VCÖ: Österreichs beste Unfallbilanz von 430 Verkehrstoten überschattet

VCÖ (Wien, 1. Jänner 2015) – Im Vorjahr gab es in Österreich so wenige Verkehrstote wie noch nie. Doch 430 Todesopfer trüben die beste Unfallbilanz, stellt der VCÖ fest. Zudem nahm in fünf Bundesländern die Zahl der tödlichen Verkehrsunfälle zu. Der VCÖ fordert eine Erweiterung des Vormerksystems um Handy am Steuer, ein dichteres öffentliches Verkehrsnetz und fußgängerfreundliche Ortsgebiete.

Zum zweiten Mal in Folge gab es in Österreich im Vorjahr weniger als 500 Verkehrstote. 430 Menschen verunglückten bei Verkehrsunfällen im Jahr 2014 tödlich, so wenige wie noch nie seit Bestehen der Unfallstatistik. „Aber der Blutzoll auf Österreichs Straßen ist nach wie vor sehr hoch. Viel zu viele verloren einen Angehörigen, einen Freund oder Arbeitskollegen“, erinnert VCÖ-Expertin DI Bettina Urbanek an das durch Verkehrsunfälle verursachte Leid. 

Der VCÖ weist darauf hin, dass nur in vier Bundesländern die Zahl der tödlichen Verkehrsunfälle zurückging: In Oberösterreich, Kärnten, Salzburg und Tirol. In den anderen Bundesländern nahm die Zahl der Verkehrstoten zu, am stärksten in der Steiermark. Und im 1. Halbjahr gab es mit 238 Todesopfern um ein Viertel mehr  Verkehrstote als im 1. Halbjahr 2013. Vor allem im zweiten Halbjahr ist die Zahl der tödlichen Verkehrsunfälle massiv zurückgegangen. „In den vergangenen Jahren gab es im zweiten Halbjahr immer mehr tödliche Verkehrsunfälle als im ersten Halbjahr. Heuer war es genau umgekehrt. Durch das schlechte Wetter im Juli und August gab es in diesen Monaten unter anderem deutlich weniger tödliche Motorradunfälle“, macht VCÖ-Expertin Urbanek aufmerksam.

Auch der EU-Vergleich zeigt, dass die Verkehrssicherheit in Österreich noch deutlich erhöht werden kann. Der VCÖ fordert verstärkte Maßnahmen für die schwächeren Verkehrsteilnehmer. 75 Fußgängerinnen und Fußgänger kamen im Vorjahr im Straßenverkehr ums Leben. Entlang von Freilandstraßen soll es zumindest als Verbindung zwischen einer Siedlung und dem nächstgelegenen Ortszentrum einen Geh- und Radweg geben. In den Ortsgebieten ist mit einer fußgängerfreundlichen Verkehrsplanung die Sicherheit insbesondere für ältere Fußgänger und für Kinder zu erhöhen.

Zudem fordert der VCÖ eine Erweiterung des Vormerksystems um Handy am Steuer. Denn die mangelnde Aufmerksamkeit und Ablenkung durch die Benutzung von Smartphones während des Autolenkens ist eine wachsende Unfallgefahr. „Wer mit dem Handy am Ohr telefoniert, reagiert ähnlich langsam wie ein Alkolenker mit 0,8 Promille“, macht VCÖ-Expertin Urbanek aufmerksam. In bereits 12 EU Staaten ist Handy am Steuer eine Delikt im Vormerksystem bzw. Punkteführerschein.

Zentral für eine sichere Mobilität ist auch ein dichtes Öffentliches Verkehrsnetz. Der VCÖ sieht nicht nur in den Ballungsräumen Aufholbedarf, sondern auch im ländlichen Raum. „Wer gute öffentliche Verkehrsverbindungen in der Nähe hat, ist nicht nur kostengünstiger mobil sondern auch um ein Vielfaches sichererer unterwegs. Deshalb braucht es ein dichteres öffentliches Verkehrsnetz mit häufigeren Verbindungen auch abseits der Hauptstrecken. Für die Verkehrssicherheit von Jugendlichen und jungen Menschen sind auch Nachtbusse zentral“, betont VCÖ-Expertin Urbanek. Der VCÖ fordert, dass ein Teil der Einnahmen aus den Verkehrsstrafen für die Unterstützung zusätzlicher Nacht- und Discobusse verwendet werden.

 

VCÖ: Trotz Rückgang hohe Anzahl an Todesopfer durch Straßenverkehr (Anzahl Verkehrstote in Österreich)

 

Jahr 2014 (vorläufig): 430 Verkehrstote

Gesamtjahr 2013: 455

Gesamtjahr 2012: 531

Gesamtjahr 2011: 523

Gesamtjahr 2010: 552

Gesamtjahr 2009: 633

Gesamtjahr 2008: 679

Gesamtjahr 2007: 691

Gesamtjahr 2006: 730

Gesamtjahr 2005: 768

Quelle: BMI (Jahr 2014), Statistik Austria (2005-2013), VCÖ 2015

 

VCÖ: Die meisten Verkehrstoten in Niederösterreich (Verkehrstote 2014 (vorläufige Daten), in Klammer endgültige Daten 2013)

 

Niederösterreich: 121 (112)

Steiermark: 86 (73)

 

Oberösterreich: 75 (99)

Tirol: 30 (46)

Salzburg: 27 (36)

Kärnten: 26 (41)

Burgenland: 22 (17)

Vorarlberg: 22 (14)

Wien: 21 (17)

Quelle: BMI (Jahr 2014), Statistik Austria (Jahr 2013), VCÖ 2015

Zurück zur Übersicht