VCÖ: Realer Spritverbrauch von Österreichs Dieselflotte seit 2004 kaum verändert

VCÖ (Wien, 4. November 2015) – Laut VW weisen rund 800.000 Fahrzeuge falsche CO2-Werte auf. Aber nicht nur bei VW weichen die tatsächlichen CO2-Emissionen von den Herstellerangaben stark ab. Laut ICCT-Studie verbrauchen Neuwagen beim Fahren auf der Straße im Schnitt bereits um 40 Prozent mehr Sprit und verursachen damit auch um 40 Prozent mehr CO2-Emissionen als die Herstellerangaben versprechen. Der VCÖ weist darauf hin, dass sich der reale Spritverbrauch von Österreichs Dieselflotte seit dem Jahr 2004 kaum verändert hat. Der VCÖ fordert, dass die Behörden in der EU und in Österreich die CO2-Angaben aller Hersteller einer genauen Kontrolle unterziehen.

VW spricht von 800.000 Fahrzeugen, die „Unregelmäßigkeiten“ bei den CO2-Werten aufweisen. Betroffen seien überwiegend Diesel-Pkw. Höhere CO2-Werte sind die Folge eines höheren Spritverbrauchs – zum Schaden der Umwelt und der Konsumentinnen und Konsumenten. „VW bestätigt als erster Konzern die jahrelange Kritik von Forschungsinstituten und NGOs an der zunehmenden Abweichung des realen Spritverbrauchs von den Herstellerangaben. Die Abweichungen wurden nicht nur bei VW festgestellt. Jetzt ist die Politik gefordert, umfassende Maßnahmen zu setzen, damit der reale Verbrauch wieder dem entspricht, was die Hersteller versprechen“, betont VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen.

Laut Studie des Forschungsinstituts ICCT betrug im Jahr 2001 bei den Neuwagen die Abweichung des realen Spritverbrauchs vom Normverbrauch acht Prozent, im Jahr 2014 verbrauchten die Fahrzeuge beim Fahren bereits um 40 Prozent mehr Sprit als die Herstellerangaben versprachen. Damit hat sich die Abweichung seit dem Jahr 2001 verfünffacht, kritisiert der VCÖ.

Wenn ein Neuwagen statt versprochenen fünf Litern pro 100 Kilometer um 40 Prozent mehr verbraucht, dann ist das pro 100.000 Kilometer ein zusätzlicher Verbrauch von 2.000 Liter Sprit. Dieser Mehrverbrauch verursacht bei Benzin-Pkw zusätzlich 4.680 Kilogramm klimaschädliches CO2 und bei Diesel-Pkw sogar 5.320 Kilogramm CO2, da bei der Verbrennung von einem Liter Diesel mehr CO2 entsteht. Für Autofahrer bedeutet der Mehrverbrauch bei aktuellen Preisen zusätzliche Spritkosten von mehr als 2.000 Euro pro 100.000 Kilometer, verdeutlicht der VCÖ.

Dass die Neuwagen beim Fahren auf der Straße offenbar nicht das halten, was die Herstellerangaben versprechen, ist auch in Österreich sichtbar. Der reale Spritverbrauch der Diesel-Pkw von Österreichs Haushalten hat sich zwischen 2004 und 2012 (aktuellster Wert) nicht verändert, macht der VCÖ aufmerksam. Im Jahr 2012 verbrauchten die Diesel-Pkw laut Statistik Austria im Schnitt 6,8 Liter pro 100 Kilometer und damit gleich viel wie im Jahr 2004. Das ist auffallend, weil im gleichen Zeitraum laut Herstellerangaben der Spritverbrauch der in Österreich neuzugelassenen Diesel-Pkw um 13,3 Prozent von 6 Liter auf 5,2 Liter pro 100 Kilometer zurückging. Und zwischen 2004 und 2011 wurden in Österreich 1,45 Millionen Diesel-Pkw neu zugelassen.

„Die immer stärker werdende Abweichung des realen Spritverbrauchs von den Herstellerangaben ist eine Täuschung der Konsumentinnen und Konsumenten. Zusätzlich wird ein gesamtgesellschaftlicher Schaden verursacht, wenn die Autos mehr gesundheitsgefährdende Schadstoffe und mehr klimaschädliches CO2 in die Luft blasen. Es braucht klarere gesetzliche Vorgaben und strengere Kontrollen, damit die Autos auf der Straße das halten, was auf dem Papier versprochen wird“, fordert VCÖ-Expertin Rasmussen Konsequenzen in der EU und in Österreich. 

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