VCÖ: Österreich hat höheren Diesel-Anteil als EU-Schnitt

VCÖ (Wien, 9. Dezember 2015) – Seit dem Jahr 2010 kamen in Österreich mehr als eine Million neue Diesel-Pkw auf die Straße. Der VCÖ weist darauf hin, dass der Anteil der Diesel-Pkw höher ist als im EU-Schnitt und sogar doppelt so hoch wie in den Niederlanden. Für die Luftqualität ist der Dieselboom aufgrund der hohen Schadstoffemissionen negativ. Der VCÖ kritisiert, dass trotz der hohen Gesundheitsschädlichkeit der Abgase Dieseltreibstoff steuerlich begünstigt wird.

Kein Ende des Dieselbooms in Österreich, im Gegenteil die Anzahl der neuzugelassenen Diesel-Pkw steigt wieder. „Nachdem in den letzten drei Jahren die Zahl der neuzugelassenen Diesel-Pkw gesunken ist, ist heuer wieder mit einem Anstieg zu rechnen“, so VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen. Der VCÖ rechnet für heuer am Jahresende mit mehr als 175.000 Diesel-Pkw Neuzulassungen, nach 172.381 im Vorjahr.

Der Anteil der Diesel-Pkw an den Neuzulassungen steigt bereits seit dem Jahr 2010 und beträgt heute fast 58 Prozent. Den Höhepunkt hatte der Dieselboom im Jahr 2003, als 71 Prozent der Neuwagen mit Diesel fuhren. Bis zum Jahr 2009 nahm der Anteil wieder kontinuierlich auf 46 Prozent ab.

„In Österreich ist der Anteil der Diesel-Pkw höher als im EU-Schnitt und deutlich höher als in vergleichbaren Staaten wie Deutschland oder Schweiz“, stellt VCÖ-Expertin  Rasmussen fest. Rund 55 Prozent der in Österreich in den Jahren 2010 bis 2014 neu zugelassenen Pkw fahren mit Diesel. Zum Vergleich: In Deutschland beträgt der Dieselanteil für diesen Zeitraum rund 46 Prozent, in Dänemark rund 39 Prozent und in den Niederlanden nur rund 25 Prozent, macht der VCÖ aufmerksam. Auch der EU-Schnitt lag mit 53 Prozent unter dem Wert von Österreich. Während im Vorjahr in Österreich der Anteil der Diesel-Pkw 57 Prozent betrug, lag dieser in der Schweiz bei nur 37 Prozent. Innerhalb der EU hat Luxemburg den höchsten Dieselanteil: Drei Viertel der zwischen 2010 und 2014 neu zugelassenen Pkw fahren mit Diesel.

„Für die Luftqualität in Österreich ist der hohe Diesel-Anteil aufgrund der deutlich höheren Stickoxid-Emissionen sehr negativ. Stickoxide schädigen die Gesundheit der Bevölkerung“, weist VCÖ-Expertin Rasmussen auf die Folgen hin. Besonders Stickstoffdioxid ist sehr gesundheitsschädlich. Es schädigt die Atemwege, kann zu Entzündungen und Bronchitis führen, Lungenödeme auslösen. Ist die Stickstoffdioxid -Belastung über längere Zeit zu hoch, nimmt auch die Zahl an Herzinfarkten zu.

Verschärft werden die negativen Folgen des Dieselbooms dadurch, dass viele neue Fahrzeuge beim Fahren auf der Straße deutlich größere Schadstoffmengen emittieren als auf dem Papier steht. Bei Messungen des deutschen ADAC wurde der am Papier angegebene Stickoxid-Wert von drei Viertel der getesteten EURO6-Modelle um bis zu das 14-Fache überschritten. Messungen des Forschungsinstituts ICCT bei 15 neuen Dieselmodellen (Abgasklasse EURO6) waren die Stickoxid-Werte im Schnitt sieben Mal (!) so hoch wie der Grenzwert für die Messungen im Labor vorschreibt. Im Jahr 2011 kam eine britische Studie zum Ergebnis, dass die getesteten EURO5-Modelle beim Fahren so schlechte Abgaswerte hatten wie die älteren EURO3 und EURO4 Modelle.

„Je mehr Schadstoffe bei den Auspuffen rauskommen, umso mehr gelangen über die Atemluft in unsere Lungen. Angesichts der Gesundheitsschädlichkeit der Dieselabgase ist es unverständlich, dass Dieseltreibstoff im Vergleich zu Eurosuper steuerlich begünstigt wird“, so VCÖ-Expertin Rasmussen. Die Mineralölsteuer auf Diesel ist um 8,5 Cent pro Liter niedriger als auf Eurosuper. Bis zum Jahr 2014 war in Österreich wegen der Gesundheitsschädlichkeit der Dieselabgase die Normverbrauchsabgabe (NoVA) für Diesel-Pkw höher als für Benziner. Diese Differenz wurde mit der letzten NoVA-Reform abgeschafft – mit der Begründung, dass EURO6-Fahrzeuge angeblich „sauber“ wären. Die Messungen beim Fahren auf der Straße zeigen aber, dass dem nicht so ist.

 

VCÖ: Allein seit dem Jahr 2010 mehr als eine Million neue Diesel-Autos in Österreich

(Anzahl Neuzulassungen von Diesel-Pkw in Österreich)

Jahr 2015 (Abschätzung VCÖ): 175.000 bis 176.000
Gesamtjahr 2014: 172.381
Gesamtjahr 2013: 180.901
Gesamtjahr 2012: 189.622
Gesamtjahr 2011: 194.721
Gesamtjahr 2010: 167.130

Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2015

 

VCÖ: Diesel-Anteil in Österreich höher als im EU-Schnitt

(Anteil Diesel-Pkw an Pkw-Neuzulassungen 2010 bis 2014)

Luxemburg: 74,6 Prozent
Irland: 70,4 Prozent
Portugal: 70,2 Prozent
Belgien: 69,4 Prozent
Frankreich: 68,8 Prozent
Spanien: 68,6 Prozent
Schweden: 59,8 Prozent
Österreich: 55,2 Prozent
Italien: 52,6 Prozent
Großbritannien: 49,6 Prozent
Deutschland: 46,4 Prozent
Finnland: 39,6 Prozent
Dänemark: 39,4 Prozent
Griechenland: 35,2 Prozent
Niederlande: 25,6 Prozent

EU-28: 53,4 Prozent

Quelle: ICCT, VCÖ 2015

 

VCÖ: Am höchsten war Dieselanteil in Österreich im Jahr 2003

(Anteil Diesel-Pkw an Pkw-Neuzulassungen in Österreich)

1.1.bis 30.10. 2015: 57,7 Prozent
Gesamtjahr 2014: 56,8 Prozent
Gesamtjahr 2013: 56,7 Prozent
Gesamtjahr 2012: 56,4 Prozent
Gesamtjahr 2011: 54,7 Prozent
Gesamtjahr 2010: 50,9 Prozent
Gesamtjahr 2009: 46,0 Prozent
Gesamtjahr 2008: 54,6 Prozent
Gesamtjahr 2007: 59,3 Prozent
Gesamtjahr 2006: 62,1 Prozent
Gesamtjahr 2005: 64,9  Prozent
Gesamtjahr 2004: 70,8 Prozent
Gesamtjahr 2003: 71,5 Prozent

Quelle: Statistik Austria, VCÖ 2015

Zurück zur Übersicht