VCÖ: Österreich steuert auf niedrigste Anzahl an Verkehrstoten zu – aber heuer bereits 398 Todesopfer

VCÖ: Schweiz als Vorbild für Verkehrssicherheitsarbeit nehmen

VCÖ (Wien, 15. Dezember 2017) – Österreich steuert auf die niedrigste Anzahl von Verkehrstoten seit Bestehen der Unfallstatistik zu. Seit Jahresanfang kamen aber bereits 398 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben, berichtet der VCÖ. Damit sterben in Österreich im Straßenverkehr fast doppelt so viele Menschen wie in der Schweiz. Dort wird unter anderem konsequent gegen Schnellfahren vorgegangen, viele Orte haben eine fußgängerfreundliche Verkehrsplanung und es gibt ein dichtes Bahnnetz mit häufigen Verbindungen.

Heuer wurde im Schnitt alle 21 Stunden ein Mensch durch einen Verkehrsunfall in Österreich getötet, macht der VCÖ aufmerksam. Seit Jahresbeginn waren 398  Todesopfer zu beklagen. „Angesichts dieser hohen Opferzahl ist es kein Trost, wenn Österreich am Jahresende die niedrigste Anzahl an Verkehrstoten seit Bestehen der Unfallstatistik aufweisen wird“, stellt VCÖ-Sprecher Christian Gratzer fest. Es ist damit zu rechnen, dass die Zahl der Verkehrstoten um etwa 20 niedriger sein wird als im Jahr 2016, als 427 Menschen bei Verkehrsunfällen getötet wurden.

In der Schweiz kamen im Vorjahr 216 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben. Die Zahl der Verkehrstoten ist in Österreich doppelt so hoch, obwohl in der Schweiz mehr Kilometer zurückgelegt werden. Während hierzulande rund 80 Milliarden Personenkilometer pro Jahr mit dem Auto gefahren werden, sind es in der Schweiz 94 Milliarden Personenkilometer, informiert der VCÖ.

„Es gibt mehrere Gründe, warum in der Schweiz die Verkehrssicherheit höher ist. Die Schweiz geht konsequenter gegen Schnellfahren vor. Es gibt beim Überschreiten von Tempolimits de facto keine Toleranz und wer 20 km/h zu schnell fährt, zahlt umgerechnet mehr als 150 Euro, das ist fünfmal so hoch wie in Österreich. Auf Autobahnen gilt Tempo 120, auf vielen Freilandstraßen Tempo 80“, erklärt VCÖ-Sprecher Gratzer. In Österreich war heuer jeder vierte tödliche Verkehrsunfall die Folge von zu hohem Tempo.

Im Ortsgebiet ist in der Schweiz die Verkehrsplanung meist fußgängerfreundlich, es gibt landesweit mehrere hundert Begegnungszonen. Auf das Radfahren wird mehr Rücksicht genommen, wichtige Ziele, wie etwa Bahnhöfe, sind meist gut mit dem Fahrrad erreichbar. Und die Schweiz profitiert vom dichten Bahnnetz mit seinen häufigen Verbindungen. Das Unfallrisiko mit dem Auto ist um ein Vielfaches höher als mit der Bahn. In Österreich wurden im Vorjahr 12,6 Milliarden Personenkilometer mit der Bahn gefahren, was pro Person innerhalb der EU der Spitzenplatz ist. In der Schweiz aber wurden im Vorjahr 20,8 Milliarden Personenkilometer mit der Bahn zurückgelegt, betont der VCÖ.

In Österreich ist Vorarlberg nicht nur geografisch der Schweiz am nächsten. Auch hinsichtlich der fußgängerfreundlichen Verkehrsplanung, der Radinfrastruktur und dem Öffentlichen Verkehrsangebot ist Vorarlberg der Schweiz sehr nahe. Der VCÖ weist darauf hin, dass die Zahl der Verkehrstoten in Vorarlberg mit 14 österreichweit am niedrigsten ist – so wie in den vergangen beiden Jahren. Das Burgenland weist heuer pro 100.000 Einwohner 8,2 Verkehrstote auf, Vorarlberg 3,6. Niedriger war dieser Wert nur in Wien (1,1 Verkehrstote pro 100.000 Einwohner).

Der VCÖ sieht die kommende Regierung gefordert, das öffentliche Verkehrsangebot in den Ballungsräumen und in den Regionen stark auszubauen. Jedes der 124 regionalen Zentren in Österreich soll gut und häufig mit Bahn und Bus erreichbar sein. In den Regionen braucht es auch mehr Nacht- und Discobusse sowie Anrufsammeltaxis. Damit Gemeinden dieses Angebot finanzieren können, soll ein Teil der Einnahmen aus Verkehrsstrafen dafür zweckgewidmet werden. 

VCÖ: Heuer weniger Verkehrstote in Österreich
1.1.bis 14.12.2017: 398 Verkehrstote (vorläufige Daten)
Jahr 2016: 427 Verkehrstote (bisher niedrigste Anzahl an Verkehrstoten)
Jahr 2015: 475 Verkehrstote
Jahr 2014: 430 Verkehrstote
Jahr 2013: 455 Verkehrstote
Jahr 2012: 531 Verkehrstote
Jahr 2011: 523 Verkehrstote
Jahr 2010: 552 Verkehrstote
Jahr 2009: 633Verkehrstote
Jahr 2008: 679 Verkehrstote
Jahr 2007: 691Verkehrstote
Jahr 2006: 730 Verkehrstote
Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2017

VCÖ: In Vorarlberg gab es die wenigsten tödlichen Verkehrsunfälle (Anzahl Verkehrstote 1.1. bis 15. 12. 2017)
Niederösterreich: 91 Verkehrstote
Oberösterreich: 77
Steiermark: 74
Salzburg: 42
Tirol: 28
Kärnten: 28
Burgenland: 24
Wien: 20
Vorarlberg: 14
Österreich: 398 Verkehrstote
Quelle: BMI, VCÖ 2017

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