VCÖ: Schere zwischen Stadt und Land geht in der Mobilität zunehmend auseinander

VCÖ: Umweltfreundliches Mobilitätsangebot in den Regionen umfassend ausbauen und verbessern

Siedlungspolitik umfassend reformieren - Zersiedlung stoppen, Ortskerne stärken 

VCÖ (Wien, 16. Dezember 2016) – Die Schere zwischen Stadt und Land ist beim Mobilitätsverhalten in den vergangenen 20 Jahren stark auseinander gegangen, wie die heute vom Verkehrsministerium veröffentlichte Mobilitätserhebung zeigt. Infolge der Zersiedelung ist der Verkehrsaufwand in Österreich stark gestiegen. Um Österreichs Verkehr auf Klimakurs zu bringen, ist eine massive Verbesserung des Mobilitätsangebots in den Regionen nötig, betont der VCÖ.

Der Verkehrsaufwand ist in Österreich stark gestiegen. „Die Österreicherinnen und Österreicher müssen heute deutlich mehr Kilometer zurücklegen, um ihre Erledigungen im Alltag machen zu können als noch vor 20 Jahren. Zersiedelung, der Bau von Einkaufszentren und Supermärkten am Ortsrand und der damit einhergehende Niedergang der Nahversorgung haben ihre Spuren im Mobilitätsverhalten hinterlassen. So wird heute viel weniger zu Fuß gegangen als im Jahr 1995“, stellt VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen zur heute vom bmvit präsentierten Mobilitätserhebung fest. Im Schnitt legt eine Person in peripheren Bezirken 50 Kilometer pro Tag zurück, in den großen Städten Österreichs 35 Kilometer und in Wien 33 Kilometer pro Tag.

Heute werden pro Werktag um 33 Prozent mehr Kilometer in Österreich zurückgelegt als im Jahr 1995. Die mit dem Auto gefahrenen Kilometer sind um 37 Prozent gestiegen, die mit den Bahnen gefahrenen Kilometer um 49 Prozent, mit den anderen öffentlichen Verkehrsmitteln um 15 Prozent und die mit dem Fahrrad im Alltag gefahrenen Kilometer haben sich mehr als verdoppelt (plus 135 Prozent).

Größten Handlungsbedarf sieht der VCÖ beim Mobilitätsangebot in den Regionen. In den peripheren Bezirken hat jeder fünfte keine Haltestelle des Öffentlichen Verkehrs in fußläufiger Distanz. Zudem ist die Zahl der angebotenen Verbindungen meist gering. „Die Siedlungsstruktur in Kombination mit fehlendem öffentlichen Verkehrsangebot sowie mangelnder Infrastruktur zum Gehen und Radfahren verursachte in der Region die Autoabhängigkeit, die dazu führt, dass Mobilität nicht nur ein Umwelt-, sondern auch ein soziales Problem ist“, fordert VCÖ-Expertin Rasmussen eine massive Verbesserung des umweltfreundlichen Mobilitätsangebots in den Regionen: „Nicht nur den Städten, sondern auch der Bevölkerung in den Regionen ist Freiheit in der Verkehrsmittelwahl zu gewährleisten.“

Ein weiteres Ergebnis der Mobilitätserhebung. „Wer Straßen ausbaut, wird mehr Kfz-Verkehr ernten.“ In Österreich ist das Netz an Autobahnen und Schnellstraßen von rund 1.850 Kilometer im Jahr 1995 auf rund 2.210 Kilometer angewachsen, davon sind bereits 356 Kilometer in eine Fahrtrichtung drei- oder vierspurig. Das gesamte Straßennetz ist von rund 105.000 auf bereits 133.500 Kilometer ausgebaut worden.

„Ohne umfassende Verbesserung des klimafreundlichen Mobilitätsangebots und grundlegende Reformen in der Siedlungspolitik kann Österreich seine Klima- und Energieziele nicht erreichen“, stellt VCÖ-Expertin Rasmussen fest.

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