VCÖ: Österreich hat im EU-Vergleich sehr niedrige Spritpreise

VCÖ: Im Vergleich zu September 2012 ist Sprit in Österreich um rund 30 Cent billiger

Fotocredit: Volker_Möhrke_CORBIS, Norbert_Novak

VCÖ (Wien, 26. April 2021) – Die Spritpreise in Österreich liegen deutlich unter dem EU-Schnitt, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse zeigt. Diesel kostet in 19 EU-Staaten mehr als in Österreich, Eurosuper in 18 EU-Staaten und ist nur noch in Ländern billiger, wo die Kaufkraft deutlich niedriger ist als in Österreich. Im Vergleich zum September 2012 sind die Spritpreise in Österreich um rund 30 Cent niedriger als heute. Die niedrigen Spritpreise in Österreich sind eine der Ursachen für die stark gestiegenen Treibhausgas-Emissionen des Verkehrs.

Ein Liter Eurosuper kostet in den Niederlanden 1,75 Euro und damit um 52 Cent mehr als in Österreich. In insgesamt 18 EU-Staaten kostet Eurosuper mehr als hierzulande, informiert der VCÖ. Beispielsweise in Griechenland um 37 Cent mehr, in Italien um 35 Cent, in Deutschland um 30 Cent und selbst in der Slowakei ist um rund 13 Cent pro Liter mehr zu bezahlen als in Österreich. Billiger ist Eurosuper nur in Staaten, wo die Einkommen niedriger sind als in Österreich, wie beispielsweise in Ungarn oder Polen.

Diesel kostet in 19 EU-Staaten mehr als in Österreich. In Schweden beispielsweise ist für einen Liter Diesel um rund 40 Cent mehr zu bezahlen, in Italien um 26 Cent, in Belgien um 25 Cent, in Deutschland um 14 Cent, in Kroatien um 11 Cent. Vor zehn Jahren war Diesel nur in zwölf EU-Staaten teurer als in Österreich, berichtet der VCÖ. „Während andere Staaten auf die sich verschärfende Klimakrise mit CO2-Besteuerung reagiert haben, hat Österreich seit 1. Jänner 2011, also seit mehr als zehn Jahren, die Mineralölsteuer nicht mehr erhöht. Sprit ist inflationsbereinigt heute günstiger als vor 35 Jahren“, verdeutlicht VCÖ-Experte Michael Schwendinger.

Niedrige Spritpreise behindern die Reduktion der Treibhausgas-Emissionen. Höhere Spritpreise sind zum einen ein Anreiz, Fahrgemeinschaften zu bilden, spritsparender zu fahren oder überhaupt auf öffentliche Verkehrsmittel oder bei kürzeren Strecken auf das Fahrrad umzusteigen. Zudem steigt der Anreiz, sich beim Neuwagenkauf für emissionsfreie Antriebe zu entscheiden, wie das Beispiel Niederlande zeigt. Die Niederlande ist nicht nur beim Benzinpreis der Spitzenreiter in der EU, sondern auch bei den E-Pkw-Neuzulassungen, die im Jahr 2020 bereits bei 20 Prozent lagen, macht der VCÖ aufmerksam. In Österreich betrug der Anteil trotz hoher Ankaufförderungen nur bei 6,4 Prozent.

Der Verkehr ist bei den Treibhausgas-Emissionen Österreichs größter Problembereich. Während es in anderen Sektoren, etwa bei Gebäude, durch umfassende Maßnahmen gelungen ist, die Treibhausgas-Emissionen gegenüber dem Jahr 1990 deutlich zu reduzieren, sind die Emissionen des Verkehrs stark gestiegen. Im Jahr 2019 verursachte der Verkehr um über zehn Millionen Tonnen mehr CO2 als im Jahr 1990 und laut WIFO war der CO2-Ausstoß selbst im Coronajahr 2020 um 7,6 Millionen Tonnen höher als im Jahr 1990. Die Verkehrszunahme macht die Einsparungen anderer Sektoren wieder zunichte.

„Fachleute, wie das Umweltbundesamt, das WIFO oder die Klimawissenschaft, haben in der Vergangenheit zahlreiche Maßnahmen vorgeschlagen, die die Treibhausgas-Emissionen des Verkehrs deutlich reduzieren. Anstatt sie umzusetzen, wurden sie blockiert. Das Bremsen und Verhindern von Klimaschutz-Maßnahmen wird Österreich sehr teuer kommen, wie auch der Rechnungshof zuletzt warnte“, erinnert VCÖ-Experte Schwendinger an den jüngsten Rechnungshofbericht, der die Strafzahlungen für Österreich wegen des Verfehlens der Klimaziele mit bis zu neun Milliarden Euro bis zum Jahr 2030 beziffert. Das Klimaschutzgesetz ist ein wichtiger und notwendiger Schritt, um diese Strafzahlungen zu verhindern.

Der VCÖ drängt daher auf die rasche Umsetzung einer ökosozialen Steuerreform inklusive Abschaffung des Dieselprivilegs, die den CO2-Ausstoß verursachergerecht bepreist und klimaverträgliches Verhalten über einen Ökobonus belohnt.

 

VCÖ: Österreich bei Spritpreisen in der EU im Schlussfeld (Preis für 1 Liter Eurosuper, in Klammer 1 Liter Diesel, April 2021)

  1. Niederlande: 1,752 Euro (1,391 Euro)
  2. Dänemark: 1,636 Euro (1,336 Euro)
  3. Finnland: 1,620 Euro (1,480 Euro)
  4. Griechenland: 1,600 Euro (1,319 Euro)
  5. Portugal: 1,576 Euro (1,361 Euro)
  6. Italien: 1,574 Euro (1,435 Euro)
  7. Schweden: 1,566 Euro (1,565 Euro)
  8. Deutschland: 1,526 Euro (1,310 Euro)
  9. Frankreich: 1,516 Euro (1,372 Euro)
  10. Irland: 1,460 Euro (1,360 Euro)
  11. Belgien: 1,415 Euro (1,422 Euro)
  12. Estland: 1,375 Euro (1,198 Euro)
  13. Kroatien: 1,357 Euro (1,283 Euro)
  14. Slowakei: 1,353 Euro (1,175 Euro)
  15. Malta: 1,340 Euro (1,210 Euro)
  16. Spanien: 1,320 Euro (1,180 Euro)
  17. Lettland: 1,288 Euro (1,185 Euro)
  18. Luxemburg: 1,280 Euro (1,132 Euro)
  19. ÖSTERREICH: 1,225 Euro (1,168 Euro)
  20. Tschechien: 1,218 Euro (1,145 Euro)
  21. Litauen: 1,217 Euro (1,093 Euro)
  22. Zypern: 1,188 Euro (1,224 Euro)
  23. Slowenien: 1,173 Euro (1,185 Euro)
  24. Ungarn: 1,167 Euro (1,160 Euro)
  25. Polen: 1,164 Euro (1,150 Euro)
  26. Rumänien: 1,121 Euro (1,091 Euro)
  27. Bulgarien: 1,032 Euro (1,000 Euro)

Schweiz: 1,560 Euro (1,569 Euro)

Großbritannien: 1,548 Euro (1,483 Euro)

Quelle: EU-Kommission, VCÖ 2021

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