VCÖ: Schaden durch zusätzliche Schadstoffbelastung rasch erheben

VCÖ (Wien, 30. September 2015) – Laut VW sind in Österreich 363.400 manipulierte Diesel-Pkw verkauft worden. Betroffen sind Pkw von VW, Audi, Seat und Skoda der Baujahre 2009 bis 2014. Der VCÖ fordert eine Prüfung, ob für manipulierte Diesel-Pkw eine so genannte „Ökoprämie“ bezahlt wurde. Wenn ja, ist der Hersteller zu verpflichten, den Betrag an die Republik Österreich zurückzuzahlen. Zudem fordert der VCÖ eine rasche Erhebung, wie viele Schadstoffe durch die Manipulation zusätzlich in die Luft gelangt sind.

Mehr als 360.000 manipulierte Diesel-Pkw wurden in Österreich verkauft. Betroffen sind Modelle der Baujahre 2009 und 2014, im Detail sind es 180.500 VW Pkw, 24.400 VW Nutzfahrzeuge, 72.500 Audi, 31.700 Seat und 54.300 Skoda. „Österreich hat zwischen April und Juni 2009 eine so genannte Ökoprämie für die Anschaffung neuen Autos bezahlt. Es ist rasch zu prüfen, ob auch manipulierte Diesel-Pkw eine „Ökoprämie“ erhalten haben. Wenn ja, dann sollte der Hersteller diesen Betrag unverzüglich an die Republik Österreich zurück überweisen“, stellt VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen fest.

Wichtig ist zudem, dass rasch erhoben wird, wie groß die Schadstoffmenge ist, die durch die Manipulation zusätzlich in die Luft gelangt ist. Fahrzeuge der Baujahre 2009 haben nun bereits sechs Jahre lang die Luft mit deutlich mehr gesundheitsschädlichen Stickoxiden verschmutzt als der Grenzwert vorschreibt. Der VCÖ weist darauf hin, dass in den vergangenen Jahren in Österreich an zahlreichen verkehrsnahen Messstellen der Grenzwert für Stickstoffdioxid überschritten wurde. In der Folge mussten dann Bundesländer Maßnahmen zur Einhaltung der Grenzwerte im Sinne vom Immissionsschutzgesetz Luft umsetzen.

Hauptverursacher für die Stickoxid-Emissionen NOx (Stickstoffmonoxid und Stickstoffdioxid) ist der Verkehr und hier wiederum die Dieselfahrzeuge. Besonders gesundheitsschädlich ist Stickstoffdioxid, wie unter anderem auch die Weltgesundheitsorganisation WHO warnt. Dieses Reizgas schädigt die Lungenfunktion und die Atemwege. Asthma und Bronchitis können die Folge sein. Auf kindliche Atemwege sind die Auswirkungen einer chronischen Belastung besonders stark: Verzögerungen des Lungenwachstums haben Folgen bis ins Erwachsenenalter. Zudem sind auch ältere Menschen besonders betroffen. Ist über längere Zeit die Belastung hoch, nimmt die Zahl von Herzinfarkten zu.

Der VCÖ macht darauf aufmerksam, dass die Schadstoffe des Verkehrs dort in die Luft gelangen, wo viele Menschen unterwegs sind und wo Menschen wohnen. Gerade entlang stark befahrener Straßen, wie Stadteinfahrten (z.B. Wien Hietzinger Kai) wurde in der Vergangenheit die Bevölkerung einer höheren Schadstoffbelastung ausgesetzt als der Grenzwert vorschreibt. „Wir atmen täglich 12.000 bis 15.000 Liter Luft. Die Luft ist unser wichtigstes Lebensmittel. Durch die Manipulation der Dieselfahrzeuge wurde die Schädigung der Gesundheit der Bevölkerung in Kauf genommen“, fordert VCÖ-Expertin Rasmussen umfassende Konsequenzen. Besonders hoch ist die Schadstoffbelastung auch direkt auf der Straße: Autos stehen im städtischen Früh- und Abendverkehr regelrecht in einer Schadstoffwolke.

 

VCÖ: Bei vielen Messstationen war gesundheitsschädliche Stickstoffdioxid-Belastung zu hoch
(Grenzwert für Jahresmittelbelastung: 30 Mikrogramm / Kubikmeter Luft (plus 5 Mikrogramm Toleranzgrenze), im Jahr  2014 )

Vomp Raststätte A 12: 57 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter Luft
Stadt Salzburg A1: 51
Stadt Salzburg Rudolfsplatz: 50
Wien Hietzinger Kai: 49
Hallein A10: 49
Kundl A12: 48
Linz Römerbergtunnel: 46
Feldkirch Bärenkreuzung: 46
Enns Kristein: 45
Graz Don Bosco: 44
Lustenau Zollamt: 43
Mutters / Gärberbach A13: 43
Lienz Amlacherkreuzung: 39
Hallein B159: 39
Wien Taborstraße: 38
Höchst Gemeindeamt: 38
Innsbruck Fallmerayerstraße: 38
Imst A12: 36
Hall (bei Sportplatz): 36

Knapp unter dem Grenzwert

Vomp (An der Leithen): 35
Zederhaus: 35
Wien A23 Wehlistraße: 35
St. Pölten (verkehrsnah): 32
Linz 24er Turm: 32
Klagenfurt Nordumfahrung A2: 32
Graz Mitte: 31
Wien Belgradplatz: 31
Klagenfurt Völkermarkterstraße: 31

Quelle: Bundesländer, VCÖ 2015

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