VCÖ: Sanierungskosten für Landesstraßen erhöhen sich in Zukunft massiv

VCÖ (Wien, 4. April 2014) – Österreich hat knapp mehr als 110.000km Landes- und Gemeindestraßen. Der VCÖ weist darauf hin, dass viele Straßen in den kommenden Jahren eine Generalsanierung benötigen. Auf die Länder und Gemeinden kommt eine Kostenlawine zu. Die schweren Lkw nützen die Straßen 35.000 Mal stärker ab als Pkw. Der VCÖ kritisiert, dass der Lkw-Verkehr derzeit für die von ihm verursachten Straßenschäden nicht aufkommt. Der VCÖ unterstützt daher die Forderung der Bundesländer nach Ausweitung der Lkw-Maut. Die Einnahmen sollen auch der Bevölkerung in der Region zugute kommen und auch für den Ausbau des Öffentlichen Verkehrs in den Regionen verwendet werden.

In Österreich gibt es rund 33.700 Kilometer Landesstraßen und fast 79.000 Kilometer Gemeindestraßen, macht der VCÖ aufmerksam. Der Großteil der Gemeindestraßen wurde in den Jahren 1950 bis 1980 errichtet, die Landesstraßen zwischen 1960 und 1990. „Viele Straßen werden in den kommenden Jahren eine Generalsanierung benötigen. Auf Gemeinden und Länder wird eine Kostenlawine zukommen. Es ist für die Verkehrssicherheit wichtig, dass die Bundesländer die Landesstraßen sanieren können. Straßen voller Schlaglöcher sind für Autofahrer und insbesondere für Moped- und Motorradfahrer ein Sicherheitsrisiko“, macht VCÖ-Experte Mag. Markus Gansterer aufmerksam.

Für die Sanierung eines Kilometers Landesstraße wurden im Zeitraum 2006 und 2011 im Schnitt 5.000 bis 5.600 Euro pro Jahr ausgegeben. Bis zum Jahr 2020 werden die Kosten um rund ein Viertel auf 6.200 bis 7.100 Euro pro Kilometer und Jahr steigen. Und damit kann lediglich erreicht werden, dass der Anteil der Straßen in schlechtem Zustand nicht erhöht wird, verweist der VCÖ auf einen aktuellen Rechnungshofbericht für Kärnten, Salzburg und Tirol.

Im Jahr 2012 haben Österreichs Gemeinden (ohne Wien) 1,04 Milliarden Euro für Bau und Erhalt von Gemeindestraßen ausgegeben, 90 Prozent davon flossen in den Erhalt des Straßennetzes. Nur 687 Millionen Euro sind durch Einnahmen gedeckt. Der VCÖ weist auf das Beispiel der Schweiz hin, wo die Lkw bereits seit dem Jahr 2001 auf allen Straßen Maut bezahlen. Zusätzlich wird in der Schweiz im Unterschied zu Österreich der Treibstoff der Lkw - Diesel - gleich hoch besteuert wie Benzin.

Der VCÖ betont, dass der Großteil der Straßenschäden vom Lkw-Verkehr verursacht wird. Doch derzeit zahlt der Lkw-Verkehr nicht für die verursachten Schäden.

Der VCÖ unterstützt daher die Forderung der Bundesländer nach Ausweitung der Lkw-Maut. Abzüglich der Betriebskosten kann mit rund 400 Millionen Euro pro Jahr an Nettoeinnahmen gerechnet werden. Von den Einnahmen sollen die Regionen profitieren: Wie in der Schweiz sollen die Einnahmen aus der Lkw-Maut neben der Straßensanierung auch für die Verbesserung des Öffentlichen Verkehrs verwendet werden. „Die Menschen in der Region brauchen mehr Bahn- und Busverbindungen. Gerade Pendlerinnen und Pendler ersparen sich viel Geld, wenn sie mit Bahn oder Bus statt dem eigenen Auto zur Arbeit fahren können“, betont VCÖ-Experte Gansterer.

Positive Erfahrungen mit der Lkw-Maut: Die Lkw-Maut auf Autobahnen und Schnellstraßen wurde in Österreich im Jahr 2004 eingeführt. Dadurch erhöhte sich die Effizienz des Gütertransports, die Leerfahrten haben sich verringert, die durchschnittliche Ladung pro Lkw nahm zu. Deshalb haben sich die Produktpreise durch die Lkw-Maut um nur 0,2 Prozent erhöht.

Weitere Informationen im VCÖ-Factsheet "Lkw-Maut in Österreich ausweiten"

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