VCÖ: Skandal bei Mitsubishi bestätigt, dass VW nur Spitze des Eisbergs war

VCÖ (Wien, 20. April  2016) – Sieben Monate nach VW hat nun auch Mitsubishi Manipulationen bei den Verbrauchs- und Emissionswerten zugegeben. Damit bestätigt sich, dass VW nur die Spitze des Eisbergs ist. Der VCÖ weist zudem darauf hin, dass Tests des deutschen Kraftfahrbundesamts bei 56 der 58 getesteten Fahrzeuge Abweichungen ergeben haben. Der VCÖ kritisiert, dass das Kraftfahrbundesamt die Ergebnisse noch immer nicht veröffentlicht hat. Die Folge des zu hohen Verbrauchs und der zum Teil massiv übererhöhten Emissionen: Gesundheits- und Umweltschäden.

Heute hat Mitsubishi bei einer Pressekonferenz in Tokio zugegeben, dass es bei 157.000 Fahrzeugen von Mitsubishi und bei 468.000 Fahrzeugen von Nissan Manipulationen beim Verbrauch der Fahrzeuge gab. „Es bestätigt sich damit, dass VW nur die Spitze des Eisbergs ist. Nun ist die Politik gefordert, umfassende Maßnahmen zu setzen“, stellt VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen fest. Der VCÖ weist darauf hin, dass im Vorjahr in Österreich 3.678 Pkw der Marke Mitsubishi neu zugelassen wurden und 7.213 Pkw der Marke Nissan.

Der VCÖ weist auf eine Studie des Forschungsinstituts ICCT aus dem vergangenen Herbst hin, wonach die Neuwagen in der EU bereits um 40 Prozent mehr Sprit verbrauchen als die Herstellerangaben versprechen. Seit dem Jahr 2001 hat sich die Abweichung zwischen Normverbrauch und tatsächlichem Spritverbrauch verfünffacht! Für Österreich besonders relevant: Bei Diesel-Pkw ist die Abweichung höher als bei Benzin-Pkw. In Österreich waren im Vorjahr 58,3 Prozent der Neuzulassungen Diesel-Pkw, im Jahr 2014 waren es 56,8 Prozent.

Seit dem Beginn des Dieselskandals mit dem Geständnis von VW, Motoren manipuliert zu haben sind sieben Monate vergangen. „In dieser Zeit haben viele Tests gezeigt, dass es auch bei anderen Herstellern auffallende Abweichungen sowohl beim Spritverbrauch als auch beim Schadstoffausstoß gibt“, erinnert VCÖ-Expertin Rasmussen. Unter anderem wurden in Frankreich zu hohe Schadstoffwerte bei Renault festgestellt. Tests des deutschen Kraftfahrbundesamts ergaben laut Medienberichten bei 56 von 58 Modellen auffallend überhöhte Stickoxid-Emissionen, in Belgien wurden bei Opel zu hohe Werte festgestellt. „Dass das deutsche Kraftfahrbundesamt die Ergebnisse ihrer Tests nach wie vor nicht veröffentlicht hat, wird zu Recht scharf kritisiert. Auch Österreich ist davon betroffen. Die Bevölkerung hat das Recht zu erfahren, welche Modelle wie starke Abweichungen aufweisen“, betont VCÖ-Expertin Rasmussen.

Die zu hohen Stickoxid-Emissionen führen zu Gesundheitsschäden. Besonders Stickstoffdioxid ist sehr gesundheitsschädlich. Stickstoffdioxid schädigt die Atemwege, kann zu Entzündungen und Bronchitis und bis zu Lungenödemen führen. Vor allem für Kinder, deren Lungen sich im Wachstum befinden, sind erhöhte Schadstoffmengen sehr gesundheitsschädlich. Ist über längere Zeit die Stickstoffdioxid-Belastung zu hoch, erhöht sich das Risiko für Herzerkrankungen bis hin zu Herzinfarkten. „In den vergangenen Jahren wurden in vielen Städten und entlang der Transitrouten der Jahresgrenzwert von Stickstoffdioxid überschritten. Hauptverursacher sind die Abgase der Dieselfahrzeuge. Dass ausgerechnet der gesundheitsschädlichere Dieseltreibstoff steuerlich begünstigt wird, ist einmal mehr unverständlich“, so VCÖ-Expertin Rasmussen. Trotz der höheren gesundheitsschädlichen Schadstoffe von Dieselabgasen ist in Österreich die Mineralölsteuer auf Diesel um 8,5 Cent pro Liter niedriger als auf Eurosuper.

Der VCÖ fordert neben einer umfassenden Aufklärung im Abgasskandal auch ein Maßnahmenpaket für saubere Mobilität, das neben dem Ausbau des Öffentlichen Verkehrs sowie der Infrastruktur zum Radfahren auch die Forcierung der Elektro-Mobilität beinhalten muss.

 

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