr steht vor dem größten Umbruch seit Beginn der Massenmotorisierung, wie die VCÖ-Studie „Mobilität und Transport 2025+“ zeigt. Durch Megatrends wie Urbanisierung, Digitalisierung und demografischer Wandel verlagert sich der Verkehr stärker vom Auto auf öffentliche Verkehrsmittel sowie Gehen und Rad fahren. Um die Klima- und die Energieziele zu erreichen, sind die mit dem Auto gefahrenen Kilometer bis zum Jahr 2030 um ein Drittel zu verringern. Das ist ohne umfangreiches Maßnahmenpaket nicht erreichbar, so der VCÖ.

„Der Verkehr steht vor gewaltigen Herausforderungen. Das EU-Klimaziel für das Jahr 2050 bedeutet, dass die Treibhausgas-Emissionen von Österreichs Verkehr um 77 Prozent zu verringern sind. Ohne Mobilitätswende ist das nicht erreichbar“, fasst VCÖ-Experte Mag. Markus Gansterer die neue VCÖ-Studie „Mobilität und Transport 2025+“ fest. Der Verkehrssektor emittierte im Jahr 2011 laut Umweltbundesamt 21,8 Millionen Tonnen Treibhausgase, bis zum Jahr 2050 ist eine Reduktion auf rund 5 Millionen Tonnen nötig. Der Pkw-Verkehr verursacht derzeit um ein Drittel mehr Treibhausgase als der Lkw-Verkehr.

Die VCÖ-Studie zeigt, dass dieses Ziel nur erreichbar ist, wenn die mit dem Pkw gefahrenen Kilometer bis zum Jahr 2050 von derzeit 74,4 auf 33 Milliarden Personenkilometer zurückgehen. Damit es im Interesse der Wirtschaft und des Wohlstandes der Bevölkerung keine radikalen Umbrüche braucht, ist als Zwischenziel für das Jahr 2030 eine Reduktion des Autoverkehrs auf 49 Milliarden Personenkilometer anzustreben. Dafür ist eine jährliche Reduktion der mit dem Auto gefahrenen Kilometer von durchschnittlich 2,1 Prozent nötig – trotz Bevölkerungswachstums. Im Zeitraum 2005 bis 2011 sind die mit dem Pkw gefahrenen Kilometer in Österreich im Schnitt um 0,9 Prozent pro Jahr gestiegen.

Beim Öffentlichen Verkehr ist eine Zunahme der Verkehrsleistung von derzeit 24,5 auf 37 Milliarden Personenkilometer im Jahr 2030 nötig, so die VCÖ-Studie. Dafür braucht es ein jährliches Wachstum von durchschnittlich 2,2 Prozent. Im Zeitraum 2005 bis 2011 nahmen die mit öffentlichen Verkehrsmitteln gefahrenen Kilometer im Schnitt um 1,8 Prozent pro Jahr zu.

Der VCÖ weist darauf hin, dass die gesellschaftlichen Megatrends, wie Urbanisierung, Digitalisierung und der Trend „nutzen statt besitzen“, den nötigen Mobilitätswandel begünstigen. Auch die Rahmenbedingungen wie steigende Energiepreise, knapper werdender Platz in den Städten und Budgetknappheit der öffentlichen Haushalte erfordern eine höhere Effizienz im Verkehr. Diese höhere Effizienz ist durch eine verkehrssparende Raumordnung, eine Stadtplanung der kurzen Wege sowie einer stärkeren Verlagerung des Pkw-Verkehrs auf öffentliche Verkehrsmittel sowie bei kurzen Wegen auf Gehen und Radfahren möglich. Der VCÖ weist darauf hin, dass durch das fehlende Verursacherprinzip der Pkw- und Lkw-Verkehr in Österreich externe Kosten von mehr als 12 Milliarden Euro pro Jahr verursacht. Kosten, für die derzeit die Allgemeinheit aufkommen muss.

Um den Verkehr auf Klimakurs zu bringen fordert der VCÖ eine Verkehrsplanung und Raumordung der kurzen Wege, ein dichteres öffentliches Verkehrsnetz mit einem bundesweiten Taktfahrplan, die stärkere Berücksichtigung des Verursacherprinzips im Kfz-Verkehr, strengere CO2-Grenzwerte für Neuwagen und die Verbesserung der Bedingungen zum Gehen und Radfahren.

Die VCÖ-Studie zeigt auch, welche Mobilitätstrends für die Zukunft absehbar sind. Die fünf wichtigsten Mobilitätstrends sind:

1. Unsere Mobilität wird vielfältiger und multimodaler
2. Intermodalität (Kombination mehrerer Verkehrsmittel auf einer Wegstrecke) wird selbstverständlich.
3. Nutzen statt besitzen: Carsharing wird stark zunehmen
4. Peak Auto wird erreicht: Für die Jugend ist das Auto kein Status Symbol mehr. Der Sättigungsgrad beim Auto ist in West- und Mitteleuropa erreicht.
5. Elektro-Mobilität gewinnt an Bedeutung: Das Ziel, die Erdölabhängigkeit des Verkehrs zu verringern, ist nur mit mehr Elektro-Mobilität möglich. Wie rasch die Zahl der E-Autos steigen wird, hängt auch von den CO2-Grenzwerten für Autohersteller ab. Aus Klimasicht machen E-Autos auf der Straße dann Sinn, wenn der Strom aus erneuerbarer Energie kommt.


VCÖ: Energie- und Klimaziele nur erreichbar, wenn weniger mit Auto gefahren wird
(Milliarden Personenkilometer mit Pkw pro Jahr)

Jahr 1980: 47,8 Mrd. Pkm
Jahr 1990: 55,7 Mrd. Pkm

Jahr 2000: 66,7 Mrd. Pkm
Jahr 2005: 70,6 Mrd. Pkm

Jahr 2010: 73,5 Mrd. Pkm
Jahr 2011: 74,4 Mrd. Pkm

Trendlinie 1 - Jahr 2030 (bei Wachstum 0,9 % pro Jahr): 88,3 Mrd. Pkm

Ziellinie* Jahr 2030 (Rückgang 2,1 % pro Jahr): 49,7 Mrd. Pkm
* um EU-Ziele für das Jahr 2050 zu erreichen
Quelle: bmvit, UBA, VCÖ 2013

VCÖ: Deutliche Zunahme beim Öffentlichen Verkehr erforderlich
(Milliarden Personenkilometer mit öffentlichen Verkehrsmitteln pro Jahr)

Jahr 1990: 19,7 Mrd. Pkm
Jahr 2000: 21,5 Mrd. Pkm

Jahr 2005: 22,1 Mrd. Pkm
Jahr 2010: 24,4 Mrd. Pkm
Jahr 2011: 24,5 Mrd. Pkm (Zunahme 2005 bis 2011: durchschnittlich 1,8 % pro Jahr)

Trendlinie Jahr 2030 (Wachstum 1,8 % pro Jahr): 34,3 Mrd. Pkm

Ziellinie* Jahr 2030 (Wachstum 2,2 % pro Jahr): 37,0 Mrd. Pkm
* um EU-Ziele für das Jahr 2050 zu erreichen
Quelle: bmvit, UBA, VCÖ 2013

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