VCÖ: Österreich hat die dritthöchsten Pro-Kopf-Emissionen des Verkehrs in der EU

VCÖ (Wien, 23. Juni 2016) – Der Verkehr ist Österreichs größtes Sorgenkind beim Klimaschutz. In keinem anderen Sektor sind die Treibhausgas-Emissionen seit dem Jahr 1990 so stark gestiegen wie im Verkehr, macht der VCÖ aufmerksam. Eine aktuelle VCÖ-Analyse zeigt, dass Österreich in der EU die dritthöchsten Pro-Kopf-Treibhausgas-Emissionen des Verkehrs aufweist. Der VCÖ fordert umfassende Maßnahmen, um den Verkehr auf Klimakurs zu bringen. Das klimafreundliche Mobilitätsangebot ist massiv auszubauen.

„Österreichs Verkehrsbereich ist noch nicht auf Klimakurs“, stellt VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen fest. Im EU-Vergleich weist Österreich die dritthöchsten Pro-Kopf Treibhausgas-Emissionen auf: Pro Kopf ist der Verkehr für 2.550 Kilogramm klimaschädliche Emissionen pro Jahr verantwortlich, nur in Slowenien und Luxemburg ist dieser Wert noch höher. Österreich liegt bei den Pro-Kopf Emissionen des Verkehrs um 45 Prozent über den EU-Schnitt, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von aktuellen Daten der Europäischen Umweltagentur zeigt. In Frankreich verursacht der Verkehr pro Kopf 2.045 kg Treibhausgase, in Deutschland 1.995 kg und in Italien 1.725 kg.

Auch bei der Entwicklung der Treibhausgas-Emissionen des Verkehrs seit dem Jahr 1990 liegt Österreich im EU-Schlussfeld. Während acht EU-Staaten, darunter Deutschland, Schweden und Finnland, die klimaschädlichen Emissionen des Verkehrs seit dem Jahr 1990 reduziert haben, verzeichnet Österreich die siebthöchste Zunahme, so der VCÖ.

„Der in Österreich vor allem im Vergleich zu Italien und Deutschland deutlich billigere Sprit führt dazu, dass vor allem Transit-Lkw ihre Tanks in Österreich anfüllen. Nicht nur, dass dadurch noch mehr Transit-Lkw durch Österreich statt der Schweiz fahren, werden damit die zum Teil sehr teuren Einsparungen in den anderen Sektoren wieder zunichte gemacht. Der sogenannte Tanktourismus kommt Österreich in Wirklichkeit teuer“, stellt VCÖ-Expertin Rasmussen fest.

Der Sektor „Energie und Industrie“ reduzierte die Emissionen seit dem Jahr 1990 um rund 7 Prozent, die Landwirtschaft um fast 16 Prozent, die Abfallwirtschaft um fast 28 Prozent und der Bereich Raumwärme / Gebäude sogar um rund 42 Prozent.

Im Vorjahr wurden in Österreich rund 9,8 Milliarden Liter Sprit getankt. Um die Erderwärmung auf maximal 1,5 Grad zu beschränken, wurde mit dem Klimavertrag von Paris der Ausstieg aus fossilen Energieträgern beschlossen. Bis 2050 ist ein erdölfreies Verkehrssystem zu erreichen. „Je früher wir uns von Diesel und Benzin verabschieden, umso besser für unsere Klimabilanz und für Österreichs Luftqualität. In Norwegen werden ab 2025 keine neuen Diesel- und Benzin-Pkw mehr verkauft, ein ähnlicher Zeitraum ist auch für Österreich und die EU sinnvoll“, stellt VCÖ-Expertin Rasmussen fest.

Der VCÖ betont, dass ohne Mobilitätswende die Energiewende nicht erreichbar ist. Deshalb ist das umweltfreundliche Mobilitätsangebot umfassend auszubauen und zu verbessern. Der Bevölkerung sind mehr öffentliche Verkehrsverbindungen anzubieten. Besonders großen Aufholbedarf hat Österreich bei der Infrastruktur für den Radverkehr. Österreich solle zudem sein Potenzial nutzen, um sich als Europas Kompetenzzentrum für klimafreundliche Mobilität zu positionieren und damit langfristig nachhaltige Arbeitsplätze in Österreich schaffen.

VCÖ: Verkehr ist Österreichs größtes Klimaschutzproblem (Änderung Treibhausgas-Emissionen in Österreich zw. 1990 und 2014)

Verkehr: plus 57,6 Prozent auf 21,73 Millionen Tonnen
Energie und Industrie: minus 7,2 Prozent auf 33,91 Mio. Tonnen
Landwirtschaft: minus 15,6 Prozent auf 7,93 Mio. Tonnen
Abfallwirtschaft: minus 27,5 Prozent auf 3,1 Mio. Tonnen
Gebäude (Raumwärme): minus 42,1 Prozent auf 7,6 Mio. Tonnen
Sonstiges: 2,01 Mio. Tonnen (plus 21,3 %)

Gesamt: minus 3,2 Prozent auf 76,3 Mio. Tonnen

Quelle: Umweltbundesamt, VCÖ 2016

VCÖ: Österreich hat in EU dritthöchste Treibhausgas-Emissionen des Verkehrs (Treibhausgas-Emissionen des Verkehrs im Jahr 2014, in Kilogramm pro Kopf)

Luxemburg: 11.085 kg
Slowenien: 2.610 kg
Österreich: 2.550 kg
Irland: 2.465 kg
Belgien: 2.250 kg
Dänemark: 2.155 kg
Zypern: 2.120 kg
Frankreich: 2.045 kg
Finnland: 2.030 kg
Deutschland: 1.995 kg
Schweden: 1.860 kg
Niederlande: 1.810 kg
Großbritannien: 1.810 kg
EU 28: 1.760 kg
Estland: 1.725 kg
Italien: 1.725 kg
Litauen: 1.720 kg
Spanien: 1.720 kg
Tschechien: 1.630 kg
Griechenland: 1.600 kg
Malta: 1.525 kg
Portugal: 1.505kg
Lettland: 1.475 kg
Kroatien: 1.345 kg
Slowakei: 1.200 kg
Bulgarien: 1.175 kg
Polen: 1.150 kg
Ungarn: 1.130 kg
Rumänien: 785 kg

Quelle: EEA, VCÖ 2016

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