VCÖ: Österreich hat doppelt so hohen Dieselanteil wie Schweiz und Deutschland

VCÖ: Bezirk Reutte hat höchsten Diesel-Anteil, Wien-Liesing den niedrigsten

VCÖ (Wien, 19. Juli 2017) – Der Tiroler Bezirk Reutte hat im 1. Halbjahr mit 70 Prozent den höchsten Anteil neuzugelassener Diesel-Pkw, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse zeigt. Österreichweit gibt es beim Diesel-Anteil sehr große Unterschiede, ebenso bei den Fahrzeugklassen. So ist der Dieselanteil bei den SUV rund sechsmal so hoch wie bei den Kleinwagen. Für die Luftqualität ist ein hoher Dieselanteil negativ. In Österreich fahren 57 Prozent der Pkw mit Diesel, in Deutschland beträgt der Anteil nur 33 Prozent, in der Schweiz nur 28 Prozent. Der VCÖ fordert verstärkte Maßnahmen zur Reduzierung des Autoverkehrs in den Ballungsräumen.

Beim Anteil der Diesel-Pkw gibt es innerhalb Österreichs große Unterschiede, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse zeigt. So waren im Wiener Bezirk Liesing im 1. Halbjahr nur 27 Prozent der Neuzulassungen Diesel-Pkw, in Wien-Währing war der Diesel-Anteil mit 38 Prozent österreichweit am zweitniedrigsten. Außerhalb Wiens ist im oberösterreichischen Bezirk Braunau mit 40 Prozent der Diesel-Pkw Anteil bei den Neuwagen am niedrigsten. Im Tiroler Bezirk Reutte hingegen fahren sieben von zehn Neuwagen mit Diesel, was vor Schwechat und Wien-Meidling (jeweils 66 Prozent) der höchste Diesel-Anteil ist.

Auch bei den Fahrzeugklassen variiert der Diesel-Anteil sehr stark, informiert der VCÖ. Während dieser bei den Kleinwagen bei elf Prozent liegt, ist der Diesel-Anteil bei den SUV mit 64 Prozent fast sechsmal so hoch und in der Oberklasse (zB Mercedes E-Klasse) mit 89 Prozent sogar achtmal so hoch. 

„Für die Luftqualität ist der hohe Dieselanteil schlecht. Denn beim Fahren auf der Straße ist der Schadstoffausstoß massiv höher als beim Abgastest unter Laborbedingungen ermittelt wird“, weist VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen auf Messungen des deutschen Umweltbundesamts hin. Die neuen EURO6-Diesel Pkw haben im Schnitt 508 Milligramm Stickoxide pro Kilometer ausgestoßen, das liegt um das 6-Fache über den Grenzwert für den Abgastest (80 Milligramm). Der Hauptgrund: Die Abgasreinigung funktioniert nur am Prüfstand permanent, im realen Fahrbetrieb hingegen schaltet sich diese oft ab.

Die dramatischen Folgen dieser massiven Abweichungen hat eine im Mai veröffentlichte Studie verdeutlicht: In der EU sind jährlich rund 11.400 vorzeitige Todesfälle darauf zurückzuführen, dass Diesel-Pkw beim Fahren auf der Straße höhere Schadstoffmengen ausstoßen als am Abgasprüfstand. In Deutschland rät mittlerweile auch der ADAC vom Kauf von Diesel-Pkw ab.

Österreich ist von den hohen Schadstoffemissionen der Diesel-Pkw viel stärker betroffen als Deutschland oder die Schweiz, macht der VCÖ aufmerksam. Während in Österreich 57 Prozent aller Pkw mit Diesel fahren, sind es in Deutschland nur 33 Prozent und in der Schweiz nur 28 Prozent. In der Schweiz gibt es keine Steuerbegünstigung für Diesel. In Österreich ist die Mineralölsteuer auf Diesel um 8,5 Cent pro Liter niedriger als auf Eurosuper. Diese Steuerbegünstigung ist angesichts der verursachten Gesundheitsschäden durch Dieselabgase nicht mehr zu rechtfertigen.

Der VCÖ fordert verstärkte Maßnahmen, um die Zahl der Autofahrten in den Ballungsräumen zu verringern. Nötig sind unter anderem der Ausbau des S-Bahnnetzes in den Ballungsräumen sowie direkte Radschnellverbindungen vom Umland in die Städte. Zudem ist rasch ein Zeitplan für den Ausstieg aus Diesel und Benzin zu beschließen. Realistisch erreichbar ist, dass ab dem Jahr 2030 keine Neuwagen mehr mit Diesel oder Benzin-Pkw verkauft werden.

 

VCÖ: In Wien-Liesing ist Diesel-Anteil am niedrigsten (Anteil Diesel an Pkw-Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2017)

Wien-Liesing: 27 Prozent

Wien-Währing: 38 Prozent

Bezirk Braunau am Inn: 40 Prozent
Wien-Döbling: 40 Prozent
Wien-Ottakring: 40 Prozent

Bezirk Gänserndorf: 41 Prozent
Wien-Hietzing: 41 Prozent

Bezirk Vöcklabruck: 43 Prozent
Bezirk Mattersburg: 43 Prozent
Bezirk Baden: 43 Prozent

Bezirk Tulln: 44 Prozent
Bezirk Steyr Land: 44 Prozent
Josefstadt: 44 Prozent
Linz Land: 44 Prozent

Hernals: 45 Prozent
Penzing: 45 Prozent
Wien-Floridsdorf: 45 Prozent
Villach: 45 Prozent

Quelle: Datafact, VCÖ 2017

 

VCÖ: Bezirk Reutte mit höchstem Diesel-Anteil Österreichs (Anteil Diesel an Pkw-Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2017)

Bezirk Reutte: 70 Prozent

Schwechat: 66 Prozent
Wien-Meidling: 66 Prozent

Wien-Wieden: 65 Prozent

Wien-Leopoldstadt: 64 Prozent

Wien-Simmering: 62 Prozent

Salzburg Stadt: 61 Prozent
Bezirk Bludenz: 61 Prozent

Wien Innere Stadt: 60 Prozent

Steyr: 59 Prozent

Waidhofen/Ybbs: 58 Prozent
Bezirk Landeck: 58 Prozent
Bezirk Liezen: 58 Prozent
Bezirk Oberpullendorf: 58 Prozent
Bezirk Innsbruck Land: 58 Prozent
Wien-Favoriten: 58 Prozent
Wien-Neubau: 58 Prozent

Bezirk Zwettl: 57 Prozent
Wels: 57 Prozent
Bezirk Mödling: 57 Prozent
Bezirk Güssing: 57 Prozent

Quelle: Datafact, VCÖ 2017

 

VCÖ: Bei SUV Diesel-Anteil fast sechs mal so hoch wie bei Kleinwagen (Anteil Diesel bei Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2017)

Oberklasse: 89 Prozent

SUV und Geländewagen: 64 Prozent

Van: 64 Prozent

Luxusklasse: 60 Prozent

Mittelklasse: 58 Prozent

Klein- und Stadtwagen: 11 Prozent

Quelle: Datafact, VCÖ 2017

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