VCÖ: Österreichs Haushalte verabschieden sich beim Neuwagenkauf vom Diesel – Zwei Drittel der Diesel-Pkw werden von Firmen gekauft

VCÖ (Wien, 13. Dezember 2017) – Private Haushalte entscheiden sich beim Neuwagenkauf immer häufiger gegen Diesel, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse zeigt. Der Diesel-Anteil bei den von den Haushalten gekauften Neuwagen ist von 46,6 Prozent im Jänner auf 33,7 Prozent im November gesunken. Der VCÖ weist darauf hin, dass heuer bereits zwei Drittel der neuen Diesel-Pkw auf „juristische Personen“, also auf Firmen und Organisationen zugelassen wurden. Der Diesel-Anteil ist bei großen SUV und Modellen der Oberklasse mit über 80 Prozent achtmal so hoch wie bei Kleinwagen. Der VCÖ fordert die Abschaffung der Steuerbegünstigung von Diesel-Treibstoff.

Nur mehr ein Drittel der neuzugelassenen Diesel-Pkw wurde heuer von privaten Haushalten gekauft, macht der VCÖ aufmerksam. Zwei Drittel der Diesel-Pkw wurde auf „juristische Personen“, also Firmen und Organisationen zugelassen. Insgesamt wurden heuer 137.621 Neuwagen von privaten Haushalten gekauft, davon waren 53.766 Diesel-Pkw, das ist ein Anteil von 39,1 Prozent. Seit Jahresanfang wurden in Österreich in Summe 162.533 Diesel-Autos neu zugelassen, davon 108.767 auf juristische Personen.

„Aufgrund des hohen Anteils bei den Firmenwagen kommen heuer  mehr Diesel- als Benzin-Pkw auf den Markt. Das wird heuer wohl das letzte Mal sein“, stellt VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen fest. Die VCÖ-Analyse zeigt, dass es in Österreich bereits zahlreiche Bezirke gibt, wo der Dieselmotor in der Minderheit ist. Österreichs Bezirk mit dem niedrigsten Diesel-Anteil bei den Neuwagen ist Wien-Liesing mit nur 28 Prozent, und davon wurden 88 Prozent auf Firmen und Organisationen zugelassen. Am zweitniedrigsten ist der Diesel-Anteil in Wien-Währing mit rund 31 Prozent gefolgt von den Bezirken Gänserndorf und Braunau mit rund 38 Prozent. Am höchsten ist der Diesel-Anteil im Bezirk Reutte mit 67 Prozent, davon wurden 89 Prozent auf Firmen und Organisationen zugelassen.

„Der Dieselboom der vergangenen 25 Jahre hat Österreich dem Klimaziel keinen Meter näher gebracht, aber große Probleme mit Luftverschmutzung durch Stickoxide beschert. Die Steuerbegünstigung für Diesel ist ein Fehler aus der Vergangenheit, der rasch korrigiert werden sollte“, betont VCÖ-Expertin Rasmussen. In Deutschland haben sich in den vergangenen Tagen unter anderem VW-Chef Matthias Müller und der Bundesrechnungshof für ein Ende der Steuerbegünstigung von Diesel ausgesprochen.

Von der niedrigen Dieselbesteuerung profitieren die Käufer der großen und teuren Automodelle am meisten. So fahren 86 Prozent der neuzugelassenen Modelle der Oberklasse (zB Mercedes E) mit Diesel sowie 82 Prozent der großen SUV (zB VW-Touareg), während nur rund elf Prozent der Kleinwagen (zB Skoda Fabia) mit Diesel fahren, macht der VCÖ aufmerksam.

Infolge des Diesel-Skandals wurde bekannt, dass Diesel-Pkw beim Fahren auf der Straße im Schnitt ein Vielfaches an Stickoxiden ausstoßen als beim Abgastest im Labor. So funktioniert die Abgasreinigung nur bei Laborbedingungen optimal. Jetzt in der kalten Jahreszeit funktioniert die Abgasreinigung zahlreicher Diesel-Autos nur mangelhaft oder gar nicht, wodurch derzeit die Luft noch stärker verschmutzt wird. Zudem zeigen Studien, wie etwa vom Umweltbundesamt und vom Forschungsinstitut ICCT, dass der reale Spritverbrauch sehr stark von den Herstellerangaben abweichen, bei Diesel-Pkw stärker als bei Benzin-Pkw.

VCÖ: Nur ein Drittel der Diesel-Pkw auf private Haushalte neuzugelassen
(Neuzugelassene Diesel-Pkw 1.1. bis 30.11. 2017 )
Private Haushalte: 33,1 Prozent (53.766 Diesel-Pkw)
Juristische Personen: 66,9 Prozent (108.767 Diesel-Pkw)
Summe: 100 Prozent (162.533 Diesel-Pkw)
Quelle: Datafact, VCÖ 2017 

VCÖ: Hoher Diesel-Anteil bei Kleinbus, Oberklasse und großen SUV – Kaum Diesel bei Kleinwagen und Sportwagen
(Anteil Diesel-Pkw an neuzugelassenen Fahrzeugsegmenten – 1.1. bis 30.11. 2017)
Kleinbus: 90,3 Prozent fahren mit Diesel
Oberklasse: 86,2 Prozent fahren mit Diesel
Große SUV: 82,2 Prozent
Van: 63,2 Prozent
Luxusklasse: 60,2 Prozent
Kompakt SUV: 59,4 Prozent
Mittelklasse: 55,3 Prozent
Kleinwagen: 10,9 Prozent
Sportwagen: 10,6 Prozent
Quelle: Datafact, VCÖ 2017 

VCÖ: Wien-Liesing hat niedrigsten Diesel-Pkw Anteil Österreichs
(Anteil Diesel an Pkw-Neuzulassungen 1.1. – 30.11.2017)
Wien-Liesing: 28,0 Prozent
Wien-Währing:31,3 Prozent
Bezirk Gänserndorf: 38,1 Prozent
Bezirk Braunau/Inn: 38,4 Prozent
Wien-Hietzing: 39,3 Prozent
Wien-Döbling: 39,6 Prozent
Bezirk Vöcklabruck: 39,7 Prozent
Wien Ottakring: 40,3 Prozent
Bezirk Baden: 41,2 Prozent
Bezirk Steyr-Land: 42,3 Prozent
Bezirk Tulln: 43,1 Prozent
Wien-Floridsdorf: 43,2 Prozent
Bezirk Mattersburg: 43,4 Prozent
Wien-Hernals: 43,7 Prozent
Bezirk Neunkirchen: 43,8 Prozent
Quelle: Datafact, VCÖ 2017 

VCÖ: Höchster Diesel-Anteil im Bezirk Reutte
(Anteil Diesel an Pkw-Neuzulassungen 1.1. – 30.11.2017 – in Klammer Anteil „juristische Personen“ (Firmen usw.))
Bezirk Reutte: 67,1 Prozent (davon 88,9 Prozent auf „juristische Personen“ angemeldet)
Wien-Leopoldstadt: 63,4 Prozent (76,3 Prozent)
Wien-Wieden: 62,9 Prozent (74,6 Prozent)
Schwechat: 62,5 Prozent (72,3 Prozent)
Wien-Meidling: 61,2 Prozent (86,2 Prozent)
Wien-Neubau: 59,4 Prozent (71,1 Prozent)
Wien-Simmering: 59,2 Prozent (85,5 Prozent)
Steyr-Stadt: 58,6 Prozent (76,0 Prozent)
Bezirk Güssing: 58,6 Prozent (63,1 Prozent)
Stadt Salzburg: 58,1 Prozent (90,1 Prozent)
Quelle: Datafact, VCÖ 2017

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