VCÖ: Spritverbrauch von Neuwagen laut ICCT-Studie um 40 Prozent höher als angegeben!

VCÖ (Wien, 28. September 2015) – Autofahrer können sich beim Neuwagenkauf immer weniger auf die Verbrauchsangaben verlassen, kritisiert der VCÖ. Laut neuer Studie des Forschungsinstituts ICCT verbrauchen Neuwagen beim Fahren auf der Straße im Schnitt um 40 Prozent mehr Sprit als Herstellerangaben versprechen. Wer 15.000 Kilometer im Jahr fährt, hat dadurch zusätzliche Spritkosten von rund 300 Euro. Zudem sind dadurch die Neuwagen deutlich klimaschädlicher als die Herstellerangaben versprechen. Der VCÖ fordert umfassende Maßnahmen, damit die Autos auf der Straße das halten, was auf dem Papier versprochen wird.

Die heuer in den ersten acht Monaten in Österreich verkauften Neuwagen haben im Schnitt einen Verbrauch von 5,0 Liter pro 100 Kilometer und verursachen 125 Gramm CO2 pro Kilometer – aber nur auf dem Papier. „Beim Fahren auf der Straße verbrauchen die Neuwagen deutlich mehr Sprit und verursachen damit mehr klimaschädliches CO2 als die Herstellerangaben versprechen. Besonders ärgerlich ist, dass der tatsächliche Spritverbrauch immer stärker von den Herstellerangaben abweicht“, weist VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen auf die Ergebnisse der aktuellen ICCT-Studie hin.

Demnach verbrauchen Neuwagen in Europa im Schnitt um 40 Prozent mehr Sprit als die Herstellerangaben versprechen. Seit dem Jahr 2001 hat sich die Abweichung zwischen Normverbrauch und tatsächlichem Spritverbrauch verfünffacht! Für Österreich besonders relevant: Bei Diesel-Pkw ist die Abweichung höher als bei Benzin-Pkw. Von den heuer neu zu gelassenen Pkw fahren 57,9 Prozent mit Diesel, macht der VCÖ aufmerksam.

Wenn ein Neuwagen statt versprochenen fünf Liter pro 100 Kilometer sieben Liter verbraucht, dann ist das pro 100.000 Kilometer ein zusätzlicher Verbrauch von 2.000 Liter Sprit. Dieser Mehrverbrauch verursacht bei Benzin-Pkw zusätzlich 4.680 Kilogramm klimaschädliches CO2 und bei Diesel-Pkw sogar 5.320 Kilogramm CO2, da bei der Verbrennung von Diesel mehr CO2 entsteht. Für Autofahrer bedeutet der Mehrverbrauch bei aktuellen Preisen zusätzliche Spritkosten von 2.130 Euro bei Diesel und von 2.300 Euro bei Benzin pro 100.000 Kilometer, verdeutlicht der VCÖ.

Die Abweichung ist laut ICCT-Studie bei Premium-Fahrzeugen besonders hoch und bei allen großen Herstellern fest zu stellen. Und: Vor allem dann, wenn eine neue Modellserie auf den Markt kommt, gibt es einen sprunghaften Anstieg bei der Abweichung.

„Hier wird bewusst die Täuschung der Konsumentinnen und Konsumenten in Kauf genommen. Zusätzlich wird ein gesamtgesellschaftlicher Schaden verursacht, wenn die Autos mehr Schadstoffe und mehr klimaschädliches CO2 in die Luft blasen. Gerade in Hinblick auf die im Dezember in Paris stattfindende UN-Klimakonferenz sind rasche Schritte zu setzen, damit die Autos auf der Straße das halten, was auf dem Papier versprochen wird“, betont VCÖ-Expertin Rasmussen. Der VCÖ weist darauf hin, dass ICCT davon ausgeht, dass die Neuwagenflotte der EU statt der versprochenen 123 Gramm CO2 pro Kilometer mehr als 160 Gramm pro Kilometer emittiert.

Der VCÖ fordert, dass die Hersteller die Modelle mit starken Abweichungen zurückrufen und nachrüsten, damit die angegebenen Verbrauchs- und Schadstoffwerte eingehalten werden. Zudem sind die Fahrtests, bei denen der Normverbrauch und der CO2-Ausstoß festgestellt werden, den realen Fahrbedingungen auf der Straße anzupassen.

Link zur ICCT-Studie: http://www.theicct.org/laboratory-road-2015-update

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